<b>„Als Instrumentalband lassen wir bewusst Raum für Interpretationen. Jedes Bandmitglied und jeder Zuhörer kann seine eigenen Emotionen auf die Musik projizieren. Dennoch markiert dieses Album einen wichtigen Meilenstein für uns. Wir haben das Gefühl, endlich unseren wahren Sound gefunden zu haben. Wir haben die vielfältigen Einflüsse und Sensibilitäten jedes einzelnen Mitglieds voll und ganz integriert, was zu einem Ergebnis führte, das kohärenter und klarer definiert ist als je zuvor.“</b> (HANRY zu ihrem Debüt-Album)
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Ein weiteres Werk aus dem unerschöpflichen Musik-Ozean des Post Rock, der zwar nicht unendlich viele Freunde hat, dafür aber, wenn man einmal intensiver in ihm abgetaucht ist, immer wieder seine Reize zu entfalten vermag. Oft bestehen diese aus düsteren Klangwänden, mit einem sich steigernden Bombast voller (künstlicher) Streicherflächen, die nach drohendem Unheil klingen – als eine lautere Vorstufe der dann eintretenden Stille. Und damit wären wir auch schon bei „What Came From Silence“ der französischen Postrocker HANRY, deren aktuelles Album ähnlich wie der sich erhebende Brocken auf dem dazugehörigen Cover klingt.
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Hier treffen also die musikalischen Ideen beispielsweise von BOARDS OF CANADA und EXPLOSIONS IN THE SKY, angereichert mit mehreren Prisen A SILVER MT. ZION und MOGWAI aufeinander und ergießen sich in deren schwer klingenden, rein instrumentalen französischen Variante.
Nichts Neues. Aber wer erwartet noch Neues in dieser stilistischen Musik-Breitwand-Rock-Erusion namens Post Rock noch?
Obwohl man bei der plötzlichen Hinwendung auf „Her Crown Her Empire“ dann Richtung SIGUR RÓS doch etwas überrascht wird.
Ansonsten aber bleiben die sich fett erhebenden, epischen Musik-Klangbrocken bei HANRY Programm.
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Immer wieder treffen bei der 2022 gegründeten Band getragen atmosphärische, zurückhaltende Momente auf Momente volle Wucht und eruptiven Ausbrüchen. HANRY beherrschen dieses Wechselspiel bereits auf ihrem Debüt-Album, wobei der Sound allerdings manchmal etwas verwaschen und zu verhallt klingt.
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Angekündigt wird „What Came From Silence“ jedenfalls vom Platten-Label 'Pelagic Records' als „eine cineastische Reise, die zugleich introspektiv, mitreißend und sorgfältig kuratiert ist. HANRY verwandeln Zurückhaltung in Resonanz, und 'What Came From Silence' ist ein Album, das zum Eintauchen einlädt; es beginnt in Stille und entfaltet sich langsam, unaufhaltsam zu etwas Weitem und Leuchtendem.“
Damit wäre auch der Album-Titel erklärt – und aus Post-Rock-Sicht können diese Label-Zeilen durchaus auch vom Kritiker unterschrieben werden – und spätestens wenn sich dann in „Dead Waves“ auch noch eine Americana-Variante einschleicht, ist für die eine oder andere Abwechslung gesorgt.
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Mehr aber erkennt man diese kühlen Sounds und Rhythmen, wofür die französischen Postrocker ihre eigene Erklärung liefern: „Das Album entstand während eines besonders langen und harten Winters in der Bretagne, und diese Atmosphäre ist wahrscheinlich auf der gesamten Platte zu spüren. Es durchzieht eine gewisse Spannung, gemischt mit tiefer Selbstbeobachtung.“
Oh ja, das trifft es noch besser. Also: Wer hier sich warm und anheimelnd entfaltende Sounds erwartet, der wird dann doch nach der Musik-Dreiviertelstunde ein wenig frieren – alle Anderen können sich bestens in der Musik wie unter einer feinen Schneedecke begraben lassen und genießen, wenn klare Töne auf verhallte Klänge treffen und sich immer wieder mal ergänzen oder mal verdrängen, wobei: Die verhallten Töne sollten beim nächsten Mal vielleicht zugunsten der klaren Gitarren- oder Piano-Passagen ein wenig zurückgefahren werden.
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FAZIT: Ein ambitioniertes Debüt-Album voller filmisch sich entwickelnder Klangwelten ist „What Came From Silence“ der französischen, auf viel Atmosphäre setzenden Postrocker HANRY geworden. Wer also mit diesem mächtig überlaufen(d)en Genre und dem bereits im Albumtitel als Band-Grundsatz zu verstehendem Musikideal etwas anfangen kann, den schließen HANRY liebevoll in ihre Arme, denn ihre Absicht bleibt unbestritten: „Seit den Anfängen von HANRY stehen filmische Bilder im Mittelpunkt unserer künstlerischen Vision. Wir komponieren oft ausgehend von mentalen Bildern, Landschaften oder Szenen, die fast aus einem Film stammen könnten. Wir wollten auch mit Variationen in Intensität und Stimmung spielen, damit das Album als Ganzes erlebt werden kann, fast wie ein einziges durchgehendes Stück. Die Idee ist, dass der Zuhörer vollständig eintaucht und seine eigenen Emotionen hineinprojiziert.“ Also: Viel Freude beim Eintauchen in die eigenen Gefühlswelten, die von HANRY zum Klingen gebracht werden!
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.06.2026
Anthony Leljard
Hadrien Benazet, Jean-Anael Aubaux, Anthony Leljard
Marc Mifune, Jean-Anael Aubaux, Anthony Leljard
Clément Champigny
Marc Mifune (Cello)
Pelagic Records
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29.05.2026