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The Reticent: Please

Stil: Progressive Metal

Cover: The Reticent: Please

THE RETICENTs „Please“ suhlt sich im thematischen Dunkelfeld menschlicher Abgründe wie Depression, Schlaflosigkeit, Panikattacken und Suizid. Dass Mainman Chris Hathcock daher weniger Sonnenscheinmusik präsentiert, passt auch zum ergrauten Coverartwork, auf dem es scheint als würde der Mond/die verdunkelte Sonne im Begriff sein im Meer zu versinken.
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Die Metapher des alles verschlingenden Wassers passt derweil auch gut zu den erwähnten Inhalten der Texte, denn wo der eigene Geist zum Feind wird, ist die Sehnsucht nach ewigem Schlaf nicht weit, womit sich die Wasser-Metapher quasi aufdrängt.
In gewisser Weise fließt auch die Musik auf „Please“. Die Gitarren riffen vorwiegend heftig, aber doch vertrackt melodisch und durchdringen Stücke wie „The Night River (Those Who Cannot Rest) schichtweise, während die Lead-Stimme (zum Teil an Nachrichten-Sprech) angelehnt von allerlei Gesellschaftskrankheiten berichtet.
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Vor diesem Hintergrund bilden das Intro „Intake“, sowie die Zwischenspiele „Diagnosis 1“ und „Diagnosis 2“ und das finale Stimmengewirr in „Discharge“ eine thematische, aber auch emotionale Klammer, die bedrückend und fatalistisch von den Auswirkungen diverser Krankheiten und psychischer Probleme auf den Menschen und die Gesellschaft berichten.
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Dementsprechend geht es in den eigentlichen Songs mitunter heftig zur Sache.
„The Bed of Wasps (Those Who Consumed With Panic)“ etwa grätscht bisweilen mit harten Riff-Eruptionen in Richtung Djent, während sich der Gesang zwischen anklagender Klarstimme und hysterischem Geschrei einpendelt und dabei das emotionale Ping-Pong-Spiel wie in eine akustische Gummizelle packt.
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Dass die Musik also bisweilen nicht wirklich zugänglich klingt und schwer und bedrückend auf den Hörer niederprasselt, sollte kaum verwundern, denn die thematische Zerreisprobe will angemessen vertont werden. Insofern passt auch die ein- oder andere Dissonanz (u.a. in „The Scorn (Those Who Consumed With Panic))“ gut ins Gesamtbild.
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„The Riptide (Those Without Hope)“ überrascht dann als überwiegend ruhig inszenierte Ode an die Depression und lässt sogar Gitarrenmelodien im PINK FLOYD-Stil zu, ehe „The Chance (Those Who Let Go)“ eine gewisse Zwickmühle suggeriert. Denn obwohl die Musik in ihrer ruhigen Herangehensweise beinahe etwas Hoffnung in sich birgt, dreht sich der Text um Themen wie Suizid und Selbstflucht, was den Kloß im Hals von Minute zu Minute dicker werden lässt.
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FAZIT: THE RETICENTs „Please“ ist thematisch harter Tobak, der in ein musikalisches Auf und Ab zwischen vertrackter Härte und einnehmender, bisweilen an den Nerven zerrenden Melodien verpackt wird. Damit ist dieses Album wohl kaum leicht zu verdauen, aber es hallt doch eine Weile im Äther des eigenen Geistes nach und birgt damit das Potenzial für mehrere Runden in den Anlage, sowohl der Musik wegen als auch dank des emotional aufreibenden Charakters.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.01.2026

Tracklist

  1. Intake
  2. The Concealment (Those Who Don’t Want to Wake)
  3. The Night River (Those Who Cannot Rest)
  4. Diagnosis 1
  5. The Bed of Wasps (Those Who Consumed With Panic)
  6. The Scorn (Those Who Don’t Understand)
  7. Diagnosis 2
  8. The Riptide (Those Without Hope)
  9. The Chance (Those Who Let Go)
  10. Discharge

Besetzung

  • Bass

    Chris Hathcock

  • Gesang

    Chris Hathcock, Brian Kingsland

  • Gitarre

    James Nelson, Chris Hathcock

  • Schlagzeug

    Chris Hathcock

Sonstiges

  • Label

    Generation Prog Records

  • Spieldauer

    49:45

  • Erscheinungsdatum

    13.11.2025

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