Musikalischer Rauch (und reichlich Rausch) liegt dicht in der Luft, wenn SOUND OF SMOKE auf „Mirage“ zum psychedelischen Trip bitten. Dass diese Band aus Freiburg stammt, wirkt angesichts der flirrenden Klanglandschaften fast wie ein Widerspruch zur Bodenständigkeit der Herkunft. Stattdessen wabert, schwebt und fuzzt es aus allen Ecken – und schon im Opener „Like Smoke“ wird klar: Hier geht es weniger um klare Konturen als um ein bewusst entrücktes Dahingleiten, dem man sich nur schwer entziehen kann.
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Mit „Röntgenstrahlen“ folgt dann ein erster Bruch – und zugleich eine spannende Erweiterung des Spektrums. Der deutschsprachige Track atmet dank Gesang und Keyboardflächen unverkennbar 80er-Jahre-Flair, das jedoch von einer rotzigen, verzerrten Gitarre mit Wah-Wah-Attacken am Ende regelrecht aufgebrochen wird. Dieser kontrollierte Kontrollverlust kippt die Stimmung in eine angenehm schummrige, leicht benebelte Ecke, die im orientalisch angehauchten „Endless Night“ konsequent weitergedacht wird.
Im Zentrum steht dabei die wandelbare Stimme von Frontfrau Isabelle Bapté, die sich mal tief im psychedelischen Hall verliert, dann wieder elektronisch verfremdet oder mit einer fast schon NDW-haften Direktheit nach vorne tritt. Stilistisch lassen SOUND OF SMOKE ohnehin wenig anbrennen: „Fata Morgana“ weckt mit cineastischer Lässigkeit Assoziationen an staubige Soundtracks irgendwo zwischen Wüste und Großleinwand, „New Direction“ wildert im Western-Blues, während „Wicked Games“ mit kernigem 70er-Hardrock-Riffing aufwartet. Trotz dieser stilistischen Sprünge bleibt die Stimme – vor allem in den höheren Lagen – der rote Faden mit hohem Wiedererkennungswert.
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Und es ist gerade dieser Kontrast, der den Reiz von „Mirage“ ausmacht: Die oft fragile, beinahe zarte Gesangsperformance trifft auf eine Musik, die nicht selten rumpelt, dröhnt und sich bewusst gegen Eingängigkeit sperrt. Der doomige Ausflug „San Junipero“ verstärkt diese Spannung noch einmal, bevor mit „Zweierlei“ ein versöhnlicher Abschluss folgt, der die Stärken des Albums – sphärischer Bluesrock und markanter Gesang – bündelt.
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FAZIT: „Mirage“ ist kein Album für den schnellen Konsum, sondern ein bewusst vernebeltes Klangexperiment zwischen Psychedelic, Blues und Retro-Ästhetik. SOUND OF SMOKE setzen weniger auf klare Linien als auf Atmosphäre und Kontraste – und genau darin liegt ihre Stärke. Wer bereit ist, sich auf diesen Trip einzulassen, wird mit einem eigenwilligen, stellenweise berauschenden Hörerlebnis belohnt.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.03.2026
Florian Kiefer
Isabelle Bapté
Jens Stöver
Isabelle Bapté, Florian Kiefer
Johannes Braunstein
Isabelle Bapté (Flöte), Johanna Marie Pfab (Geige)
Tonzonen Records
44:12
27.03.2026