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Lucy Kruger & The Lost Boys: Pale Bloom

Stil: Singer/Songwriter, Darkwave, Indie-Rock, Psychedelia

Cover: Lucy Kruger & The Lost Boys: Pale Bloom

Wenn in dieser Rezension als Stilbegriff das Singer/Songwriter-Genre an erster Stelle aufgelistet ist, dann hat das damit zu tun, dass sich die südafrikanische Wahlberlinerin LUCY KRUGER und ihre Mitstreiter für das inzwischen siebte gemeinsame Album erneut musikalisch neu aufgestellt haben. Arbeitete LUCY KRUGER auf ihren letzten beiden Alben <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2023/Lucy-Kruger--The-Lost-Boys/Heaving--die-zweite/" target="_blank" rel="nofollow">„Heaving“</a> und <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2024/Lucy-Kruger--The-Lost-Boys/A-Human-Home/" target="_blank" rel="nofollow">„A Human Home“</a> auf der Suche nach einer neuen Möglichkeit, Körperlichkeit musikalisch zum Ausdruck zu bringen, überraschend – aber vollkommen souverän – mit den Mitteln der Elektronik, so erarbeitete sie mit ihren Musikern für das neue Albumprojekt einen Prozess, der sich strukturell wie auch musikalisch oft eher an konventionellen Song-Formaten orientiert.
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Das heißt natürlich nicht, dass die bereits aus der Vergangenheit bekannten, abrasiven, aber auch irgendwie deskriptiven Gitarren-Drones, die Krugers Partnerin LIÚ MOTTES in der Vergangenheit zum Markenzeichen des LOST BOYS-Sounds gemacht hatte, unter den Tisch gekehrt würden, sondern lediglich, dass sie in ein songorientiertes Rahmengeflecht eingepasst werden, in dem heutzutage auch Raum für Akustikgitarren und die Streicherbeiträge der ebenfalls aus Südafrika stammenden Mutiinstrumentalistin JEAN LOUISE PARKER an Viola und Geige bleibt (die inzwischen auch als festes Mitglied der LOST BOYS eine neue Gastfamilie gefunden hat).
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Das neue, gemeinsam über einen längeren Zeitraum erarbeitete Band-Prinzip äußert sich mal mehr oder weniger stark in formaler Hinsicht. Songs wie „Bloom“ oder „Nectarine“, die mit zwar transzendenten aber deutlichen Folk-Akzenten daherkommen, enthalten dann etwa auch melodiöse Passagen, die wohlwollend gar auch als Refrains ausgelegt werden könnten. In anderen Tracks, wie z.B. der als Single veröffentlichten Nummer „Ambient Heart“ oder dem schmirgelnden Kaputnik-Blues „Reaching“, kommen dann die bereits erwähnten brutalen Gitarren-Soundwände zum Tragen – allerdings nicht mehr wie früher als Selbstzweck, sondern als explosive Akzente. Auch die Elektronik findet noch ihren Platz – mal experimentell wie in „Animal – Symbol“ und mal den Flow unterstützend, wie z.B. als pulsierender Basslauf in „Woolf“.
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Obwohl es klanglich passen würde, ist es vielleicht nicht ganz richtig, die neue Musik von LUCY KRUGER & THE LOST BOYS als Psychedelia im klassischen Sinne zu bezeichnen, denn es geht hier nicht darum, den Zuhörer klanglich zu überwältigen oder einzulullen, sondern darum, LUCY KRUGERs eigentümlich unwirklicher, zeitloser, multidimensionaler Weltsicht, ein musikalisches Äquivalent entgegenzusetzen, das die Promo nicht ganz unzutreffend als „Tender Noise“ bezeichnet (denn die Phase, in der LUCY KRUGER vor allen Dingen ihre Wut zum Ausdruck bringen wollte, ist offensichtlich schon länger abgeschlossen). Was noch zu erwähnen wäre, ist dass LUCY KRUGER selbst – nicht zuletzt durch die Bühnenerfahrungen der letzten 10 Jahre – inzwischen nicht mehr nur als 'Textflüsterin', sondern auch als Sängerin zu überzeugen weiß.
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Worum geht es inhaltlich?
Das ist – wie immer – schwer zu sagen. Denn wie üblich hat LUCY KRUGER ihre Lyrics in metaphernreichen, poetischen, symbolträchtigen Beschreibungen verklausuliert. Das, was sich heraus interpretieren ließe, könnte mit (Kindheits-)Erinnerungen zu tun haben und wie LUCY KRUGER diese heutzutage interpretiert, in den Kontext stellt und für sich emotional auswertet. Für LUCY KRUGER haben all die „nachtschattigen“ Aphorismen und Bilder, die sie in ihren Songs ausweist, konkrete Bedeutungen, die oft schon durch die kurzen Songtitel zusammengefasst werden. Die Zuhörer müssen sich dann aber einen eigenen Weg im metaphysischen Labyrinth der LUCY KRUGER suchen; was aber auch grundsätzlich gewünscht ist, sodass sich am Ende alle ein individuelles Bild machen können.
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FAZIT: Mit dem siebten gemeinsamen Album „Pale Bloom“ lassen LUCY KRUGER & THE LOST BOYS das Lautmalerische der Vergangenheit streckenweise hinter sich und betreten einen neuen Bereich ihres ureigenen „Neverland“-Universums. Dabei präsentieren sie sich dieses Mal als musikalische Interpreten eines „existenziellen Fiebertraums“ (so nennt LUCY KRUGER etwa den Track „Ambient Heat“) und machen dabei – auch durch die Betonung organischer und struktureller Schwerpunkte sowie der melodiösen Aspekte – keine schlechte Figur.
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Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.02.2026

Tracklist

  1. Bloom
  2. Damp
  3. Ambient Heat
  4. Adder
  5. Nectarine
  6. Animal – Symbol
  7. Reaching
  8. Woolf
  9. Ghosts
  10. Anchor
  11. Fawning

Besetzung

  • Bass

    Reuben Kemp

  • Gesang

    Lucy Kruger, Jean Louise Parker

  • Gitarre

    Liú Mottes, Lucy Kruger

  • Schlagzeug

    Gidon Carmel

  • Sonstiges

    Jean Louise Parker (Viola)

Sonstiges

  • Label

    Unique Records

  • Spieldauer

    42:30

  • Erscheinungsdatum

    13.02.2026

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