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Remember Twilight: Musik über Niedergang & Verderben (Review)

Artist:

Remember Twilight

Remember Twilight: Musik über Niedergang & Verderben
Album:

Musik über Niedergang & Verderben

Medium: CD
Stil:

Rock mit Streichinstrumenten

Label: Echozone / Intergroove
Spieldauer: 37:55
Erschienen: 28.05.2010
Website: [Link]

Was REMEMBER TWILIGHT als "Kammermusikcore" bezeichnen, ist eine erweiterte Form folkloristisch angehauchter Musik mit punkigen Wurzeln und im Vergleich dazu etwas ausgefeilterer Instrumentalarbeit - ganz zu schweigen natürlich von der größeren Besetzung und damit üppigeren Klangfülle … aber können die Musiker diese auch nutzen, oder blasen sie nur wenig Substanzielles zu vermeintlich tiefgründiger Kunst auf?

Liest man den prätentiösen Text des Openers "Künstler der Dekadenz" (am Ende der Scheibe wieder als unschöner Remix enthalten), neigt man zu einer solchen Einschätzung. Immer wieder lassen gewisse Zeilen die Gesichtszüge des Hörers entgleiten. Sinnsuche ("Ich suche Gott") in allen Ehren, aber an der Oberfläche des oftmals faden Streicher-Riffklampfen-Gebräus schwimmen intellektuelle Ergüsse dieser Couleur eher wie Fliegen in der Suppe. Die in der Versenkung verschwundenen APOKATASTASIA sind musikalisch mit REMEMBER TWILIGHT vergleichbar und geiler, da sie den Schnabel halten, wenn es eben angebracht ist.

Das nervige Pathos bricht sich auf diesem Album an dem wenig ausdruckslosen Brüllgesang, Doublebass-Muskelspielchen und zu gleichförmigen Arrangements - vor allem in der ersten Hälfte. Gerade mit einer solchen Besetzung wäre mehr möglich gewesen als das halbherzige Bekenntnis zur Dynamik in Form der Brecht/Weill-Aufbereitung "Mackie Messer". Wenn die Gruppe die folgenden Songs auch teilweise sachter angeht, versaut der Text das Hörerlebnis … "In the long run, we are all dead" - weiß jeder; muss man das also immer wieder herausbrüllen und somit am Aufbau von Spannung Sabotage betreiben? Gerade hier zieht auch das Argument nicht, dass deutsche Texte ungleich schwieriger ohne Peinlichkeit umsetzbar sind, denn die Phrase wird auch auf Englisch nicht besser.

Natürlich kann die Band immer noch die Ironiekeule auspacken und beteuern, man solle die Texte nicht überbewerten; dennoch stehen die Worte und ihr Vortrag zu stark im Vordergrund, als dass man es übergehen könnte. Im schlimmsten Fall klingen REMEMBER TWILIGHT nach Kneipenrock mit Fiedel, und das kann ihr Anspruch wahrlich nicht sein. Die textlichen Repetitionen sind wie erwähnt einfallslos und deuten darauf hin, dass man den eigenen Hörern wenig "Vernunft" und "Verstand" ("Am Strand - Spuren im Sand") zumisst. Was bleibt also ohne Lyrik? - ein wenig zwingender Mix aus harten Rhythmusgitarren und einigermaßen beflissenen Streicherarrangements. Das ist zu wenig, um nachhaltig zu fesseln, selbst wenn man den Gesang ausblendet und den angemessenen Sound zur Kenntnis nimmt. Markus Stock hat eine anständige Produktion gefahren, dem Songwriting der Gruppe aber nicht auf die Sprünge geholfen.

FAZIT: REMEMBER TWILIGHT schaffen selbst auf die kurze Distanz (die beiden vorletzten Tracks wurden bereits zuvor veröffentlicht) von "Musik über Niedergang & Verderben" hin keinen Zeitvertreib, noch unterfüttern sie ihre hochtrabenden Thesen musikalisch entsprechend ausdruckskräftig. Wem verhältnismäßig simpel gestrickte Musik zwischen Metalgitarren (nicht Metal) und akustischen Instrumenten (nicht Klassik) gefällt (Letzte Instanz lassen grüßen), kann sich vielleicht erwärmen. Den Rest lässt das Ensemble kalt.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 3135x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
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  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
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  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 5 von 15 Punkten [?]
5 Punkte
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Tracklist:
  • sINnTROstlos
  • Künstler der Dekadenz
  • Die Feder
  • Ich suche Gott
  • Zu real
  • Mackie Messer
  • In the long run - Am Ende
  • Am Strand - Spuren im Sand
  • Ein Rendezvous
  • K.O.
  • KdD (Remix von Metallspürhunde)

Besetzung:

  • Bass - Jörg
  • Gesang - Timo
  • Gitarre - Timo, Felix
  • Schlagzeug - Ole
  • Sonstige - Anna, Anne (violin), Florian (oboe), Chriz (cello)

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Deutsche Michel
gepostet am: 30.05.2010

Aua, da kennt einer das Zitat "In the long run, we are all dead" wohl nicht... Peinlich!
Andreas
gepostet am: 30.05.2010

Kennen und (im Kontext dieser Gruppe Gutheißen) sind zwei paar Schuhchen ...
Deutsche Michel
gepostet am: 30.05.2010

Kennen - das wage ich zu bezweifeln. Ansonsten hätte man wohl erkennen müssen, dass es das (auf Englisch geäußerte) Originalzitat ist.

"denn die Phrase wird auch auf Englisch nicht besser". Nichts für ungut......
Andreas
gepostet am: 30.05.2010

Hängst dem ollen Keynes an den Lippen oder was? Wenn du sonst nichts zu beanstanden weißt. Was willst du überhaupt?
Deutsche Michel
gepostet am: 30.05.2010

Schön, dass Du inzwischen nachgeschlagen hast, von wem das Zitat ist. Vielleicht solltest Du aber, wenn Du Texte kritisieren möchtest, dies zukünftig vor der Verfassung des Reviews tun.
Andreas
gepostet am: 30.05.2010

Wenn dir nicht gefällt, dass mir diese Band am Allerwertesten vorbeigeht, musst du das nicht über Umwege ausdrücken und dabei betonen, wie toll du in Sozialkunde aufgepasst hast. Ich hatte Leistungskurs und wusste sehr wohl und von Beginn an, von wem der Quark stammt.
Deutsche Michel
gepostet am: 30.05.2010

Es ist dein gutes Recht, es zu äußern, wenn Dir eine Band nicht gefällt und ob dir die Band gefällt oder nicht, ist mir recht gleichgültig. Ich möchte einzig darauf hinweisen, dass man vielleicht etwas gründlicher recherchieren sollte, dies insbesondere dann, wenn man etwas zerpflücken möchte, da man sonst in Gefahr läuft, sich lächerlich zu machen. Wir müssen, denke ich jedenfalls, nicht weiter darüber herumdiskutieren, dass Du beim Verfassen des Reviews jedenfalls nicht in der Lage warst, die Verknüpfung zu Keynes herzustellen, mag es Dir auch später, nach meinem Hinweis, wieder eingefallen sein. Dies zeigt sich schon daran, dass Du mit Fremdwörtern (nicht immer ganz passend) um dich wirfst, wo es nur geht. Hättest Du die Zuordnung getroffen, dann hättest Du dir es mit Sicherheit nicht nehmen lassen, dein Wissen bereits im Review unter Beweis zu stellen. Mut wäre gewesen, einfach dazu zu stehen und zu sagen "hups, da war ich wohl ein wenig vorschnell". Den hast Du leider nicht. Vielleicht aber beim nächsten Mal.
Andreas
gepostet am: 30.05.2010

Hahaha! Ich nehme an, dass du zum Kreis der Band gehörst. Falls du sogar einer der Musiker bist, hättest du mal besser gelernt, gute Musik zu spielen. Im Klugscheißen hast du ganz vorne in der ersten Bank gesessen, was? Kränkt dich die Kritik wirklich so sehr? :-)
Deutsche Michel
gepostet am: 31.05.2010

Interessante These, dass jeder, der Kritik an deiner Kritik äußert, zum Kreise der kritisierten Band gehören muss. Hast Du auch ein Review über Rammstein geschrieben? Da würde ich dann auch gerne mal ne Runde Kritik äußern um flugs dort Bandmitglied zu werden. Hach, wenn das Leben doch so einfach und die Realität so leicht zu beeinflussen wäre...
Andreas
gepostet am: 31.05.2010

Also: deine Haltung zu Remember Twilight ist angeblich neutral, und du bist nur jemand, der das Netz nach Menschen durchkämmt, die den Keynsianismus nicht ausreichend würdigen. Komm zur Sache oder gebrauche deine Zeit sinnvoller ...
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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