Der Schnitter würgt den Phönix zu Tode…
Allein das Covermotiv von „Résonances“ strahlt eine fatalistische Energie aus, die JOURS PÂLES im Verlauf des Albums in Musik transferieren. Dabei drehen sich die Texte von Frontmann Spellbound um Themen wie Pädophilie, den Tod der eigenen Tochter, aber auch die Ablehnung der modernen Welt.
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Dabei klingt in den melancholischen Melodien von Stücken wie „Une Splendeur Devenue Terne“ stets ein gewisser Schmerz an, der sich in allen Gesangslinien wiederfindet und stellenweise beinahe jenen zynischen Kontrast aus depressiven Inhalten und lieblicher Melodie erzeugt, die etwa eine Band wie LIFELOVER einst perfektionierte.
Dass sich ausgerechnet deren Ex-Mitglied Kim Carlsson in „Mouvement ostentatoire rémanent totalitaire“ ein Stelldichein gibt, passt dementsprechend nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich gut ins gebotene Bild, das JOURS PÂLES mit ihrer Musik abgeben. Denn zu tragischen Gitarrenmelodien, schreien sich beide Sänger die Stimmbänder aus dem Hals, während das Rhythmusfundament stellenweise sehr rasant voranprescht.
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Allerdings sind es weniger einzelne Stücke, die „Résonances“ zu einem stimmigen Album machen, als vielmehr die Gesamtheit aus der melancholisch-depressiven Stimmung, dem doch recht warmen (Gitarren-)Sound und jener zugrunde liegenden Tragik in allen Stücken, die depressiv-schmerzhafte Inhalte eben nicht zum Szene-Klischee degradiert, sondern ernsthafte Ansätze von persönlicher Therapie für die betreffenden Musiker erkennen lässt.
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Dass es da auch mal stürmischer wird, zeigt ein Stück wie „Viens Avec Moi“, das maßgeblich von aggressiv-verzweifeltem Geschrei lebt, aber doch mit filigranen Gitarrenmelodien aufwartet, die aber eher aus dem Hintergrund an den Hörer herangetragen werden, während sich das Rhythmusfundament mit Tempo und Druck hervortut.
Der instrumentale Abschluss „10-11-2021“ dagegen, kombiniert ambientöse Sounds (die stellenweise an eine alte Spieluhr erinnern) mit einer nostalgisch verklärten Stimmung, bei der die wenigen Gesangsfetzen (wenn überhaupt vorhanden) eher als heulendes Schluchzen auftauchen, als Emotionen durch Worte zu vermitteln. Im Kontext des Albums, wirkt dieses Finale aber stimmig und auch bisweilen stimmungsvoll.
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FAZIT: JOURS PÂLES‘ „Résonances“ streift in Sachen Stimmung und Optik mehr als einmal den Bereich des (Depressive) Black Metal, klingt in seiner Instrumentierung aber auch erstaunlich leicht und abwechslungsreich. Das sorgt für einen sehr eigenen Charakter, wenngleich es so manchen Schnellzugang zur Musik verwehrt. Aber Kunst darf reifen und fordern, insofern ist dieses Album durchaus gelungen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.03.2026
Alex
Spellbound, Kim Carlsson
Alexis, Steph
Ben Lesous
Les Acteurs de L'Ombre Productions
57:54
05.12.2025