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Mekong Delta: Lurking Fear (Review)

Artist:

Mekong Delta

Mekong Delta: Lurking Fear
Album:

Lurking Fear

Medium: CD
Stil:

Progressive Thrash

Label: AFM/Soulfood
Spieldauer: 51:49
Erschienen: 2007
Website: [Link]

Manchmal kommen sie wieder – Ein neues Album von MEKONG DELTA hatte bis vor einigen Monaten sicherlich niemand im Sinn, doch Rückkehrer Ralf Hubert hat drei bekannte wie beschlagene Musiker um sich geschart, die „Lurking Fear“ zu einem angemessenen Nachfolger von „Kaleidoscope“ machen, nachdem die Adaption von „Pictures At An Exhibition“ als für Band wie Musikwelt außergewöhnliches Projekt mit Klassikgewichtung zu verstehen war. Unterbrochen von drei zusätzlich orchestrierten Instrumentalstücken, spielt das Quartett sieben Mal furiosen Metal mit Raritätencharakter: Techno-Thrash, die altehrwürdige und oft verschmähte Stilistik erfährt eine Wiederbelebung im besten Sinne – Die Eins als zu findendes Osterei im Takt, virtuose Gourmetstücke auf dem Gabentisch und eine generelle Getriebenheit durch intensiven, eigenwilligen Gesang und hektische Kompositionen. Wären letztere nicht flüssig wie kompakt, liefe der Rest hinsichtlich seiner Langzeitwirkung unter Ferner, und das Kopfnicken des Hörers beschränkte sich eher auf Anerkennung als enthusiastisches Bangen, wobei die Bewegungen aus Furcht davor, das ohnehin schon flüchtige Material wieder aus dem Ohr zu verlieren, dezenter ausfielen. Zu MEKONG DELTA kann man jedoch nach wie vor sein Haupt fröhlich gegen die Wand schlagen und etwas dabei lernen. Textlich haben sie sich von der Inspiration durch die Kunst Anderer (H.P. Lovecraft und Stephen Donaldson) ab- und Gesellschaftskritischem zugewandt. Wer Ex-Scanner/-Angel-Dust-Sänger Leo Szpigiel nicht kennt, dem sei er als Wiedergänger Warrel Danes und Alan Tecchios in jungen Jahren ans Herz gelegt. Seine Gesangslinien schrauben sich nicht selten in außergewöhnliche Höhen, wo es gerade durch den sterilen Sound der Promo-CD (im Regal wird sie dann ofenwarm mit Live-DVD stehen) kühl ist; andererseits begeistern die Melodien umso mehr, da sie haften bleiben und intelligentes Textgut transportieren.

„No justice for all,“ prangert der Frontmann gleich zur Eröffnung eine ‚Society in Dissolution“ an. Das Stück ist virtuoser Speed Metal, dessen kaum zu steigernde Spannung am Ende die titelgebenden Auflösungserscheinungen widerlegt. Die Vocals von ‚Purification´ kehren die Nevermore-Referenzen deutlich hervor, doch dem Ätherisches evozierenden, vermeintlichen Fremdbezug steht auf musikalischer Seite die eindeutige Handschrift Huberts vor. Peter Lake lässt in der Solosektion anklingen, wie stark er den Sound von Theory In Practice geprägt hat, während Ähnliches für MEKONG DELTA im folgenden „Immortal Hate“ die typischen, ungerade getakteten Kopfabschrauber-Riffs verrichten. „Allegro Furioso“ ist als erstes klassisch geprägtes Zwischenspiel gar nicht so wild, forciert aber die dräuende Düsternis des Albums. Umso aggressiver entlädt sich „Rules of Corruption“: Spzpigiel tönt außerweltlich, und Uli Kusch leistet Drum-Schwerstarbeit bis zur ausgebremsten Bridge. Das Lied ist ein Highlight mit reichlich Drama und flirrenden Soli, dem sich der „Hit“ des Albums mit „Ratters“ anschließt. Fungierte Szpigiel bisher ohnehin als Strukturgeber wie Hook-Lieferant, so steigert er die Griffigkeit hier zusätzlich. Wer Zeiten betrauert, in denen Devon nicht Twix, sondern Buddy Raider aß, bekommt spätestens jetzt den Zuckerschub. Die Instrumentierung ist in einigen Passagen dicht bis fast ins Lärmige hinein. „Moderato“ zitiert als Kontrast Huberts Lieblings-Filmsoundtracks in einmal mehr bedrohlichem Orchestergewand und Schritttempo - Blech ist ebenfalls Metall, auch wenn es kostensparend aus japanischem Plastik bläst.

In Zukunft wird man zwar nach wie vor an verräterische Priester denken, wenn jemand „Defenders of the Faith“ sagt, doch der Knoten, den sich die Solisten beim Schlagabtausch mit kurzem Flamenco in die Greifhand machen, wird im gleichen Maß den Hörer lange an „Lurking Fear“ binden. Für „Symphony of Agony“ nimmt man den Todeskampf gerne auf: der Aufbau ist nach dem durchgehenden Inferno davor dynamischer, der Höhepunkt umso vehementer, damit die abschließende Entspannung umso mehr genossen werden kann. Schostakowitschs „Allegro“ beendet das Album tänzerisch mit dominantem Bassspiel vom Chefkomponisten dieser stilistischen Rarität, derer es sie im heuer so vorhersehbar gewordenen Metalbetrieb leider viel zu wenige gibt.

FAZIT: Techno-Thrash Album des Jahres, nicht nur aus Mangel an Konkurrenz! Ausnahmeband ist eine Floskel, die für MEKONG DELTA der Wahrheit entspricht. Nach allzu leutseligem heutigen Metal-Verständnis vielleicht nicht schön, aber selten geil. [Album bei Amazon kaufen]

Andreas Schiffmann (Info) (Review 2596x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Society In Dissolution
  • Purification
  • Immortal Hate
  • Allegro Furioso
  • Rules Of Corruption
  • Ratters
  • Moderato
  • Defenders Of The Faith
  • Symphony Of Agony
  • Allegro

Besetzung:

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