Vor ungefähr 20 Jahren merkte Michael Amott spöttisch an, dass die Namen von Metalcore-Bands aus drei Wörtern bestünden, die nichts miteinander zu tun hätten. Offenbar liegt dieser Verdacht bei den Ukrainern von SPACE OF VARIATIONS ebenfalls nah. Mehr noch: Das Zusammenhangslose setzt sich in ihrer aktuellen, unter „POISONED ART“ veröffentlichten Musik fort.
Und die Kritik ist so alt wie das Amott’sche Diktum selbst: Wer außer Stakkato-schwangeren Bollo-Rhythmen nichts zu sagen und sich ansonsten auf repetitive moderne Groove-Metal-Schleifen verstiegen hat, der muss, um halbwegs Leidenschaftlichkeit in das seelenlose Getöse zu bringen, augenscheinlich alles mit dudeligen Elektronika und cleanen, studiotechnisch „aufgehübschten“ Emo-Gesängen zukleistern. Die musikalische Härte dient dabei lediglich als Ablenkungsmanöver. Was auf dicke Hose macht, ist eigentlich nur eierlose kommerzielle Pop-Musik im Metal-Wolfspelz. Es handelt sich um den missglückten Versuch, sich bei aller suggerierten Verletzlichkeit als waschechte Extrem-Kombo zu gerieren. Und in dem Kontext tritt man halt in jedes noch so wohlfeile Klischee-Fettnäpfchen, das sich da auftut. Insbesondere das schon damals zurecht umstrittene Hart/Zart-Schema des Sängers macht einen immer wieder aufs Neue wahnsinnig.
<br><center> <iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/43_j0Ih7sl0?si=xCLHzmLn1rxKf9GJ" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe> </center></br>
Anscheinend ist selbst das bisschen Musik, welche die knapp vierzig Minuten beinhalten, eine fast unkontrollierbare Größe. Mehr als einmal erweckt das Gebotene den Eindruck, dass all die genannten Elemente kein rundes Ganzes abgeben, sondern versatzstückartig nebeneinander stehen. Dafür gibt es auch einen Namen: das Medley. Wie man angesichts dieser Beobachtung die „vergiftete Kunst“ als „reif“, „kohärent“ und „schlüssig“ bezeichnen kann (so an anderer Stelle des Internets geschehen), übersteigt die persönliche Vorstellungskraft um einiges. „I got the message but there’s no connection.“ So viel Vermögen zur Selbstreflexion traut man den Ukrainern schlechterdings gar nicht zu.
<br><center> <iframe width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/Fdj_nXg6WIo?si=HmmAi0GknplEiEaq" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe> </center></br>
FAZIT: Die coolen Chor-Samples vom Opener „Tribe“, die an den Soundtrack von „Ghost in the Shell“ erinnern, die sehr sporadischen, aber durchaus moshkompatiblen Hardcore-Sequenzen („GHOST TOWN“) sowie die einen oder anderen schmissigen Gitarren-Grooves („COLDHEAVEN“) können nicht darüber hinwegtäuschen, dass „POISONED ART“ von SPACE OF VARIATIONS über die komplette Länge hinweg eine ziemlich generische, überproduzierte und stumpfsinnige Angelegenheit darstellt. „Raum für Variationen“ gibt es auf diesem Langdreher demnach nur wenig.
Punkte: 5/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.02.2026
Anton Kasatkin
Flo, Olexksii Zatserkovnyi, Anton Kasatkin
Olexksii Zatserkovnyi
Tymofii Kasatkin
Napalm Records
40:58
13.02.2026