Der Beitrag von ORANSSI PAZUZUs Juho Vanhanen im Opener „Solace“ kommt nicht von ungefähr und lässt eine gewisse stilistische Ungreifbarkeit seitens SUM OF R vermuten. Besagtes Stück schiebt sich dann auch in reduzierter Hypnose voran und brodelt ebenso unterschwellig, wie sich die Musik bedrückend voranschiebt.
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„Agglomeration“ macht es nicht einfacher in die Welt von SUM OF R einzutauchen, hat das Stück doch außer repetitiven Rhythmen, Drone-Rauschen und heiserem Krächzen nicht allzu viel zu bieten.
Das ändert sich aber mit dem finsteren Doom/Drone-Schleifer „Waltz Of Death“. Bei minimalistischer Instrumentierung öffnen die Musiker einen finsteren Abgrund, der nicht nur von dem heiseren Grollen Marko Neumans kommt, sondern durch das Zusammenspiel von blechernen Percussions und sakral anmutenden Chören ein surreales Antlitz zwischen Wahnsinn und Ekstase vertont, das den Hörer unvermittelt in seinen Bann zieht.
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„Beer Cans In A Bottomless Pit“ dagegen wirkt über weite Strecken wie ein Soundtrack, bzw. wie die Hintergrundbeschallung in einer Space-Bar, bei der hin und wieder auch etwas Stärkeres als schnöder Alkohol serviert wird. Der Geist des Kunden will ja auf seine Flugeigenschaften getestet werden.
Und dass leerer Raum immer noch Platz für rauschhafte Soundscapes zwischen Drone und sakraler Gottesanrufung hat, zeigen SUM OF R mit „Empty Rooms“, das dank seiner hypnotischen Melodie mehr und mehr an Reiz gewinnt. Ob der minimalistische Ansatz von „The Solution“ ebenjene Lösung aller Probleme offeriert, beantwortet das Stück nicht.
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Aber im Kontext dieses experimentellen Albums passt die sich wiederholende Klangreduktion gut ins Bild, ehe sich „Violate“ irgendwo zwischen Gothic, Noise-Dröhnen und Geisterbahn-Heulerei verortet und einem vor Freude ob des leichten Aggro-Zusatzes die Haare zu Berge stehen lässt.
„Cold Signature“ leitet den Hörer dann in entspannter Trommel-meets-Ritualgesang-Manier auf lichtere Pfade und beendet „Spectre“ mit einem Gefühl von Wehmut, das angesichts des vorherigen Trips aber einer regelrechten Erlösung gleichkommt.
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FAZIT: SUM OF Rs „Spectral“ ist kein einfacher Gang und alles andere als Kaffeekranzmusik. Das Album wirkt obskur, erschafft bisweilen gespenstische Spuk-Bilder im Geist des Hörers, während es an anderer Stelle auf rituell anmutende Hypnose setzt, um Musik als Rausch zu vollziehen. Dennoch reizen die Songs das Unterbewusstsein des Hörers mit jedem neuen Anlauf ein Stück mehr, sodass sich mit der Zeit eine fremdartige Welt auftut, die grotesk und obskur erscheint. Damit schaffen es SUM OF R den geneigten Hörer bei der Stange zu halten, wenngleich der krude Minimalismus zwischen Hypnose, Akustikhorror und Krach anfangs überfordern kann.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.01.2026
Reto Mäder, G. Stuart Dahlquist
Marko Neuman, Juho Vanhanen, Yusaf Parvez
Jukka Rämänen, Reto Mäder
Jukka Rämänen
Dusktone Records
49:13
03.10.2025