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Hats Off Gentlemen It's Adequate: Parallel Lives

Stil: Progressive Rock, Electronics

Cover: Hats Off Gentlemen It's Adequate: Parallel Lives

HATS OFF GENTLEMEN IT'S ADEQUATE treten auf ihrem neunten Album unzweifelhaft mit ihren persönlichsten Lebenserfahrungen an. Keine guten Erfahrungen, denn während der Arbeit an „Parallel Lives“ wurde bei dem einen der beiden Bandköpfe - Malcolm Galloway - die Diagnose einer seltenen, unheilbaren und fortschreitend neurodegenerativen Netzhauterkrankung diagnostiziert. Plötzlich lebt man aus psychologischer Perspektive in zwei unterschiedlichen Welten – und genau diese versucht Galloway als Texter in „Parallel Lives“ einzubringen. Mit diesem Hintergrund im Kopf fällt es dem Hörer nicht leicht, sich intensiv auf dieses Album – das übrigens (vielleicht auch gerade der benannten Tatsache wegen) großartig gelungen ist – einzulassen.
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So findet man im 24 Seiten starkes Booklet (!!!) mit allen sehr gut leserlichen Texten, auch die genauen Ausführungen von Malcolm Galloway zu jedem der insgesamt 10 Songs, wobei er in einem Vorwort auf besagte Diagnose bei ihm eingeht. Ohne jegliche Weinerlichkeit stellt er am Ende aber trotzdem fest: „Obwohl ich mir bewusst keine Sorgen um meine Augen gemacht habe (möglicherweise befand ich mich emotional in einer Verleugnungsphase), fiel diese Diagnose mit einer Verschlechterung meines psychischen Zustands in anderer Hinsicht zusammen. Mir ist bewusst, dass andere Menschen schlimmere Probleme haben, und ich möchte keine große Sache daraus machen, aber es hat mein Selbstverständnis und meine Zukunftsperspektiven erschüttert. Ob bewusst oder unbewusst – dies hat sich in der Musik dieses Albums niedergeschlagen.“
Ein wenig hört man diese Stimmung dann auch auf dem ersten klassisch angehauchten Instrumental „Never Really Felt Like Home“.
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Trotzdem wird „Parallel Lives“ nicht etwa zu einem weinerlichen Album. Eher zu einem etwas traurigen, aber gespickt mit vielen optimistischen Momenten, die gleich am Album-Anfang auf „My Blistering Mind“ mit einem regelrecht unterhaltsamen Pop-Appeal, das etwas an die BOOMTOWN RATS erinnert, eröffnet werden, das allerdings darüber hinwegtäuscht, wie schwer das Thema dahinter ist, sodass Galloway im Booklet hierzu ausführt: „'My Blistering Mind' wird aus der Perspektive einer Person gesungen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. Wenn ich in dem Song von einem 'splintering mind' spreche, meine ich damit eher einen Geist mit scharfen Kanten, die Schmerzen verursachen, und nicht etwa einen Ausdruck von Schizophrenie oder multiplen Persönlichkeitsstörungen.“

Nach wie vor bleiben sich beide Musiker aber im Ansatz all ihrer neun Alben treu und flechten wiederum unverkennbare TANGERINE DREAM-Parallelen in „Pretty Blue Fox“ oder den längeren Stücken ein, sodass für Abwechslung gesorgt ist, über der immer ein wenig Melancholie schwebt.
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„Eversion“, ein mit Jazz-Einflüssen daherkommender Song wurde hingegen von einem Alastair-Reynolds-Roman (und musikalisch offensichtlich von ECHOLYN) inspiriert, der sich ebenfalls mit dem Themen der Identitätsverschleierung beschäftigt. wobei ein Chirurg immer wieder ähnliche Ereignisse in verschiedenen historischen Epochen erlebt.
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So spürt der Hörer auf die Dauer bis hin zum finalen „Just Hold On (Parts 1 & 2)“ wie sich immer mehr Melancholie in die Musik der beiden Engländer hinter HATS OFF GENTLEMEN IT'S ADEQUATE einschleicht, obwohl das Album mit „Just Hold On (Parts 1 & 2)“ sowie der Erkenntnis: „It's not too late / To hold on“, beinahe hoffnungsvoll zu Ende geht.
Anfängliche Erinnerungen an die 1976er-Poe-Platte des ALAN PARSONS PROJECT werden bei diesem zweiteiligen, über neun Minuten andauernden episch-klassischen Stück geweckt, um dann in floydianische E-Gitarrenklänge zu wechseln und fast beschwörend immer wieder die Zeilen: „It's not too late / To hold on“ zu intonieren, nachdem zuvor das Bild einer deprimierenden Situation beschrieben wurde, an der man zu zerbrechen scheint („When all you seem to do is tear yourself apart / Just hold on, just hold on...“).

Warum genau diese Stimmung heraufbeschworen wird, ist dem Hörer natürlich mit dem entsprechenden Hintergrundwissen zu „Parallel Lives“ klar. Oder um es mit den Galloway-Worten zum finalen Stück auszudrücken: „Der Song soll darstellen, wie jemand einen anderen – oder vielleicht auch sich selbst – ermutigt, dass es noch nicht zu spät ist, das Leben anzunehmen. Für viele Menschen ist das Leben nicht einfach, viele Kämpfe sind unsichtbar, und manchmal ist es schon eine Leistung, die es wert ist, gefeiert zu werden, wenn man es einfach nur schafft, durchzuhalten.“
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FAZIT: HATS OFF GENTLEMEN IT'S ADEQUATE lassen auch auf ihrem neunten, extrem abwechslungsreich progressiven (von Artrock bis zu Electronics) Album „Parallel Lives“ musikalisch nichts anbrennen. Dieses Mal wird es allerdings persönlicher als je zuvor, denn während „Parallel Lives“ entstand, ereilte den einen der beiden englischen Musiker dieses progressiven Duos die Diagnose einer seltenen, unheilbaren und fortschreitend neurodegenerativen Netzhauterkrankung, wozu der davon betroffene Malcolm Galloway im Vorwort des 24-seitigen Booklets unmissverständlich feststellt: „Mir ist bewusst, dass andere Menschen schlimmere Probleme haben, und ich möchte keine große Sache daraus machen, aber es hat mein Selbstverständnis und meine Zukunftsperspektiven erschüttert. Ob bewusst oder unbewusst – dies hat sich in der Musik dieses Albums niedergeschlagen.“

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.09.2026

Tracklist

  1. My Blistering Mind
  2. The Mandatory Prize
  3. Never Really Felt Like Home
  4. Smile, Smile, Smile
  5. Intermission
  6. Parallel Lives
  7. Eversion
  8. Pretty Blue Fox
  9. Just Another Thing
  10. Dropping The Mask
  11. Just Hold On (Parts 1 & 2)

Besetzung

  • Bass

    Mark Gatland

  • Gesang

    Malcolm Galloway, Kathryn Thomas

  • Gitarre

    Malcolm Galloway, Mark Gatland

  • Keys

    Malcolm Galloway, Mark Gatland

  • Sonstiges

    Kathryn Thomas (Flöte)

Sonstiges

  • Label

    Glass Castle Recordings/Just For Kicks

  • Spieldauer

    53:49

  • Erscheinungsdatum

    03.09.2026

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