Die Berlin/Leipzig-Connection MT. DAGGER liefert mit „Nothing Personal. Just Misery.“ einen musikalischen Energy-Shot im Bereich zwischen Hardcore Punk, Crust Punk und metallischem D-Beat ab. Dabei bemerkt die Band auf dem Frontcover ihrer Debüt-LP, dass dieses Album des Hörers eigenen Geschmack in Frage stellen lässt.
Bewegt sich die Musik deshalb an der Grenze des Unhörbaren?
Keineswegs!
Vorausgesetzt, der Hörer ist crustigem Hardcore Punk nicht abgeneigt.
<br><center><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/UBij_r4r4i8?si=rKEvaxCTYMbICm8P" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></center></br>
In ihrer dreckigen Ästhetik erinnern MT. DAGGER stellenweise an eine verschleppte Version von DISFEAR, allerdings ziehen die Leipziger auch öfter mal die Handbremse.
Songs wie „False Prophet“ entwickeln dabei eine kantige Energie, die der rohen Gewalt eines Vorschlaghammers entspricht, ohne stumpf zu klingen.
Stattdessen finden sich zwischen all den Prügelmomenten immer wieder eindringliche, bisweilen beklemmende Gitarrenmelodien, die stellenweise im dissonanten Kontrast zu den dräuenden Rhythmen stehen. Gleichzeitig zieht sich das hysterische Gebrüll als Konstante durch alle Songs dieses Debütalbums.
<br><center><iframe style="border: 0; width: 100%; height: 120px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=2996743516/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/tracklist=false/artwork=small/track=2812969546/transparent=true/" seamless><a href="https://mountdagger.bandcamp.com/album/nothing-personal-just-misery">Nothing Personal. Just Misery. von Mt. Dagger</a></iframe></center></br>
Daraus ergibt sich eine ungestüme Aggression, die Bilder von zertretenen Visagen und blutigen Knöcheln heraufbeschwört, ohne dabei offensichtlich in musikalische Gewalt auszuarten. Denn vielfach wirkt die Wut von MT. DAGGER kontrolliert und eher gegen das eigene Ego, die eigene Verkommenheit gerichtet, als sich seine Feindbilder im Außen zu suchen.
Verantwortlich dafür, dass „Nothing Personal. Just Misery.“ keine pure Chaos-Orgie aus Nihilismus und (Auto-)Aggression geworden ist, sind u.a. kleine Momente, in denen sich die Melodien nach und nach aufbauen und sich in ansteigendem Tempo zu überschlagen drohen (z.B. in „False Prophet“).
<br><center><iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/nWJwROMwzok?si=b0IE8X3mdMxM5MgZ" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></center></br>
Denn diese Stilmittel tragen, trotz aller Aggression und allem vordergründigen Hass, auch eine gewisse Haltung von Stolz zur Schau. Getreu dem Motto: 'Es ist nicht alles per se schlecht und wertlos, es kommt vielmehr darauf an, was man selbst aus der jeweiligen Situation macht'.
Dass ausgerechnet „Misanthrope“ das Album abschließt, scheint – bezogen auf diese Feststellung – regelrecht zynisch, trifft aber den Nagel auf den Kopf. Denn wer nichts erwartet, der kann auch nicht enttäuscht werden und wer die Enttäuschung erwartet, der akzeptiert den eigenen Hass leichter, zumindest teilweise…
<br><center><iframe style="border: 0; width: 350px; height: 350px;" src="https://bandcamp.com/EmbeddedPlayer/album=2996743516/size=large/bgcol=ffffff/linkcol=0687f5/minimal=true/track=3575861537/transparent=true/" seamless><a href="https://mountdagger.bandcamp.com/album/nothing-personal-just-misery">Nothing Personal. Just Misery. von Mt. Dagger</a></iframe></center></br>
FAZIT: MT. DAGGERs „Nothing Personal. Just Misery.“ macht schon durch seinen Titel deutlich, dass die Herren, wenig bis nichts vom Leben erwarten. Dementsprechend abgeklärt wirkt die Haudrauf-Hardcore-Melange der Band. Dennoch schwingt in der Wut und Aggression der Musik auch immer eine gewisse Trotz-Haltung mit. Der Trotz, es allen Widrigkeiten zu zeigen und eben doch weiter zu machen. Wenn es sein muss, dann auch mit dem Kopf durch die Wand. Dass der Betroffene, dabei physisch, psychisch und emotional Federn lässt, ist ein Begleitumstand, der in Kauf zu nehmen ist, vielleicht auch gerne zur Schau gestellt wird. Denn was kann ausdrucksstärker sein, als gegen seine eigenen Dämonen zu kämpfen? Sieg hin oder her…
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.02.2026
PIKE Records
32:59
09.01.2026