Eine fette Schlagseite von amerikanischem Prog, Metal und Melodic, die uns vorgeblich künstlich verstummen lässt, kommt direkt aus Washington. Dabei ist da nichts mit Ruhe oder Verstummen angesagt, wenn man das zweite Album „Hollow Drift“ von ARTIFICIAL SILENCE in seinem Player rotieren lässt. Unbedingt sollte man beim ersten Durchlauf gleich noch die finsteren Texte über Fremd- und Dunkelheit, Verlust und Entfremdung in dem sechsseitigen Falt-Booklet hinter dem Jewelcase mitlesen, bis es gleich im Album-Opener „Voice Of A Stranger“ atmosphärisch von ruhiger Piano-Beginn bis explosiv-metallischem Bombast zur Sache geht, während es dann auf „Paradise“ sehr melodisch wird, um sich etwas später mit „Fear and Retribution“ in totaler Finsternis zu verlieren.
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Allerdings fällt die Eigenproduktion mitunter etwas zu fett und verschwommen in den vielen härteren „Hollow Drift“-Momenten aus, wobei die ruhigeren und akustischen sehr gut ausgesteuert sind, der Gesang allerdings etwas untergeht. Gerade weil die lauten Passagen aber deutlich überwiegen, wirkt sich diese Tatsache beim Hören manchmal störend aus.
Musikalisch versuchen ARTIFICIAL SILENCE, die sich bereits 2010 gründeten, es aber gerade mal auf zwei Alben brachten, einen prog-metallischen, bombastischen Fuß zwischen die Türen von DREAM THEATER oder AYREON und TERAMAZE zu bekommen.
Vom Einfallsreichtum und den Texten gelingt ihnen das, was sich bei <a href="https://artificialsilence.bandcamp.com/album/negative-space" target="_blank" rel="nofollow">ihrem deutlich breiter aufgestellten 2018er-Debüt „Negative Space“</a> bereits andeutete, durchaus.
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So gibt’s, nachdem der sich langsam immer mehr in seiner Dynamik steigernde Zehnminuter „Tidal Lock“ mit große Theatralik ankündigt, in dem grandiosen Longtrack – ein wahrer Prog-Epos – sogar eine ausgiebige Hinwendung zu QUEEN zu entdecken. Genau das sind die Momente, in denen man ARTIFICIAL SILENCE verfällt, weil man mitunter das Gefühl hat, eine neue Variante der „Bohemian Rhapsody“ zu lauschen – ähnlich hart, ähnlich orchestral, ähnlich theatralisch und ähnlich verspielt. Dieser 24-Minüter ist definitiv ein Hammer!
Vieles von all dem Symphonischen, Metallischen, Akustischen, Orchestralen und Progressiven – samt der Satzgesänge von „The Shadow“ –
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wirkt stellenweise überladen so wie bei AYREON, wenn sie ihre ganz große, theatralische Sympho-Keule auspacken und ordentlich auf alles draufhauen, was sich nicht vor den bombastischen Klangwällen, die einen überrollen, auf ein paar natürlichen Bäumen in Rettung bringen können.
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FAZIT: Die maßgeblich zu Unrecht seit bisher 16 Jahren gänzlich übersehenen ARTIFICIAL SILENCE aus Washington wagen nach ihrem 2018er-Debüt „Negative Space“ mit „Hollow Drift“ den zweiten Anlauf. Ähnlich bombastisch und symphonisch, oft metallisch, aber auch orchestral und akustisch (allerdings mit Reserven in der Produktion) entfaltet sich das abwechslungsreiche Album, dessen Highlight besonders der epische 24-Minuten-Longtrack als großes Finale ist, zu einem komplexen, spannenden Musikerlebnis mit finsterem, be- und entfremdlichen Konzept.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.10.2026
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