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Opeth: Ghost Reveries (Review)

Artist:

Opeth

Opeth: Ghost Reveries
Album:

Ghost Reveries

Medium: CD
Stil:

Progressive Death Metal

Label: Roadrunner Records
Spieldauer: 66:46
Erschienen: 2005
Website: [Link]

Zum Zeitpunkt dieses Reviews ist „Ghost Reveries“ nicht mehr ganz neu, doch wäre es eine Schande, diesem Werk nicht die Rezension zukommen zu lassen, die es sicherlich verdient hat.
Seit dem Debüt „Orchid“ aus dem Jahre 1994 hat sich einiges getan: Nicht nur der Stil der Schweden hat sich im Laufe der Jahre mal mehr, mal weniger subtil verändert, auch sind OPETH Schritt für Schritt aus dem zuweilen schattigen Dasein eines reinen Insidertips herausgetreten. Mit dem letzten Wechsel zum Major Label Roadrunner Records wird manch einer „Verrat“ schreien, doch zum metallischen Mainstream sind OPETH noch lange nicht geworden, im Gegenteil: „Ghost Reveries“ stellt den bisherigen Höhepunkt im Schaffen Herrn Åkerfeldts dar.

„Ghost Of Perdition“ leitet das Album mit einem Paukenschlag ein: Mächtige Gitarren in monolithischer Breitwandperspektive hauen dem Hörer Betonblöcke in die ungeschützten Ohren, Åkerfeldts Growls zählen zu den besten der gesamten Szene, dunkel, aggressiv, voller Volumen, jederzeit akzentuiert und klar verständlich. Das Wechselspiel zwischen harten Klängen und harmonischer Ohrenschmeichlerei haben die Schweden mittlerweile zu beängstigender Perfektion gebracht, mit schwebender Leichtigkeit treiben die Akustikgitarren durch die Boxen, die Chöre sind einfach zauberhaft, zerbrechlich, durch und durch harmonisch, dann unterstützt und aufgenommen durch klagende, wehmütige elektrische Gitarren. Dann, als wäre es das natürlichste auf der ganzen Welt, wieder diese harten Stakkatogitarren, der Härtegrad nimmt abrupt zu und dennoch wird clean weitergesungen, das ganze steigert sich zu purer Dramatik. Die Qualität der Harmonien ist atemberaubend schön, die immer wieder einsetzenden Death Growls passen wie die Faust auf´s Auge, bei allen Breaks und Taktwechseln bleibt der Song jederzeit nachvollziehbar.

Ähnlich hart legt „The Baying Of The Hounds“ los, bei voll aufgedrehten Boxen droht die frühzeitige Ekstase. Im Mittelteil schwelgen die fünf Musiker in entspannter Ruhe und 70er Jahre Prog, doch auch in den ruhigen Passagen liegt diese unterschwellige Finsternis in der Luft, die „Ghost Reveries“ zu faszinierend macht. Die Soli sind so gut wie nie, keine Hochgeschwindigkeit, die Gitarren lassen sich im Fluß dieses faszinierenden Sounds scheinbar treiben.

„Beneath The Mire“ – der Einstieg eines Keyboarders hat die Musik von OPETH nicht verwässert oder verweichlicht, die morbiden Klänge der Intro lassen aufhorchen, fast schon gruselig, Geisterbahn für Erwachsene ohne plakative Effekte. Wieder wird abgetaucht in die Welten progressiv-psychedelischer Tonkunst der 70er, ungemein bereichert durch harte E-Gitarren.

„Atonement“ kommt dann ganz ohne harte Gitarren und Death Gegrunze aus. Das Abtauchen in bunte Pilzwelten ist vielleicht nicht nach Gusto eines jeden Rübeschüttlers, doch die bereits erwähnte Geisterbahn Atmosphäre funktioniert wieder bestens – und wer keine musikalischen Experimente wagt, der soll sich nicht Musiker nennen.

„Reverie / Harlequin Forest“ – einfach mitreißend die Einstiegsmelodie. Noch nie hat Åkerfeldt so gut gesungen wie auf diesem Album. Vor allem die cleanen Gesänge spielen jetzt in der absoluten Oberklasse.

„Hours Of Wealth“ – das ist musikgewordene Tristesse, Wehmut, Trauer, Endzeit. Hoffnungslosigkeit und Trost in einem, alles ohne Kitsch, trocken in Szene gesetzt, aber niemals gefühllos, Einsamkeit und kalte Winternächte unterm Sternenzelt. Schöner als fast alles, was sich auf „Damnation“ befand.

„The Grand Conjuration“ ist der Hit des Albums, nicht unbedingt der tiefgründigste Track, aber zum Einstieg und als Anspieltip zu empfehlen. Mächtige Hammer-Riffs, treibend, die ruhigen Passagen fast heimtückisch.

„Isolation Years“ knüpft an, wo „Hours Of Wealth“ endete, perfekte Melancholie, diesmal sind die Gesangslininen noch hingebungsvoller intoniert, einfach zum Heulen schön.

FAZIT: OPETH sind ruhiger geworden. Death Metal ist immer noch ganz klar wichtiges Stilmittel, doch hat man sich noch weiter von einengenden Genregrenzen entfernt, die Musik fließt, Stilrichtungen zählen nicht mehr, musizieren ohne Grenzen quasi, die perfekte Form der Musik, das ist Schönheit und Kunst, Härte und zerbrechliches Feingefühl, Poesie und Lyrik, Epos und Drama – ein ganz, ganz großes Album.

Nils Herzog (Info) (Review 7673x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • Ghost of Perdition
  • The Baying of the Hounds
  • Beneath the Mire
  • Atonement
  • Reverie/Harlequin Forest
  • Hours of Wealth
  • The Grand Conjuration
  • Isolation Years

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
Kommentare
Benjamin [Musikreviews.de]
gepostet am: 18.02.2010

User-Wertung:
14 Punkte

"... ein ganz, ganz großes Album."

In der Tat, "Ghost Reveries" spielt in einer ganz anderen Liga als alle Opeth Alben zuvor. Das ist, so meine ich, nicht nur dem Keyboarder Per Wiberg zu verdanken, dessen Hammonds und Mellotronsounds richtig unheimlich wirken. Die Band hatte ja mit Deliverance und Damnation eine personelle und psychische Tiefphase hinter sich gebracht, die mit neuer Frische und Leichtigkeit aufgebrochen wird. Man hörts richtig! Gebt euch nur mal Ghost of Perdition, Hammerriffs im Minutentakt...

Meinesachtens neben "Blackwater Park" das größte, was diese Götterband je veröffentlicht hat.
Nils [musikreviews.de]
gepostet am: 18.02.2010

Ja, das Album wird immer noch nicht langweilig - ganz anders als z.B. neuere Dream Theater-Alben, zu denen ich es zum Zeitpunkt der Rezension leider nie schaffe, den nötigen Abstand zu gewinnen und immer viel zu hohe Wertungen zücke. ;-)
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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