Nachdem mir hier zuletzt reichlich Rock um die Ohren flog, wirkt der Indie-Pop der Britin GIRLI auf „it’s just my opinion“ beinahe wie eine kleine Erholungskur für die Gehörgänge. Der Künstlername passt dabei perfekt zur Musik: Alles klingt angenehm poppig, verspielt und leicht melancholisch – als würde man einen Blick in das Zimmer eines verträumten, leicht aufmüpfigen Girlies werfen. (Passenderweise liefert das Plattencover einen Einblick in dieses Zimmer.)
<br><center> <iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/2_uBAHAWaWM?si=lhEYPL_Ymyfr4nmM" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></center></br>
Hier liegt allerdings auch eine Schwäche des Albums: Viele Songs wirken austauschbar und folgen allzu strikt demselben glattgebügelten Pop-Schema. Umso erfreulicher ist es, wenn Stücke wie „Don’t Make Me Cry“ oder „Lifestyle“ den Computerpop etwas zurückfahren und stattdessen mehr echte Emotionen zulassen. Mit „Squirm“ dürfen schließlich sogar zerrende Gitarren hineinplatzen, was dem Song eine unerwartete, aber durchaus spannende Wendung verleiht. Auch inhaltlich sind die Themen weniger Girlie-haft: Es geht um die eigene Identität, Queerness, gesellschaftliche Erwartungen und mentale Gesundheit.
<br><center> <iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/Hh3AkN9kmp4?si=JDqnARYS3VKAV5Gl" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></center></br>
„Better Undressed“, bringt Album und Potenzial von GIRLI treffend auf den Punkt: viel formelhafter Pop, aber zugleich immer wieder hörbare Versuche, aus diesem Korsett auszubrechen und mit frecher, leicht aufmüpfiger Punk-Attitüde eigene Akzente zu setzen.
Wohin sich die musikalische Reise der Britin entwickeln wird, bleibt spannend – hoffentlich stärker in Richtung Songs wie „The Answer“, der mit kleinen Ecken und Kanten deutlich mehr Persönlichkeit entfaltet.
<br><center><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/0GF3dhlCqsE?si=c97peD1azBMdVoxx" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></center></br>
FAZIT: GIRLI liefert mit „it’s just my opinion“ lockeren Pop mit leichter Indie Punk-Attitüde. Zwar verliert sich das Album stellenweise zu sehr im austauschbaren Sound, doch immer dann, wenn etwas mehr Persönlichkeit, Emotion oder Gitarren-Kratzen durchscheinen, wird deutlich, dass in der Britin deutlich mehr steckt als bloß geschniegelt-glatter Standard-Pop.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.05.2026
Believe Music
35:30
08.05.2026