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Korea: The Delirium Suite (Review)

Artist:

Korea

Korea: The Delirium Suite
Album:

The Delirium Suite

Medium: CD
Stil:

Alternative Rock

Label: ViciSolum Productions
Spieldauer: 47:01
Erschienen: 12.11.2010
Website: [Link]

Ein bisschen cheesy klingt es heute, das Debüt "For The Present Purpose". Die Schweden von KOREA spielten damals melancholischen Alternative Rock mit hauchdezenten Elektronika- und Gothic-Anleihen und unleugbaren Anlehnungen an KATATONIA. Gefällig war's, etwas fehlte der Druck und besondere, eigenständige Momente. Nur Michael Ehrnstens leicht ölige Stimme sorgte für Wiedererkennungswert.

Was hat sich in den letzten Jahren geändert? Allenfalls der Feinschliff, muss man da ohne große Überraschung konstatieren. "For The Present Purpose" versprach schließlich seinerzeit schon nicht gerade stilistische Flexibilität für die Zukunft. Zwei Jahre später bestätigt "The Delirium Suite" die damaligen Vermutungen, allerdings erweist sich das neue Album in Sachen Präsentation als deutliche Verbesserung in allen Belangen.

Das schließt eine bessere Produktion mit ein, verfeinerte Songgerüste und etwas mehr Druck auf Gitarrenseite. Immer noch fehlen die griffigen Heavy-Akzente, die beispielsweise GHOST BRIGADEs "Isolation Songs" das gewisse Etwas verliehen haben, aber wenigstens die Rhythmusfraktion sägt ein wenig mehr Struktur in die Albumskulptur.

Ehrnstens Gesang ist indes immer noch Geschmackssache; einerseits streckenweise sehr angenehm, andererseits dank der Schlenker ins Nasale mit einer merkwürdigen B-Note ausgestattet, so dass trotz der hochprofessionellen Instrumentierung immer noch ein Hauch Amateurfeeling im Bandsound mittransportiert wird, was so unsympathisch aber gar nicht ist.

Zum Ende hin verlieren die Stücke ein wenig ihre Form. Die Riffs verlieren minimal an Qualität und ein paar Experimente schleichen sich ein wie füllende Ballaststoffe. Die ohnehin im Hintergrund durchweg angedeuteten Elektronika werden schließlich auf "Prozac Gen." manifest – pumpende Schlagzeugarbeit, abgeschnittene Gitarrenriffs und eine Computerstimme erinnern plötzlich an die aktuellen PURE REASON REVOLUTION. Das jederzeit präsente Alternative-Rock-Gerüst wird dennoch zu keiner Zeit aufgebrochen oder gar umgeworfen.

FAZIT: "The Delirium Suite" macht das Debüt von 2008 im Grunde überflüssig. Es klingt schöner, ist ausgetüftelter und dichter, kurz: es deckt gnadenlos alle alten Schwächen auf. Das ist leider nicht nur positiv zu bewerten: Ein richtig gutes Album lässt seinen Vorgänger nicht zwangsläufig alt aussehen, sondern emanzipiert sich weit genug von ihm, um nicht mehr mit ihm konkurrieren zu müssen. KOREA bedienen aber heute immer noch das gleiche Motiv wie vor zwei Jahren, nur dass sie es mit bunteren und kräftigeren Farben ausmalen. So deuten sich perfektionistische Tendenzen ab, die für das nächste Mal ein Hochglanzalbum erwarten lassen – nur, dass unter der Oberfläche wohl immer noch "For The Present Purpose" lauern wird. [Album bei Amazon kaufen]

Sascha Ganser (Info) (Review 7995x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
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Tracklist:
  • Cataclysm
  • The Absentee
  • From the ashes...
  • Street Spirit (Fade Out)
  • Take the Blame
  • Enemies
  • Logical Fallacies
  • Cave Dweller
  • Bloodline
  • Prozac Gen.
  • Carpet-Slipper
  • Exit

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Mein Name
gepostet am: 06.11.2010

"Ein richtig gutes Album lässt seinen Vorgänger nicht zwangsläufig alt aussehen, sondern emanzipiert sich weit genug von ihm, um nicht mehr mit ihm konkurrieren zu müssen."

Selten so einen Blödsinn gelesen, ernsthaft!
Nils [musikreviews.de]
gepostet am: 07.11.2010

Wie soll es denn bitteschön sonst sein??
Sascha [Musikreviews.de]
gepostet am: 07.11.2010

"Selten so einen Blödsinn gelesen, ernsthaft!"

Betrachte ich jetzt mal als Kompliment. Dafür hab ich nämlich schon sehr oft so dämliche Kommentare ohne jegliches Bemühen um Erläuterung gelesen und es ist immer noch so langweilig und nervig wie beim ersten Mal. Gratulation für den üblichen Tritt in die Klischeefalle.
Mein Name
gepostet am: 10.11.2010

Anscheinend habe ich wohl in ein Wespennest getreten und Euch ein wenig gekränkt.

Diese Aussage funktioniert nur als Theorie, aber sobald man sich dann wirklich zwei Alben nebeneinander stellt, zeugt sie von ihrer Sinnlosigkeit.

Woran soll man bitte eine "zu befürwortende Emanzipation" von einer "bösen Übertrumpfung" abgrenzen?

Sehen wir uns doch einfach ein fiktives Beispiel an:
Davon ausgehend, dass sich der Stil der Band nicht zu sehr ändert und man die Alben daher noch leicht (also ohne Kompromisse eingehen zu müssen) miteinander vergleichen kann, stelle ich zwei Alben gegenüber.

Die erste Platte kann vielleicht nicht mit der besten Produktion aufwarten und auch spielerisch konnten einige Ideen, die man heraushören kann, noch nicht so ideal umgesetzt werden.

Hingegen ist die zweite Platte ein Meisterwerk geworden. Die Musiker haben mittlerweile einen guten Produzenten etc. gefunden, ihre technischen Fähigkeiten verbessert und auch ein glückliches Händchen beim Schreiben der Lieder erlangt. Alles in allem ist das zweite Album äußerst stimmig geworden und weiß zu gefallen.

Nun kommt die Frage, die letztendlich nur auf eine reine Wertung hinausläuft:

Hat sich die Band weiterentwickelt und von ihrem Erstling emanzipiert (was nach Euch positiv wäre), oder ist das Debut im Vergleich so schlecht, dass es nun eben schlecht aussieht (was nach Euch negativ wäre)?

Wenn man also genauer hinsieht, erkennt man, dass Eure "Abgrenzung" nur eine scheinbare sein kann.
Mein Name
gepostet am: 10.11.2010

Nachtrag:

Abgesehen davon wird eine Konkurrenz, wenn man es so nennen mag, immer vorhanden sein. Sowohl zwischen verschiedenen Genres und Interpreten als auch innerhalb der Veröffentlichungen eines bestimmten Künstlers.

Man wird entweder immer objektiv sagen können, dass Album A besser produziert oder spielerisch komplexer umgesetzt worden ist. Aber vor allem subjektiv gesehen kann mir ein Album nie genau (!) gleich gefallen wie ein anderes.
Sascha [Musikreviews.de]
gepostet am: 10.11.2010

Halleluja, Argumente! Geht doch. Gekränkt war ich jetzt nicht gerade, in ein Wespennest bist Du aber trotzdem getreten, denn mit Gemecker, das ohne Argumentation einfach haltlos in den Raum geworfen wird, kann ich nüscht anfangen. Da gefallen mir Deine nachfolgenden Ausführungen schon besser. Die finde ich auch nicht uninteressant.

Trotzdem wiegst Du mir das zu sehr auf und siehst das auch zu eindimensional. Beispielsweise habe ich die Entwicklung der Band nicht als "negativ" eingeschätzt, sondern unter dem Strich durchaus als positiv; nicht umsonst habe ich zwei Punkte mehr draufgelegt als beim Debüt. Es trägt aber eben den negativen Anstrich mit sich, dass das Debüt rückblickend relativ wertlos geworden ist. Im Gegenzug gibt es so viele Bands, denen das Meisterstück gelingt, die komplette Diskografie interessant zu halten. Man lernt die Band hier mit einem Album kennen und arbeitet sich mit Begeisterung rückwärts durch die Alben, weil jedes etwas anders ist. Bei "Korea" gestaltet sich das etwas anders - wenn man "The Delirium Suite" gehört hat, braucht man "For The Present Purpose" eigentlich nicht mehr. Da kannst Du mir sagen, was Du willst - das hat auch mit fehlender Qualität zu tun, denn es ist durchaus eine Kunst, den eigenen Backkatalog vor Haltbarkeitsdaten zu bewahren.
Mein Name
gepostet am: 11.11.2010

Klar geht das! ;)

Mir ist im Endeffekt klar, was Du damit aussagen möchtest, aber die Handhabung in der Praxis kann ich mir nicht vorstellen.

Was sagst Du zB zu einer Band, die beim ersten Mal quasi daneben gehauen hat, aber beim zweiten Anlauf viel besser sein könnte? Ein gewisser Fortschritt ist gut, aber durch zuviel Fortschritt würdet Ihr Eure Diskographie hinsichtlich der Qualität zu großer Schwankungen aussetzen?

Anhand Deines Profils hier schätze ich Dredg oder Emil Bulls als gute Beispiele - haben sich diese für Dich betrachtet von den Anfängen emanzipiert oder ihre Vergangenheit in den Schatten gestellt und dadurch, streng gesehen, keine durchgehend gleich hochwertige Albensammlung?

Bei Dredg ist es doch so, dass "El Cielo" als DAS Meisterwerk gilt, mit dem alle anderen Veröffentlichungen einfach nicht mithalten können. Sticht nun "El Cielo" als Höhepunkt heraus oder zieht es die anderen Alben hinunter (weil zB zu rau am Anfang und zu glattgebügelt danach)?

Bei den Bulls gefallen mir persönlich die ersten beiden Alben nicht. Das allererste weder vom Stil noch von der Produktion, das zweite nicht aufgrund der Produktion. Streng genommen ersetzt gerade hier "Angel Delivery Service" den Zweitling, weil es quasi nur der Zweitling in einem schönen Gewand ist. Dafür haben sie mMn etwas geschafft, das nur wenigen gelingt: ihre komplette Diskographie (ab ADS) ist durchgehend auf demselben Niveau!

Was hättest Du nun den beiden nach ihren ersten Werken auf den Weg gegeben? :)
Sascha [Musikreviews.de]
gepostet am: 11.11.2010

Dredg sind eigentlich ein Beispiel, das ich anführen müsste - "El Cielo" stellt auch für mich das Ausnahmewerk von Dredg dar, aber definitiv lässt es Vorgängern und Nachfolgern mehr als genug Luft zum Atmen. Ich höre heute immer noch gerne "Leitmotif", ebenso bin ich dem poppigeren Sound seit "Catch Without Arms" zugetan.

Mit den Emil Bulls kenne ich mich nur am Rande aus. Das ist eine Band, der ich insgesamt durchaus Weiterentwicklung zusprechen würde. Nun kenne ich nicht das Debüt, aber tatsächlich sind "Monogamy" und "Angel Delivery Service" ein sehr ähnlicher Fall wie "For The Present Purpose" und "The Delirium Suite" - zumindest, wenn man sie als zwei unterschiedliche Alben betrachtet. De facto ist "Angel Delivery Service" aber "Monogamy" plus drei neue Songs und alles in verbesserter Produktion. Diesen Fall würde ich deswegen eher zB. mit der neuen Coma-CD "Excess" vergleichen, die ebenfalls alte Songs des Vorgängeralbums neu arrangiert hat. Sowas ist legitim, um neue Zielgruppen zu erreichen. Was Korea machen, ist ebenfalls legitim, gerade in der Anfangsphase, und eine spätere Weiterentwicklung stelle ich gar nicht in Abrede, aber momentan sehe ich keine Entwicklung und deswegen kann ich höchstens das verbesserte Handwerk herausheben, was ich ja auch getan habe.
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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