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VOLA: Inmazes (Review)

Artist:

VOLA

VOLA: Inmazes
Album:

Inmazes

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Math Metal / Art Rock

Label: Mascot Records
Spieldauer: 51:44
Erschienen: 16.09.2016
Website: [Link]

Man muss dem Mascot-Label sowohl danken als auch gratulieren dafür, dass es das vor einem Jahr in Eigenregie veröffentlichte Langspieldebüt von VOLA neu auflegt und somit einem breiteren Publikum zugänglich macht. Denn es wäre schlichtweg zu schade gewesen, eine der wenigen echten Weiterentwicklungen in der umtriebigen Djent-Schmiede einfach unter den Tisch fallen zu lassen.

Um zu begreifen, was so besonders an „Inmazes“ ist, muss man vielleicht den Blick darauf richten, was im Djent nicht mehr allzu besonders ist. Bands dieses Stils, und seien sie noch so gut, lassen sich meist bequem einer Schublade zuordnen: Da gibt es beispielsweise die Ambience-Beschwörer (TESSERACT, VIDHJARTA, SKYHARBOR), die Virtuosen und Solisten (ANIMALS AS LEADERS, CHIMP SPANNER, THE ALGORITHM), die Durchgeknallten (PERIPHERY, SIKTH, EVER FORTHRIGHT) und die Groover (MESHUGGAH, TEXTURES, MONUMENTS). In jeder Kategorie geht es auf die eine oder andere Weise darum, die Taktverschiebungen und -Krummheiten auf besondere Weise in Szene zu setzen.

VOLA lassen sich am ehesten zu den Groovern zählen, da sie gerne 4/4-Takte verwenden und ihre polymetrischen Muster darauf anwenden. Auch eine Verwandtschaft zu den ambientlastigen Vertretern ist zu spüren, da sämtliche Songs mit hallender Atmosphäre aufgeladen sind. Doch fungieren die durchgängig verwendeten Djent-Anleihen anders als bei allen genannten Gruppen nicht als Dreh- und Angelpunkt. Tiefer verwurzelt ist die Suche nach den großen Seufzern. Jeder Song strebt danach, ein ganz besonderes Gefühl auszulösen, das am Ende nur dieser eine Song auszulösen vermag. „Inmazes“ ist letztlich der Versuch, etwas Unentbehrliches zu bieten. Möchte man das spezielle Gefühl wiedergewinnen, reicht es nicht, nach ähnlicher Musik zu suchen; man muss genau dieses Album erneut auflegen. Nur einmal in den schmelzend schönen Refrain von „Stray The Skies“ gehört, und der Plan geht schon auf.

Folgerichtig weisen die Dänen in Interviews eher Künstler wie PORCUPINE TREE, OPETH oder DEVIN TOWNSEND als Haupteinflüsse auf, weniger solche, die moderne Math-Metal-Spielarten vorangetrieben haben. Folgt man der Entwicklung von EP 1 („Homesick Machinery“, 2008) über EP 2 („Monsters“, 2011) bis zum heutigen Stand, so haben sich die rhythmisch komplexen Riffs erst mit der Zeit ergeben, wenngleich schon immer ein progressiver Geist zu spüren war.

Was das Quartett nun jedoch auf „Inmazes“ bietet, ist eine dieser Erfahrungen, an denen man selbst gar nicht mehr viel herumdoktern möchte. Das Hörerlebnis ist so rund, dass man kaum ein Verlangen spürt, einen Song aus dem Kontext zu reißen. Asger Myginds tiefe Stimme rinnt wonnig warm das Rückgrat hinab und endet vibrierend in der Magengegend, wo Keyboarder Martin Werner längst ein feucht blubberndes Gelbett ausgebreitet hat. Postmoderne Spielereien der Schule von HAKEN, DREAM THEATER oder BETWEEN THE BURIED AND ME hat Werner nicht im Sinn, allenfalls auf „A Stare Without Eyes“ deutet sich einmal kurz eine HAKEN-Spielerei an; sonst sind seine Soundscapes exklusiv der leicht futuristischen Atmosphäre dienlich. JOLLY und GODSTICKS könnte man vielleicht noch erwähnen, um dem Destillat aus angenehmer Stimmbegleitung bei leuchtender Atmosphäre einen Namen zu geben.

Die Gitarrenriffs schneiden hart durch diese goldene Butter, ohne dabei jemals den Aufbau des Liedguts zu zerstören; im Gegenteil, sie lassen es erst recht knackig erscheinen und deuten an, dass Mathematik im Metal kein strukturalistischer Selbstzweck sein muss.

Die Stimmung reicht dabei von melancholisch-depressiv bis positiv-optimistisch; auch hier lassen sich VOLA die volle Bandbreite des menschlichen Gefühlsspektrums nicht auf eine einzelne Facette zurechtstutzen. Dabei folgt immer das eine logisch aus dem anderen, was dem Album selbst auf dieser Ebene eine ganz besondere Kohärenz verleiht.

FAZIT: „Inmazes“ sendet neue Impulse für ein sich selbst verschlingendes Genre und entblößt keinerlei Ausfälle. Eine der größten Entdeckungen des Jahres wartet jetzt nur noch darauf, geborgen zu werden.

Sascha Ganser (Info) (Review 2397x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • The Same War
  • Stray The Skies
  • Starburn
  • Owls
  • Your Mind Is A Helpless Dreamer
  • Emily
  • Gutter Moon
  • A Stare Without Eyes
  • Feed The Creatures
  • Inmazes

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
hendrik
gepostet am: 09.09.2016

Das gelegentliche Auftauchen von Bands wie dieser versöhnen mich mit der Redundanz, Selbstreferenz und verstockten Nonstalgie der heutigen Szene, in der fast niemandem was besseres einzufallen scheint, als immer dieselbe Handvoll Truppen zu kopieren.

Das hier ist endlich mal wieder großartig!
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