Wer sein Fanzine DEZENTRALISIERTES KADAVERKOLLEKTIV nennt, mag kein Fürsprecher für leichte Sprache sein, doch ein inklusiver Ansatz ist der 44 Seiten starken DIY-Publikation ganz sicher eigen, berichtet sie doch als "Fachmagazin für stille und laute Subkultur" augenzwinkernd über "Musik, Literatur, Spiele auf Papier und Bildschirm und ????“ – so jedenfalls steht es auf dem Deckblatt der Ausgabe #672…
…und so entpuppt sich auch ihr Inhalt beim Schmökern, wobei eine gewisses Insider-Wissen vorausgesetzt wird, weil manchmal Reviews (z.B. des Isidor- und des Trust-Fanzines) zwar angedeutet, nicht jedoch umfassend ausbuchstabiert werden – oder reicht Euch der Name "Bernd" als Zusammenfassung und Kritik?
Humor sollte also im Gepäck sein, wenn man sich an die Lektüre dieser ansprechend gestalteten Publikation begibt, für deren Erscheinungsbild ab sofort der illustrierende Künstler David Staege verantwortlich zeichnet, der sich in dieser Ausgabe u.a. den Demos des amerikanischen Death-Metal-Projekts Blackened Chapel annimmt – noch nerdiger kann (respektvolle) Leichenfledderei im Underground wohl kaum betrieben werden…
<br><center><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=4009543451/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/transparent=true/" seamless><a href="https://blackenedchapel.bandcamp.com/album/death-beyond-the-grave-1994-demo-2">Death Beyond the Grave 1994 demo 2 by Blackened Chapel</a></iframe></center></br>
Wirklich schlau werde ich aus dem DEZENTRALISIERTE(N) KADAVERKOLLEKTIV bislang kaum, und wahrscheinlich ist das auch nicht die Absicht dieser in einiger Hinsicht unwahrscheinlichen Publikation, die mich an klassische kopierte Fanzines (wie z.B. das Malleus Maleficarum) erinnert. So erschließt sich mir nicht, warum bei Tonträger-Rezensionen die Songtitel abgedruckt werden, denn diese Informationen sind leicht z.B. auf Bandcamp zu finden und „rauben“ quasi Platz für einige weitere persönliche Zeilen des Schreibenden zur Musik. Und einige Texte bleiben mir zu stark an der Oberfläche – wer beim DEZENTRALISIERTE(N) KADAVERKOLLEKTIV schreibt, der darf in seiner Wortwahl wie im Textaufbau gerne überraschen, denn ein solcher Name verpflichtet zu ungewöhnlichen Perspektiven und zumindest zu ein wenig Tiefgang, oder?
FAZIT: Das DEZENTRALISIERTE(S) KADAVERKOLLEKTIV becirct seine Leserschaft mit klassischem Copyshop-Fanzine-Charme im DinA5-Format, das auf 40 schwarz-weißen (und vier orangen Seiten als Umschlag) eine eigensinnige Mischung enthält, deren musikalischer Anteil zwischen Punk- und Death-Metal-Underground verortet werden kann.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.05.2026
Kai Ellermann, David Staege
Eigenveröffentlichung
44 Seiten
19.05.2026