Auf seinem neuen Live-Album macht Detlef Keller das, was er besonders gut kann: Die Musik fließen lassen, sie im Schwebenzustand zu halten, der im weiteren Verlauf von Sequenzerrhythmen handfest aufgelockert wird. Später kommen beim schlicht „Lemgo 1-4“ betitelten Fünfzigminüter noch emulierte Gitarren hinzu, ein bisschen Südeuropa-Flair (erinnert euch an den „Spaintronic“-Vorgänger) inklusive.
Das nimmt ordentlich Fahrt auf, bleibt aber immer traumverhangen luftig, hält geschickt die Waage zwischen Melancholie und jubilierenden Momenten. Oder wie der Aphoristiker Hans-Christoph Neuert es ausdrückt: „Dämmerung drängt zwischen Tagtraum und Dunkel, der Himmel ergibt sich.“ Das trifft die Stimmung von „Lemgo“ ziemlich genau.
“Münster”, wie sollte es anders sein, lässt es zuerst tröpfeln, bevor auch hier in spacige Wolkenflüge hinüber geglitten wird, um dann Tempo aufzunehmen. Die beiden zehnminütigen Tracks wirken wie feinfühlige Blaupausen für all das, was die elektronische Musik im weiten Umfeld der Berliner Schule so reizvoll macht.
<br><center><iframe style="border: 0; width: 350px; height: 350px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=3361848533/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/minimal=true/track=741362446/transparent=true/" seamless><a href="https://manikinrecords.bandcamp.com/album/2025-live">2025 Live von Detlef Keller</a></iframe></center></br>
FAZIT: Detlef Kellers „2025 Live“ bietet elektronische Meditationen mit genügend Sequenzer-Rhythmik und schwungvollen Passagen, um mehr als eine bloße Einschlafhilfe zu sein. Elegische Kontemplation und pulsierende Trips durch den Kosmos der elektronischen Musik ergeben eine, wieder einmal, gelungene, zueinander passende Gesamtheit.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.05.2026
Detlef Keller
Detlef Keller (Sequencer)
Manikin Record
72:39
11.04.2026