Das zweite Album „Someday“ der Franzosen POLYCHROME macht bereits mit dem Opener „L’Aurore“ unmissverständlich klar, dass stilistische Scheuklappen hier keinen Platz haben. Die Band verwebt mehrstimmige Gesangsharmonien mit ungeraden Taktarten und erzeugt so eine subtile, permanente Grundspannung, die das Stück kontinuierlich vorantreibt. Selbst im Schlussteil, wenn ein betont funky Groove das Ruder übernimmt, bleibt diese innere Dynamik spürbar und verleiht dem Song eine zusätzliche Facette.
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„Daydreamer“ weckt mit seinem geschmeidigen Groove und den eleganten Harmoniewechseln Erinnerungen an STEELY DAN, ohne dabei in bloßer Nostalgie zu verharren. Stücke wie „Give Me Five“ versprühen jazzig-spacige Disco-Vibes und unterstreichen die stilistische Offenheit der Franzosen. Das kreative Potenzial wirkt nahezu unerschöpflich: Selbst eine progressive Pop-Nummer wie „Andy“ fügt sich organisch ins Gesamtbild ein. Die Harmonien erhalten auch hier großzügigen Entfaltungsspielraum, bevor sich die Gitarre in einem pointiert rockigen Solo in den Vordergrund spielt.
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Überhaupt offenbart das Album eine beeindruckende Detailverliebtheit: In „Another Day“ schleicht sich die Gitarre beinahe unmerklich aus dem Hintergrund ins Geschehen, während in „Remember“ pointierte Keyboard-Akzente für reizvolle Spannungsmomente sorgen. Gekrönt wird das Ganze von dem häufig zweistimmig geführten Gesang, der den Kompositionen nicht nur Geschmeidigkeit, sondern auch einen ausgeprägten Wohlfühlfaktor verleiht.
Die Schlussnummer „L’Aube“ greift schließlich noch einmal das Motiv des Openers auf und schließt damit konsequent die musikalische Klammer eines facettenreichen Albums.
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FAZIT: Auf „Someday“ bewegen sich POLYCHROME leichtfüßig zwischen Pop, Jazz und Progressive Rock. Mit spürbarer Spielfreude loten die Franzosen ihre musikalischen Möglichkeiten aus und überzeugen mit einem selbstbewussten Genre-Mix, der sich alle Freiheiten nimmt und immer wieder feine Überraschungen sowie unerwartete Wendungen bereithält. Gerade diese Vielschichtigkeit macht „Someday“ zu einem Album, das seine ganze Klasse und Schönheit erst nach mehreren Durchläufen vollständig offenbart.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.02.2026
Sergio Santiago
Maxime Senizergues, Simon Senizergues, Omar Nicho
Maxime Senizergues, Omar Nicho
Simon Senizergues
Loïck Tournois
Eigenproduktion
47:15
23.01.2026