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Karl Richter: The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings - 18-CD-Box

Stil: Klassik

Cover: Karl Richter: The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings - 18-CD-Box

<b>„Wer von Karl Richter (1926-1981) spricht, spricht fast immer auch von Johann Sebastian Bach. Es ist eine jener Verbindungen, die sich im Laufe eines Lebens so festigen, dass sie nachträglich selbstverständlich erscheinen. Dabei war Richter weit mehr als nur ein Bach-Interpret.“</b> (Die ersten drei Sätze im 32-seitigen dreisprachigen Booklet der 18-CD-Box „The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings“)

Während JOHANN SEBASTIAN BACH ein Klassiker ist, ist ein KARL RICHTER (der auf den Tag genau heute Geburtstag hat) als deutscher Dirigent, Organist, Cembalist und Chorleiter eine nicht unumstrittene Legende des 20. Nachkriegsjahrhunderts, der seine allergrößte Leidenschaft für Orgeln und Kompositionen schon im Kindesalter in den 1930er-Jahren an der Silbermann-Orgel im Freiberger Dom von Sachsen entwickelte und entfaltete, während er seine Chor-Leidenschaft parallel dazu als Mitglied des berühmten Dresdner Kreuzchores ausbaute. Hier wurde der Grundstein für seinen – auch nach seinem Tod mit nur 54 Jahren (an Herzversagen in einem Münchner Hotel) im Jahr 1981 – weltübergreifenden Ruf als der wohl bedeutendste Bach-Interpret des 20. Jahrhunderts gelegt. So erinnert auch eine Gedenktafel an der evangelischen Markuskirche in München an ihn als Gründer des Bach-Chores und -Orchesters, die er bis zu seinem Tode über 30 Jahre lang leitete, sowie an sein bedeutungsvolles musikhistorisches Schaffen für die bayrische Regenten- und Hauptstadtstadt.
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Zu einen seiner großen Fans zählte auch JOHN F. KENNEDY, für den Richter genau zwei Jahre nach Kennedys Ermordung am 22. November 1956 in der New Yorker Philharmonic Hall das offizielle Kennedy-Gedächtnis-Konzert gab, zugleich leitete er mit der Kraft der weltumfassenden Musik-Völkerverständigung in Zeiten des Kalten Krieges 1968 in Leningrad und Moskau wichtige Aufführungen von J.S. Bach, während seine Interpretation des 2. Brandenburgischen Konzerts den musikalischen Teil der Schallplatte 'Voyager Golden Record' (die ersten Datenplatten mit Bild- und Audio-Informationen, die an den interstellaren Raumsonden 'Voyager 1' und 'Voyager 2' mit der tatsächlichen Absicht angebracht worden sind, Botschaften an eventuelle Außerirdische weiterzuleiten, um über die Lebensformen auf der Erde, die dann vielleicht gar nicht mehr existiert, zu informieren.) füllt. Ja, sogar intelligente, außerirdische Lebensformen werden ihre wohl erste Musikbegegnung der menschlichen Spezies über KARL RICHTER genießen dürfen. KARL RICHTER wird so zu einem welt- und (all)zeitübergreifenden Musiker, der die Klassik aus der Vergangenheit in die Gegenwart und eine völlig unklare Zukunft weiterverbreitet.

Mit solch einer Vita und Bedeutung wird es anno 2026 mal wieder allerhöchste Zeit, nach vielen bereits existierenden Richter-Veröffentlichungen für „The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings“ eine sage und schreibe 18-CD's umfassende Box, in der einige noch nie auf CD veröffentlichte Aufnahmen enthalten sind und damit tatsächlich den kompletten Katalog der Teldec & Ducretet-Thomson Recordings vervollständigen.
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Jede der 18 in eine Kartonage verpackten CD's enthält ein anderes, hochwertiges Schwarz-Weiß-Foto von KARL RICHTER. Weitere Fotos und einen umfangreichen Begleittext in englischer, deutscher und französischer Sprache findet man zudem in dem zur Box dazugehörigen 32-seitigen Booklet.
Übrigens wird dem genauen Betrachter auffallen, dass Richter auf allen Fotos immer sehr ernst und konzentriert dreinblickt – mit einer Ausnahme: auf CD 12 (mit der „Kunst der Fuge“ von Bach und dem Spiel Karl Richters am Cembalo) ist ein Lächeln, bzw. der Versuch eines Lächelns, zu entdecken.
Ansonsten gilt: so gewissenhaft und ernst wie die Musik, die KARL RICHTER in dieser Box feilbietet, sind auch seine zwar unterschiedlichen, aber doch sehr ähnlichen Gesichtsausdrücke. Gleiches gilt auch für sein große Dirigentenpose auf Seite 24 des Booklets.

Der ernste Blick des Mannes, der die Stücke nicht nur dirigiert, sondern selber auf vielen Orgel und Cembalo spielt, hat – wenn man von der durchaus nicht unumstrittenen Wirkung Richters ausgeht – noch weitere Gründe, auf die im Text des Booklets explizit eingegangen wird. Angeblich hätte Richter Bach stellenweise 'romantisieren' und ihm daher seiner angemessenen Ernsthaftigkeit berauben wollen. Unfassbare sowie unhaltbare Behauptungen, wenn man die ersten 13 CD's mit allen Bach-Stücken gehört hat. Wenn ein gefühlvolles Dirigieren und Spielen sich angeblich negativ auf die musikalische Interpretation eines Musikstückes auswirken soll, dann kann das eigentlich nur ein akribischer Theoretiker, der Musik nur mit Wissenschaft, aber nicht mit wirklichen Gefühlen (wofür die Musik eigentlich da ist) in Verbindung bringt, behaupten. KARL RICHTER jedenfalls ist unüberhörbar ein Gefühlsmenschen, der trotzdem alle Theorie bis hin zur Perfektion beherrscht, diese jedoch von den etwaigen Stimmungen abhängig zelebriert.
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Selbst seine eigenen Instrumentalvorträge entzogen sich strengen Kategorisierungen und waren offen für alles, was möglich schien, wie man auf Seite 18 des Booklets erfährt: „Auch als Organist entzog er sich einfachen Kategorien. Er spielte historische Instrumente ebenso wie moderne Konzertorgeln. Die Silbermann-Orgel in Freiberg faszinierte ihn, aber ebenso die große Steinmeyer-Orgel seiner Münchner Kirche, ein Instrument aus dem Jahr 1936 mit ausgesprochen moderner Klangausrichtung; oder auch Karl Joseph Riepps Dreifaltigkeitsorgel (1766) in Ottobeuren, die rein französisch inspiriert war. Am Cembalo blieb er seinem imposanten Neupert-Bach-Modell aus den 1950er-Jahren treu, das klanglich und technisch weit von den Instrumenten der Bach-Zeit entfernt und eher für große Konzertsäle als für kleine Kirchen oder intime Salons bestimmt war. So ging es Richter weniger um 'Authentizität' als um musikalische und klangliche Kraft.“
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Bereits hier öffneten sich gewisse Streitpunkte, denn die kraftvollen und dynamischen Darbietungen der h-Moll-Messe oder der Passionen sowie des Weihnachtsoratoriums und der Kantaten mit wuchtigen Chor- und Orchester-Darbietungen, faszinierten die Einen, während Andere dies als überladen empfanden. Schön, dass Kunst eben Ausdruck des eigenen Empfindens und Geschmacks ist – und dafür niemals eine allgemeingültige, theoretisch fundierte oder gar zur Wissenschaft erhobene Regel in Anwendung kommen kann.

Genau das – nennen wir es mal 'Improvisatorische' – ist die absolute Stärke eines KARL RICHTER, der 'Jazzer' der Bach-Klassik, der am besten in eigenen Worten seine Innovation bis hin zur Improvisation (ebenfalls im Booklet zu entdecken) auf den Punkt bringt: „Wenn man aufs Podium geht und ein Stück anfängt zu dirigieren oder zu spielen: Jedes Mal ist es eine andere Situation. Man ist in anderen Stimmungen. Man hat mit jedem Werk, das man spielt oder dirigiert, täglich neue Ideen. Schlimm ist es, wenn die Ideen einem nicht mehr kommen, wenn man nicht mehr inspiriert ist, denn das ist das Schlimme, wenn man ein Werk mit Routine, mit schnöder Routine spielt, weil es gespielt werden muss, und keine Einfälle, keine Eingebung mehr dazu hat.“
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Nun also darf man dank der „The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings – 18-CD-Box“ über 20 Stunden lang all den Einfällen und Eingebungen von KARL RICHTER im Umgang mit Werken von JOHANN-SEBASTIAN BACH, WOLFGANG AMADEUS MOZART, CARL PHILIPP EMANUEL BACH, CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK, JOSEPH HAYDN und JOHANN CHRISTIAN BACH folgen, wobei einige CD's die Zeitkapazitäten bis zum Anschlag füllen, wenn es beispielsweise gleich die erste CD mit den Aufnahmen von Johann Sebastian Bach auf sage und schreibe 86 Minuten und 23 Sekunden (Die bisher 'längste' CD, die mir als Kritiker je unter die Hände kam!) bringt, die dann sogar noch mit dem Weihnachtsoratorium der CD 11 mit 86 Minuten und 47 Sekunden getoppt wird.

So gesehen ist nicht nur aus musikalischer und klassischer, sondern auch aus zeitlicher Sicht diese Box eine absolute Top-Empfehlung, welche ebenso als echter Geheimtipp gelten darf.
<br><center><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/-ronacsilVQ?si=FCj8ELQQ-MQfRV-V" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></center></br>

FAZIT: Der deutsche Dirigent, Chorleiter, Organist und Cembalist KARL RICHTER (1926–1981) gilt bis heute als einer der bedeutendsten (und umstrittensten) Johann-Sebastian-Bach-Interpreten der Nachkriegszeit. „The Complete Teldec & Ducretet-Thomson Recordings - 18-CD-Box“ vereint mit sage und schreibe über 20 Stunden Laufzeit Richters gesamtes für Telefunken-Decca (Teldec) und Ducretet-Thomson – heute Teil des Katalogs von Warner Classics – eingespieltes Vermächtnis in hervorragender Klangqualität. Die Aufnahmen spiegeln Richters Wirken als Cembalist, Organist und Dirigent wider und dokumentieren einen Musiker und Dirigenten, dessen Repertoire weit über Bach hinausreichte und zusätzlich in dieser 18-CD-Box – neben JOHANN-SEBASTIAN BACH – auch WOLFGANG AMADEUS MOZART sowie CARL PHILIPP EMANUEL BACH, CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK, JOSEPH HAYDN und JOHANN CHRISTIAN BACH umfasst. Mehrere Aufnahmen erscheinen hier das erste Mal auf CD, was die Box für alle Sammler besonders wertvoll macht.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.10.2026

Tracklist

  1. <b>= CD 1 – 13 JOHANN SEBASTIAN BACH =</b> (827:29):
  2. <i>CD 1 (86:23):</i>
  3. 1-3 Concerto in D minor for harpsichord, strings and basso continuo
  4. 4-6 Concerto in C major for two harpsichords, strings and basso continuo
  5. 1-3 Concerto in C major for three harpsichords, strings and basso continuo
  6. 1-3 Concerto in A minor for four harpsichords
  7. 13-14 Brandenburg Concerto No. 3 in G major
  8. <i>CD 2 (75:01):</i>
  9. 1-4 Brandenburg Concerto No. 1 in F major
  10. 5-7 Brandenburg Concerto No. 2 in F major
  11. 8-10 Brandenburg Concerto No. 4 in G major
  12. 11-13 Brandenburg Concerto No. 5 in D major
  13. <i>CD 3 (74:57):</i>
  14. 1-3 Brandenburg Concerto No. 6 in B-flat major
  15. 4-35 Goldberg Variations
  16. 36-41 Patita No. 1 in B-flat major
  17. <i>CD 4 (80:12):</i>
  18. 1-6 Partita No. 2 in C minor
  19. 7-13 Partita No. 3 in A minor
  20. 14-20 Partita No. 4 in D major
  21. 21-27 Partita No. 5 in G major
  22. 28-34 Partita No. 6 in E minor
  23. <i>CD 5 (65:24):</i>
  24. 1-3 Toccata, Adagio and Fugue in C major
  25. 4-5 Toccata and Fugue in F major
  26. 6-7 Toccata and Fugue „Dorian“
  27. 8-20 Partite diverse sopra „Sei gegrüsset, Jesu gütig“
  28. <i>CD 6 (81:03):</i>
  29. 1-3 Fantasia in G major
  30. 4-6 Trio Sonata No. 6 in G major
  31. 7-9 Trio Sonata No. 3 in D minor
  32. 10-13 Pastorella in F major
  33. 14-16 Sonata for flute and harpsichord in B minor
  34. 17-19 Sonata for flute and harpsichord in E-flat major
  35. <i>CD 7 (71:41):</i>
  36. 1-5 Cantata „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“
  37. 8-12 Cantata „Wachet auf, ruft uns die Stimme“
  38. 13-20 Cantata „Gott, der Herr, ist Sonn' und Schild“
  39. <i>CD 8 (71:12):</i>
  40. 1-7 Cantata „Weinen, Klagen, Sogen, Zagen“
  41. 8-12 Cantata „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt“
  42. 13-20 Cantata „Christ lag in Todes Banden“
  43. <i>CD 9 (61:08):</i>
  44. 1-7 Cantata „Halt im Gedächtnis Jesu Christ“
  45. 8-13 Cantata „Es ist euch gut, dass ich hingehe“
  46. 14-18 Cantata „Herr Jesu Christ, wah'r Mensch und Gott“
  47. <i>CD 10 (82:49):</i>
  48. 1-33 Weihnachtsoratorium
  49. <i>CD 11 (86:47):</i>
  50. 1-32 Weihnachtsoratorium
  51. <i>CD 12 (44:35):</i>
  52. 1-12 Die Kunst der Fuge
  53. <i>CD 13 (46:17):</i>
  54. 1-10 Die Kunst der Fuge
  55. <b>= CD 14 – 15 GEORG FRIEDRICH HÄNDEL =</b> (157:02):
  56. <i>CD 14 (76:36):</i>
  57. 1-4 Organ Concerto in G minor
  58. 5-8 Organ Concerto in B-flat major
  59. 9-12 Organ Concerto in G minor
  60. 13-16 Organ Concerto in F major
  61. 17-20 Organ Concerto in F major
  62. 21-23 Organ Concerto in B-flat major
  63. <i>CD 15 (80:26):</i>
  64. 1-4 Organ Concerto in B-flat major
  65. 5-8 Organ Concerto in A major
  66. 9-12 Organ Concerto in B-flat major
  67. 13-16 Organ Concerto in D minor
  68. 17-20 Organ Concerto in G minor
  69. 21-23 Organ Concerto in B-flat major
  70. <b>= CD 16 CARL PHILIPP EMANUEL BACH / CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK / JOSEPH HAYDN / JOHANN CHRISTIAN BACH =</b> (64:16):
  71. <i>CD 16 (64:16):</i>
  72. CARL PHILIPP EMANUEL BACH
  73. 1-3 Symphony in D major
  74. 4-6 Sonata in G minor for flute and harpsichord
  75. CHRISTOPH WILLIBALD GLUCK
  76. 7 Orpheus and Eurydice
  77. JOSEPH HAYDN
  78. 8-10 Concerto in D major for flute and string orchestra
  79. JOHANN CHRISTIAN BACH
  80. 11-13 Symphony in B-flat major
  81. <b>= CD 17 – 18 WOLFGANG AMADEUS MOZART =</b> (158:26):
  82. <i>CD 17 (81:16):</i>
  83. 1-3 Concerto for flute, harp and orchestra in C major
  84. 4-6 Concerto for flute and orchestra No. 2 in D major
  85. 7 Andante for flute and orchestra in C major
  86. 8-10 Concerto for flute and orchestra No. 2 in G major
  87. <i>CD 18 (77:10):</i>
  88. 1-4 Symphony No. 29 in A major
  89. 5-18 Requiem

Besetzung

  • Keys

    Karl Richter

  • Sonstiges

    Orchester, Chöre, Opernsänger

Sonstiges

  • Label

    Warner Classics

  • Spieldauer

    1207:13 = 20 Stunden, 7 Minuten und 13 Sekunden

  • Erscheinungsdatum

    09.10.2026

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