MUDDY WHAT? aus München haben sich mit ihrem eigenständigen Blues-Sound längst eine treue Fangemeinde erspielt und legen mit „Neon Soul“ bereits ihr sechstes Album vor. Auch diesmal beweist die Band, dass Blues keineswegs im Gestern verharren muss, sondern sich immer wieder neu erfinden und zeitgemäße Facetten entwickeln kann.
Während der Titeltrack „Neon Soul“ noch tief in der klassischen Blues-Tradition verwurzelt ist, schlägt das BOB DYLAN Cover „The Lonesome Death of Hattie Carroll“ eine überraschend beschwingte, funkige Richtung ein – veredelt durch flinke Mandolinen-Einwürfe, die dem Song eine besondere Leichtigkeit verleihen.
Und so pendelt das Album zwischen bluesiger Ballade und groovender Lockerheit: „Letters On A Line“ gibt sich gefühlvoll und getragen, während „Uncontainable“ mit bassgetriebenen Funk-Vibes aufwartet, ohne die bluesige Grundstimmung aus den Augen zu verlieren.
Die Stimme von Frontmann Fabian Spang klingt dabei, als wäre sie auf einer staubigen Veranda im Mississippi Delta gereift – rau, warm und erzählerisch dicht, wenn sie von Entbehrungen und schmerzhaften Erinnerungen berichtet.
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Mit „Tales Unveiled and Secrets Sealed“ zieht erneut ein Hauch von Soul-Schmelz ein, bevor „Lost Symphony“ die leidende Stimme zunächst nur von Gitarren begleitet in den Mittelpunkt stellt, ehe diese den Herzschmerz mit einem Solo gefühlvoll verstärken.
Ein melancholischer Ausritt mit „Blind Willie McTell“, einem weiteren DYLAN Cover, der gedanklich der texanischen Sonne entgegenstrebt, und der rotzige Bluesrock des HENDRIX Klassikers „Voodoo Child“ runden schließlich ein Album ab, das den Blues im Herzen trägt, sich aber zugleich offen für Ausflüge in andere Genres zeigt – und genau darin seine Frische und Eigenständigkeit findet.
FAZIT: Mit „Neon Soul“ zeigen MUDDY WHAT? einmal mehr, wie lebendig und wandlungsfähig moderner Blues klingen kann. Zwischen Tradition, Soul-Schmelz und Grooves entfaltet die Band einen eigenständigen Sound, der von Fabian Spangs ausdrucksstarker Stimme getragen wird. Ein abwechslungsreiches, atmosphärisch dichtes Album, das den Blues liebt – und ihn zugleich selbstbewusst ins Hier und Jetzt holt.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.03.2026
Michi Lang
Fabian Spang
Ina Spang, Fabian Spang
Manfred Mildenberger
Ina Spang (Mandoline)
Howlin‘ Who Records
46:00
12.03.2026