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The Mercury Tree: Countenance (Review)

Artist:

The Mercury Tree

The Mercury Tree: Countenance
Album:

Countenance

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock / Art Rock / Jazz / Psychedelic

Label: Eigenpressung / Just For Kicks
Spieldauer: 57:26
Erschienen: 03.09.2014
Website: [Link]

So galt es also die Fassung zu wahren, bis dem Jahr 2014 sozusagen posthum doch noch ein versöhnlicher Abschluss vergönnt war…

Und es rettet einmal mehr – der Baum. Seit THE MERCURY TREE ihr Debüt „Pterodactyls“ veröffentlicht und damit nichts Geringeres als die Jura- bis Kreidezeit besungen hatten, stehen sie in Tradition des Symbols musikalischer Fruchtbarkeit, Verzweigung und Fortentwicklung. Vergangene Veröffentlichungen lagen noch in einer transparenten Hülse alternativ angehauchten Rocks, bargen aber schon all die schillernden Samenkörner, die spätestens jetzt ausschlagen: „Countenance“ ist stilistisch völlig unberechenbar, unsortiert und verschroben, vermengt Funny-Smell-Jazz mit rhythmisch sich wiederholenden Rock-Riffs, die geradeheraus in den Raum geworfen werden, Harmonien mit Disharmonien, Hartes mit Weichem, Verspieltes mit Bedeutsamem.

Das Riff hat das Eröffnungswort, und wieder lässt sich eine ganze Ästhetik auf PORCUPINE TREEs „In Absentia“ zurückführen, indes Ben Spees auf „Pitchless Tone“ in hellen Lettern die Suche nach dem Undefinierbaren besingt und die bratzende Gitarre jeden Satz mit einem Ausrufezeichen versieht. Die Pace wird schon jetzt so hoch gehalten, dass sie das Versprechen Unmengen weiterer Ideen aussendet.

Und wahrlich, die werden zunächst mal geliefert. Dass „Vestigial“ etwa mit dem Mund geflötete Parts beinhaltet, während sich der Song tonal in bester Psychedelic-Manier fließend nach unten skaliert, wer hätte das ahnen können? Oder das „Otoliths“, vielleicht das Highlight der Platte, kurz darauf mit NORTH ATLANTIC OSCILLATION-Harmonien und Glockenspiel als Luftbild um die Ecke kommt und sich doch noch in eine Metaljazzkapade verwandelt, die schließlich in weiche Xylophon-Luftkissen fällt? Woraufhin „Mazz Jathy“ ein architektonisches Instrumental im besten Sinne von SCALE THE SUMMIT aus der Luft greift. Und dann schnappt sich „To Serve Man“ jene Nische zwischen Indie Rock und FALL OF TROY- oder PROTEST THE HERO-Progcore, damit Ben Spees seinem Nachnamen alle Ehre machen kann und seine Silben einfach mal ee-eee-eee-eeet.

Das letzte Drittel reicht dann nicht mehr ganz an den hochklassigen Hauptblock heran und sorgt für einen kleinen Hänger zum Ausklang, bleibt aber auch nicht ohne Reiz. „The Ellsberg Cycle“ beginnt wie eine Grunge-Ballade, die sich später in völlig verstimmten Instrumenten auflöst, und ist damit stilistisch ähnlich abseitig wie der Rest, wirkt aber gerade in Sachen Tempo komplett aus dem Kontext gerissen. „False Meaning“ greift Elemente von „Otoliths“ wieder auf und vermag eine epochale Stimmung zu erzeugen, erreicht aber nicht ganz die Signifikanz des vorhergehenden Titels. „Artifracture“ immerhin ist wieder schön schräg und dabei bizarr-fröhlich, „Jazz Hands Of Doom“ hingegen dudelt sehr dekorativ vor sich hin, ist als „Elevator Music“ aber auch wiederum Statement. Und „Rappel“ gewinnt im kleinen Rahmen schließlich den Fokus wieder zurück, der zwischenzeitlich auf dem Spiel stand.

FAZIT: Dass „Countenance“ zu den besten Prog-Alben 2014 gehört, mag derzeit nicht so viel bedeuten, es ist deswegen aber nicht weniger wahr. Trotz der Schwachstellen im Finalblock: Ihr eigenes Schaffen haben THE MERCURY TREE in jedem Fall gekrönt und rückblickend sind im vergangenen Jahr nur wenige Veröffentlichungen erschienen, die einen größeren Eindruck hinterlassen haben.
(11.5/15)

Sascha Ganser (Info) (Review 2042x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Pitchless Tone
  • Vestigial
  • Otoliths
  • Mazz Jathy
  • To Serve Man
  • The Ellsberg Cycle
  • False Meaning
  • Artifracture
  • Jazz Hands Of Doom
  • Rappel

Besetzung:

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