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Wolfsmond: Für mich ist es Rock'n'Roll – Part 1

Stil: Deutschrock, Pop

Cover: Wolfsmond: Für mich ist es Rock'n'Roll – Part 1

<b>„Hört aber auch jemand die Tiefen der Sehnsüchte in den Worten des Künstlers, des einsamen Wolfes – außer seinen Mitmusikern oder seinen Freunden, die glauben, ihn zu kennen?“</b> (Im Booklet von „Für mich ist es Rock'n'Roll – Part 1“ aufgeworfene Frage zur ungewöhnlichen Persönlichkeit von Lude LaFayette und seiner Rolle bei WOLFSMOND...)

Bekanntlich heulen Wölfe nachts gerne den (Voll)Mond an (Obwohl aus wissenschaftlicher Sicht auch das nur eine Legende ist!) und erzeugen dabei bei vielen Menschen, wenn sie dieses Heulen in der Ferne vernehmen, so einige Ängste.
Aus musikalischer Sicht kann sich das gänzlich anders anhören. Denn da gab's Ende der Siebzigerjahre die Band WOLFSMOND, die auf deutschsprachige Texte und (manchmal viel zu) harmonische Songs setzte, in denen nicht geheult, sondern oft von ganzem Herzen geschmachtet wurde. Das alles klang unter der Federführung von Lude LaFayette oftmals fast seiner Zeit voraus, hatte schon etwas von der Neuen Deutschen Welle, genauso aber auch von anspruchsvolleren Schlagern sowie von der damals immer stärker werden Deutsch-Rock-Mentalität (IHRE KINDER oder RIO REISER, der später auch einen Mond besang, allerdings den „Junimond“).
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Doch bleiben wir bei WOLFSMOND – und den Wölfen unter Rudelführer Lude LaFayette, die allerdings mehr nach Kuscheltieren als den nunmehr in Deutschland wieder zum Abschuss freigegebenen Raubtieren, die übrigens zu der familienfreundlichsten und in ihrer später gezähmten Art gar als Hunde zur menschenfreundlichsten Spezies gehörten.
Sehr freundlich und ziemlich einnehmend klingt die WOLFSMOND-Musik ebenfalls, genauso wie die Texte, die nicht bissig sondern voller Liebe, Träumereine, Freiheitsgedanken und Reiseimpressionen daherkommen. Die Band nannte es wohl selber 'Poetischen Rock'n'Roll', bzw. „Radio Rock'n'Roll“, wie es gleich der Albumtitel der zweiten, rockiger als das Debüt ausgefallenen WOLFSMOND-LP aus dem Jahr 1978 verheißt. Eigentlich aber sollte man es wohl doch besser als 'PoPo' für 'Poetischen Pop' bezeichnen.
Und irgendwie kommt der Kritiker daher eher auf einen anderen Titel für diese interessante Doppel-CD-Veröffentlichung aus dem Deutschmusik-Experten-Hause MIG music – also statt „Für mich ist es Rock'n'Roll – Part 1“ ein „Für mich ist es Pop'n'Roll – Part 1“.

Natürlich kann das dem Bremer Rockpoeten Jochen Peters – der in der Musikszene besser als Lude LaFayette bekannt ist – völlig egal sein, welche Wortspielereien oder Wortklaubereien man anno 2026 mit seinen Werken betreibt, denn der starb bereits am 11. April 2003 völlig zurückgezogen (auch seine Todesursache ist nicht bekannt) bei seiner Mutter viel zu früh im Alter von 50 Jahren. Und unter diesem Aspekt, scheint der Song „Beinah ein Hauch von Einsamkeit“ aus „Lude LaFayette's Wolfsmond“ (1977) etwas Prophetisches und sehr Persönliches mit folgender Strophe auszudrücken:

<center><i>"Ich steh' auf'm Bahnhof vor'm Zeitschriftenstand,
Und halte den Revolver versteckt in meiner Hand,
Auf die einsame Menge werfe ich einen Blick
Alle hier scheinen mir auf der Suche nach dem kleinen Glück"</i></center>
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Der gute Lude hat dieses Glück letztendlich wohl nicht gefunden, selbst wenn er in seiner Musik und den dazugehörigen Texten wohl ständig danach zu suchen schien. Auch wurde immer auffälliger, dass LaFayette eine persönliche, introvertierte Distanz aufbaute und nur noch auf der Bühne, im Studio oder im engsten Familienkreis klarkam.
Daher klingt vieles von den mitunter etwas banal erscheinenden Songs aus der Distanz betrachtet und unter der Lafayette-Perspektive gehört, deutlich tiefgründiger als auf den ersten Blick bzw. Hör.

Jochen Peters war vor WOLFSMOND bei den RATTLES aktiv, allerdings nervte ihn die Band, deren bekanntestes Gründungsmitglied ACHIM REICHEL war, mit ihrer musikalischen Ausrichtung, sodass er diese 1977 verließ, um seine eigene Band zu gründen, mit der er deutschsprachige Rock- und Pop-Musik spielen wollte. Für den Bandamen allerdings inspirierte ihn ein amerikanischer Bildband des New Yorker Fantasy-Künstlers Frank Frazetta, in dem er <a href="https://www.instagram.com/p/C84734CpsGs/" target="_blank" rel="nofollow">das Bild „Wolfmoon“</a> entdeckte.

Mit dieser Musik findet WOLFSMOND in Zeiten, in denen sich die deutschsprachige Rockmusik – besonders durch den UDO LINDENBERG-Hype, aber auch durch immer anspruchsvoller werdende Schlager – stärker etabliert und nicht mehr der Wahn besteht, dass 'echte' Rockmusik nur englischsprachig sein kann, die passende WOLFSMOND-Lücke.
Die Frankfurter Plattenfirma Bellaphon räumt ihm daher die Möglichkeit für eine LP ein, die im Frühjahr 1977 erscheint und wodurch der Mensch Jochen Peters zum Musiker-Pseudonym Lude Lafayette wird.
Mit der LP „Lude LaFayette's Wolfsmond“ (auf der ersten um zwei Boni erweiterten CD von „Für mich ist es Rock'n'Roll – Part 1“) geht es auf Tour und erste Erfolge stellen sich ein. Selbst Ilja Richters DISCO 77 öffnet ihm die Tore zur Fernsehlandschaft, wo ihre erste Single-Auskopplung „Das hat Spaß gemacht“ (Nicht wirklich die beste Auswahl!) erklingt.
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Hier nun beginnt das introvertierte Verhalten von Peters immer offensichtlicher zu werden. Daher schlägt sich sein Gitarrist Klaus 'George' Meier auf seine Seite, kümmert sich verstärkt um das seltsame Verhalten des Bandkopfs, dessen Texte und Kompositionen unerlässlich für WOLFSMOND waren. Schließlich hatte Meier ebenfalls bei den RATTLES (dann bei <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2025/Cravinkel/Cravinkel--Garden-Of-Loneliness--Bonus-Live-Waldbuehne-Berlin-1971/" target="_blank" rel="nofollow">CRAVINKEL</a> und sogar RANDY PIE) gespielt und wurde nun zur rechten, ihn beschützenden Hand von LaFayette. Sogar die Filmmusik und eine Nebenrolle zum 1977er-ZDF-Film „Keiner kann was dafür“ sprang im Rahmen von „Das Kleine Fernsehspiel“ in der Zeit für WOLFSMOND heraus.

Trotzdem blieb der wirklich große Erfolg aus. Meier stellt dazu fest, dass die Band ihrer Zeit wohl immer ein wenig voraus waren – und die Zeit war einfach nicht wirklich reif für WOLFSMOND, die beispielsweise gerade mit „Wellenreiter“, einen Song raushauten, der sogar ein wenig an einen zwei Jahre später viel bekannteren Reiter der Neuen Deutschen Welle erinnert, den JOACHIM WITT als „Goldenen Reiter“ zum Megaerfolg durch deutschen Hitparaden galoppieren ließ.
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Aber es gibt auch so einige Songs (besonders der ersten LP, während die zweite etwas 'deutsch'rockiger ausfiel), die deutliche Schlager-Schlagseiten offenbaren, wobei wir wiederum bei „Beinah ein Hauch von Einsamkeit“ wären, der an den 1980er-„Engel“-Hit eines STEFAN WAGGERSHAUSEN erinnert. Auch in diesem Falle waren WOLFSMOND tatsächlich mit dieser Nummer ein paar Jahre zu früh dran.

Demgegenüber verschlechterte sich aber LaFayettes Zustand immer mehr. Er kämpfte offensichtlich mit psychischen Problemen, zog sich komplett erst zu seiner Oma, dann zu seiner Mutter zurück und lebte dort wie ein Eremit, der zwar noch mit der Musik im Reinen war, mit seinem Leben außerhalb der Musik aber nicht mehr klarzukommen schien und der letzte Song auf „Radio Rock'n'Roll“ mit dem Titel „Ekstasenspiel“ schon auf die seltsam entstandene Situation verweist und in der ein RIO REISER durchzuklingen scheint.

Spannende Beigaben dieser „Für mich ist es Rock'n'Roll – Part 1“ sind natürlich auch die Boni. Auf der ersten CD zusätzlich zum Debüt „Lude LaFayette's Wolfsmond“ (1976) zwei beeindruckende, bisher nie veröffentlichte Studio-Songs („Tiger“ und „Zeig mir mehr“) und dann – neben der kompletten zweiten „Radio Rock'n'Roll“-LP (1978) – 5 Live-Songs von „Live auf Gut Varrel in Stuhr am 31. August 2013“, bei dem die noch immer aktive Band WOLFSMOND ihren ehemaligen Bandkopf mit bewegenden Worten ehrt und an ihn sowie seine Bedeutung für WOLFSMOND erinnert: „Ja, unser Freund hat uns wirklich sehr schöne Lieder auf diesem Planeten hinterlassen – danke dafür Lude!“
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FAZIT: Sie heulen wieder laut aus den Siebzigerjahren heraus: WOLFSMOND, die durch den leidenschaftlichen Einsatz von MIG music ihre ersten beiden, ursprünglich bei Bellaphon Records erschienenen Alben „Lude LaFayette's Wolfsmond“ (1976) und „Radio Rock'n'Roll“ (1978) nun erstmals im remasterten CD-Doppelpack mit achtseitigem Booklet samt der Geschichte dahinter in deutscher und englischer Sprache sowie sieben Bonus-Songs unter dem Titel „Für mich ist es Rock'n'Roll – Part 1“ veröffentlichen. Die Jungs um den 2003 verstorbenen Lude LaFayette, der immer stärker mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte, haben tatsächlich echte Deutschrock-Geschichte geschrieben, die sie bis heute live fortsetzen, und waren ihrer Zeit einfach voraus, weswegen ihnen wohl der ganz große Erfolg verwehrt blieb.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.10.2026

Tracklist

  1. <b>CD 1 = Lude LaFayette's Wolfsmond (1976) =</b> (50:16):
  2. Wie der Wind so frei
  3. Morgen muss ich gehen
  4. Beinah ein Hauch von Einsamkeit
  5. Nachtexpress
  6. Wie Du es haben willst (soll es sein)
  7. Das hat Spaß gemacht
  8. Engel
  9. Wir sind uns nah
  10. Mädchen aus Amerika
  11. Noch bevor heute Nacht der Mond aufgeht
  12. Ameland
  13. <i>= Bonus (bisher unveröffentlicht) = </i>
  14. Tiger
  15. Zeig mir mehr
  16. <b>CD 2 = Radio Rock'n'Roll (1978) =</b> (58:02):
  17. Radio Rock'n'Roll
  18. Biggi für den Kick
  19. Sanfter Wind
  20. Roulette in Rom
  21. Morgenwind
  22. Wellenreiter
  23. Silber
  24. Ekstasenspiel
  25. <i>= Bonus – Live auf Gut Varrel in Stuhr am 31. August 2013 =</i>
  26. Wie der Wind so frei
  27. Ameland
  28. Nachtexpress
  29. Beinah ein Hauch von Einsamkeit
  30. Radio Rock'n'Roll

Besetzung

  • Bass

    Joseph Hess, Frank Mille, Zappo Lüngen, Mathias Klenke

  • Gesang

    Lude LaFayette, George Meier, Rico Christian

  • Gitarre

    George Meier, Rico Christian, Lude Lafayette, Rainer Gaffrey, Alexander Vallon

  • Keys

    Lude Lafayette, Ralf Heinlein

  • Schlagzeug

    Kai Stellmann, George Miller, Frank Alpers

  • Sonstiges

    Charles Campbell, Barnardo Ball (Percussion)

Sonstiges

  • Label

    MIG music

  • Spieldauer

    108:18

  • Erscheinungsdatum

    11.09.2026

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