Das Berlin/Brüssel Quartett GOLDEN HOURS schaltet auf „Beyond Wires“ spürbar einen Gang zurück und entführt in eine vielschichtige, sphärische Klangwelt, die von großzügigem Halleinsatz, fein verwobenen Texturen und entrückten Vocals geprägt ist.
Gleich zwei Stimmen prägen das Geschehen – geschmeidig und mit feinem Gespür für Atmosphäre fügen sie sich in die schimmernden Soundflächen ein und verleihen den Songs eine emotionale Tiefe, die wie in „Heading To The Moon“ bisweilen an BOWIE erinnern lässt.
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Die teils äußerst umtriebigen Musiker dieses Projekts waren oder sind unter anderem auch bei TRICKY, GANG OF FOUR oder THE BRIAN JONESTOWN MASSACRE aktiv und leben nun auf ihrem zweiten GOLDEN HOURS Longplayer ihre Vorliebe für unkonventionelle Sounds und klangliche Experimente aus – eingebettet in eine allgegenwärtige Melancholie. So wird selbst die Weite und Einsamkeit der „Arctic Desert“ musikalisch greifbar: flirrende Flächen, zurückgenommene Rhythmen und eine latente Schwermut verdichten sich zu einem atmosphärischen Panorama, das gleichermaßen entrückt wie eindringlich wirkt.
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Ein zarter Hoffnungsschimmer keimt bei Songs wie „The Letter“ oder „The Same Thing“ auf, die mit dezentem Indie-Rock-Einschlag und etwas hellerer Grundierung aufwarten. Die Melancholie bleibt spürbar, wird hier jedoch von einer vorsichtig optimistischen Note durchzogen. Repetitiv und latent psychedelisch gerät dagegen „Book Of Lies“, während „Voiced“ den Trip mit feinen Tex-Mex-Anleihen komplettiert – eine Atmosphäre, die problemlos einen Film QUENTIN TARANTINO veredeln könnte. Mit der Schlussnummer „The Water’s Fine“ wird dann schließlich der Kreis zwischen Schwermut und Zuversicht. geschlossen.
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FAZIT: „Beyond Wires“ von GOLDEN HOURS ist ein atmosphärisch dichtes, bewusst entschleunigtes Album, das ganz auf schwebende Klangflächen und die intensive Wirkung der ineinanderfließenden Stimmen setzt. Zwischen Melancholie, dezenten Indie-Momenten und psychedelischer Weite entfaltet GOLDEN HOURS einen Sound, der weniger sofort zündet, dafür aber nachhallt.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.03.2026
Wim Janssens
Hákon Aõalsteinsson, Wim Janssens
Rodrigo Fuentealba Palavacino, Hákon Aõalsteinsson
Tobias Humble
Fuzz Club
42:45
06.02.2026