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Louisa Lyne & Di Yiddishe Kapelye: A Farblondzhete Blondinke (Review)

Artist:

Louisa Lyne & Di Yiddishe Kapelye

Louisa Lyne & Di Yiddishe Kapelye: A Farblondzhete Blondinke
Album:

A Farblondzhete Blondinke

Medium: CD
Stil:

Jiddische Musik zwischen Traditional und Pop

Label: Nordic Notes
Spieldauer: 41:59
Erschienen: 07.10.2016
Website: [Link]

Sicher werden viele, die typisch jüdische Musik – also in erster Linie Klezmerklänge vernehmen – diese Musik auch von Musikern erwarten, welche dem jüdischen Glauben und dessen Tradition anhängen. LOUISA LYNE ist dagegen eine Ausnahme. Die Musikerin aus Schweden hat keinerlei jüdische Wurzeln, begann aber im Rahmen ihres Musikstudiums in Göteborg, sich intensiv mit der jiddischen Sprache und Musiktradition zu beschäftigen. Daraus erwuchs eine echte Leidenschaft, sodass sie ihr Jiddisch-Studium dann in Großbritannien fortsetzte und daraufhin ganz Europa bereiste, um jiddische Lieder zu sammeln. Auf der Suche nach diesen Liedern traf sie auch auf die Yiddishe Kapelye mit der sie gemeinsam nach und nach bei Touren durch Europa und Südamerika immer mehr internationale Anerkennung erlangte. 2012 erschien das erste Album „Debyut“, dem nun „A Farblondzhete Blondinke“ (Eine Blondine auf Abwegen) folgt.

Es ist schon ungewöhnlich, wenn plötzlich mitten aus dem hohen Norden Klezmermusik erklingt. Allerdings wissen nur wenige, dass Jiddisch zu einer der sechs Minderheitssprachen Schwedens gehört, also dort gar nicht so ungewöhnlich ist. Und für deren weitere Verbreitung sorgt nun natürlich LOUISA LYNE, die nach dem melancholischen Instrumental „In dem Tsofn“ (Im Norden) gleich mit „Zol mir antshuldikn Got“ Gott in Form eines Walzers um Vergebung bittet. Das braucht sie nicht, denn ihre Musik ist von einer Qualität und Authentizität, dass sie keine Bitte um Vergebung nötig hat. Da sollte eher ein gewisser D.B. drum bitten, der in Deutschland Superstars sucht, die am Ende nur einjährige gehypte Sternschnuppen sind.

Wer nun denkt, die 42 jiddischen Musikminuten wären eine eintönige Angelegenheit, der irrt sich gehörig. Zwar überwiegt auf dem Album die Melancholie, aber es gibt auch regelrecht lustige Momente, wenn beispielsweise auf dem Instrumental „Svedanka“ feurige Balkanmusik mit Trompeten eine CALEXICO-Atmosphäre verbreiten. Auch wenn hier nicht besagte Vergleichs-Band, sondern die Gothenborg Gadjos zum Gebläse greifen.

Der schönste Song des Albums ist dann ein Walzer und trägt den Titel „Mir lebn eybik“ (Wir leben ewig), in dem der „jüdische Gnatz“ durchklingt, dass selbst wenn sich die ganze Welt gegen sie verschworen hat, sie eben doch nie unterzukriegen sind. Und schon seit Luther bis hin zu Hitler mussten wir ja gerade in Deutschland schmerzvoll erfahren, wie weit Menschen gehen können, um die gläubigen Juden zu vernichten. Auch ihre Musik und Kultur wäre damit vernichtet. Seien wir froh und glücklich, dass es am Ende nie dazu kam und wir solche Alben wie dieses unbeschwert (aber trotzdem noch mit einem klein bisschen schlechten Gewissen) hören können.

LOUISA LYNE klammert sich bei ihrer Musik nicht an den Traditionen fest, sondern interpretiert die von ihr entdeckten Lieder sehr modern, aber trotzdem unverkennbar jüdisch.

Sehr aufschlussreich ist auch das 16seitige Booklet, in dem alle Texte in original jiddischer Sprache und ihrer englischen Übersetzung zu finden sind.

Hoffen wir, dass auch bei uns solche Musik wie auf „A Farblondzhete Blondinke“ „Di Tsukunft“ hat, welche auf dem gleichnamigen Song besungen wird. „Oh, die Welt wird etwas schöner werden“, heißt es darin. Genauso ist es!

FAZIT: Wenn die Yiddishe Kapelye ihre Instrumente (Akkordeon, Violine, Doppelbass, Gitarre und Klavier) anstimmt und LOUISA LYNE ihre Stimme erhebt, dann dürfen wir vom ersten Ton dieses Albums an erleben, wie vielfältig und schön jüdische Musik aus Schweden klingt: leidenschaftlich und melancholisch, feurig und bedrückend, lustvoll und rhythmisch und sogar tanzbar, weil Tango, Walzer und Balkan-Rhythmen darin auftauchen.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1827x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • In dem Tsofn
  • Zol mir antshuldikn Got
  • Fort mayn Shif
  • Ikh un di Velt
  • Martin‘s Doina
  • A heymisher Bulgar
  • Svedanka (feat. Gothenburg Gadjos)
  • Goldene Likhtlekh
  • Irina‘s Doina
  • Mir lebn eybik
  • Di Tsukunft
  • In dem Tsofn
  • Kohlem Tsayt

Besetzung:

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