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Reviews

We Stood Like Kings: Pinocchio

Stil: Post Rock, Cinematic-Heavy-Rock

Cover: We Stood Like Kings: Pinocchio

<b>„Das neueste und härtere Album „Pinocchio“ markiert einen musikalischen Wendepunkt in der Geschichte von WE STOOD LIKE KINGS: 'Es fühlt sich wirklich an wie We Stood Like Kings 2.0. Es könnte das Album sein, das wir schon immer machen wollten', stellt die Pianistin Judith Hoorens fest. Das 50-minütige Konzeptalbum mit neun Titeln erzählt die bekannte Initiationsgeschichte (also des Übergangs von der Kindheit ins Erwachsenenalter- T.K.) von Pinocchio aus der Perspektive von Verrat und Machtkämpfen neu.“</b> (nachzulesen unter der Band-Homepage)
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Allerhöchste Zeit mal für unseren Kanzler in seinem Kartenhaus der Lügen ein Album zu machen! Auch wenn die Band aus Belgien kommt – wir Deutschen müssen uns ja schließlich mit jeder noch so vorsichtigen Kritik gegen die Regierung vorsehen, denn da könnte ganz schnell eine Hausdurchsuchung und Schlimmeres auf einen warten.
Und warum?
Nur weil man unser Staatsoberhaupt oder seine Vasallen (allesamt versehen mit speziellem Paragraphenschutz) mit dem (fast liebevollen) Märchentitel „Pinocchio“ versieht, obwohl des Kanzlers Nase schon längst viel länger als die des süßen kleinen Holzmännchens ist, dessen spitze Nase mit jeder Lüge länger wird.
Noch verblüffender aber ist, dass nicht nur der Albumtitel „Pinocchio“ so unglaublich viele Assoziationen weckt, auch der Bandname der belgischen Postrocker weist sofort auf Parallelen zu unserem machtbesessenen, sich wie ein Monarch aufführenden und gegen alle, die ihm nicht in den Kram passen oder um seinen Thron herum gefährlich werden könnten, Brandmauern ziehenden 'König' (Nennen wir ihn mal wie das sechste Stück des Albums: „Poor Idiot“).
Selbst in seinem eigenen Palast hat er schon längst seine Macht verloren – gerade wegen dieser von ihm hochgezogenen, doch ihn selber einzwängenden Maueren, welche von ihm eine Unterwerfung unter Idioten statt unter Volkes Wille zur Folge hatten. Idioten, die sich ungewählt, aber fein gemauschelt, innerhalb des Mauer-Reiches befinden und Anspruch auf Führung erheben, obwohl sie diese längst vergeigt hatten. Und so reichhaltig auch des Kanzlers Tisch auf Volkes Steuergeld-Kosten gedeckt sein mag, er und all seine mächtigen Mitfresser haben im Grunde längst abgegessen. Auch wenn sie es in ihrer Unfähigkeit und Dummheit sowie Bereicherungssucht noch immer nicht wahrhaben wollen.
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Für euch alle gibt es jetzt herrlichen, häufig sogar auf brachiale Härte setzenden Post Rock aus Belgien um die Ohren, der euch hoffentlich, langsam aber sicher, von eurem Thron, der nur noch euch beherbergt, aber nicht das Volk berücksichtigt, von dem ihr gewählt und für das ihr verantwortlich seid, bläst. Also: Lautstärkeregler hoch und „Pinocchio“ von WE STOOD LIKE KINGS starten, so lange, bis auch bei uns und unseren Machthabern endlich wieder die Ohren gehörig durchgeblasen werden, bis wieder Vernunft und Verstand einsetzen. Da eignet sich bereits der ganz zärtlich und ruhig beginnende 'Attentäter'-Album-Opener „Assassins“, der nach wenigen Sekunden auf krachige Härte setzt, die durch Mark und Bein geht, bis das Feld der Wunder (GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR lassen grüßen!) die nächsten, etwas bedrohlich klingenden Ruhepunkte setzt.
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Die belgische Post-Rocker sind seit langer Zeit für ihren klavierbetonten und gitarren-brachialen Instrumental-Rock bekannt und beliebt, wobei sie oftmals thematisch auf Filme zurückgreifen, denen sie ihre eigene hart rockende Vertonung gegenübersetzen und hierbei spätestens schon vor 12 Jahren mit <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2015/We-Stood-Like-Kings/USSR-1926/" target="_blank" rel="nofollow">„USSR 1926“</a> oder zwei Jahre später mit <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2017/We-Stood-Like-Kings/USA-1982/" target="_blank" rel="nofollow">„USA 1982“</a> zu überzeugen und begeistern wussten.
Von Horror bis Romantik, Post- bis Progressive-Rock, Neoklassik bis Metal – man findet einfach in allen sechs bisherigen Alben jedes noch so aufwühlende Gefühl in der Musik von WE STOOD LIKE KINGS wieder.
Kollege König bezeichnete die Musik der Belgier in seiner Review zu „USSR 1926“, in der es um den Stummfilm „A Sixth Part Of The World“ des russischen Filmemachers Dziga Vertov ging, um dessen Vertonung sich die Filmmusik-Legende Michael Nyman verdient machte, als: „Post-Klassik trifft auf Post-Rock. Beides ergänzt und spiegelt sich verblüffend einträchtig“.
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Eine Einschätzung, welche auch „Pinocchio“ verdient, obwohl hier die Dynamik- und Härte-Regler deutlich höher gedreht, aber immer wieder auch auf die harmonisch-ruhigen Momente gesetzt wird – so als würde man die Hölle auch mal gegen den Himmel eintauschen wollen, damit die Lügennase dieses süßen Männchens auf dem Albumcover ein wenig ausge'merz't wird. Doch ohne Erfolg: Sie wächst und wächst und wächst – bis uns am Ende die akustische Gitarre mit der großen Erkenntnis verabschiedet, dass es nur eine Möglichkeit gibt, dieses Problem zu lösen – nämlich indem man sich von den falschen Freunden in „Addios, False Friends“ endgültig trennt und bei der nächsten Wahl besser aufpasst, dass man diese nicht wieder auf den Regierungsthron wählt.
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FAZIT: Wenn die Belgier WE STOOD LIKE KINGS für uns Deutsche ein 'unfreiwilliges' Kanzler-Album namens „Pinocchio“ kreieren, dann muss es genau dieser abwechslungsreiche, oft von den Keyboards, aber auch von bretternden Gitarren-Riffs geprägte, Post- und Cinematic-Heavy-Rock sein, der Grenzen sprengt und trotz reiner Instrumentalarbeit alle Lügner und Betrüger auf's Korn nimmt und mit dem lauten Abschiedsruf, „Addios, False Friends“, der am Ende ganz akustisch-zerbrechlich klingt, enden. So lange wie die Nasen unserer Politiker immer länger werden, sollten wir als passenden Soundtrack zur unerträglicher werdenden Untermalung immer wieder „Pinocchio“ – zugleich das härteste und dieses Mal sich nicht um einen Film, sondern ein in die Gegenwart geholtes Märchen drehende Konzept-Album von WE STOOD LIKE KINGS – hören, bis endlich das Lügen-Kartenhaus in sich zusammenbricht und alle Mauern mit sich reißt.
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Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.04.2026

Tracklist

  1. Assassins
  2. The Field Of Wonders
  3. Fire Eater
  4. Attila Of The Sea
  5. Raven
  6. Poor Idiot
  7. The Land Of Toys
  8. Dead Blue Fairy
  9. Addios, False Friends

Besetzung

  • Bass

    Colin Delloye

  • Gitarre

    Diego Di Vito

  • Keys

    Judith Hoorens

  • Schlagzeug

    Lucas Vanderputten

Sonstiges

  • Label

    Kapitän Platte

  • Spieldauer

    49:42

  • Erscheinungsdatum

    24.04.2026

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