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Reviews

Bismut: Matsutake

Stil: Heavy Psych / Stoner Rock / Doom

Cover: Bismut: Matsutake

Wenn eine Band ihr Album nach einem Pilz benennt, der bevorzugt in Ruinen der Zivilisation gedeiht und als seltene wie eigensinnige Delikatesse gilt, darf man vermuten, dass hier kein Fast-Food-Massengeschmack serviert wird. Mit „Matsutake“ legen die Niederländer BISMUT ihr viertes Album vor – und bleiben dabei konsequent treu. Gesang? Fehlanzeige. Stattdessen führt der Hörer eine rein instrumentale Reise zwischen kontemplativer Versenkung und wuchtigen Riffsalven.
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Inhaltlich orientiert sich das Trio an Anna Lowenhaupt Tsings Essay über ‚den Pils am Ende der Welt‘ als Metapher für das Überleben in den Ruinen des Kapitalismus. Musikalisch übersetzt sich das in einen Sound, der organisch daherkommt, die Musiker auf unnötigen Ballast verzichten und stattdessen auf eine Dynamik setzen, die eine Live-Atmosphäre schafft.
Mit dem Opener „Alienation“ frisst sich ein schleppender Rhythmus tief ins Gehör, während der Bass ein massives Fundament für orientalisch angehauchte Gitarren-Licks legt. „Neugier“ wirkt riff-betont, zelebriert hypnotische Repetition und balanciert zwischen Proto-Doom und post-rockiger Melancholie. Noch experimenteller klingt „Assemblage“, das mit elektronischen Texturen eine fast futuristische Kälte einführt. Diese Einsprengsel wirken nicht aufgesetzt, sondern setzen gezielt Kontrapunkte im erdig knarzenden Gefüge aus Heavy Psych und Stoner Rock.
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Und so hält das Trio über die gesamte Spielzeit hinweg die Spannung, indem es zwischen mantraartigen Wiederholungen und plötzlichen Eruptionen pendelt. Was eben hypnotisch kreiste, bricht im nächsten Moment in ein Riffgewitter auf. Diese rohe, ungefilterte Direktheit macht „Matsutake“ zudem extrem packend: Drei Musiker, die blind miteinander verzahnt sind, sich gegenseitig Raum geben und aus dem Moment heraus agieren, statt Strukturen nur abzuarbeiten.
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FAZIT: BISMUT liefern mit „Matsutake“ eine energiegeladene, hochauthentische Platte, die das selbstgewählte Label „Instrumental Death Boogie“ zwar nicht endgültig erklärt, aber mit Leben füllt. Wer auf schweren Stoner Rock mit psychedelischer Tiefenwirkung steht und keine gesangliche Leitfigur braucht, findet hier ein ebenso eigensinniges wie lohnendes Hörerlebnis.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.05.2026

Tracklist

  1. Alienation
  2. Neugier
  3. Assemblage
  4. Contamination
  5. (Potentially) Immortal
  6. Salvage

Besetzung

  • Bass

    Huibert der Weduwen

  • Gitarre

    Nik Linders

  • Schlagzeug

    Peter Dragt

Sonstiges

  • Label

    Tonzonen Records

  • Spieldauer

    39:22

  • Erscheinungsdatum

    24.04.2026

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