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Shelby Lynne & Allison Moorer: Not Dark Yet (Review)

Artist:

Shelby Lynne & Allison Moorer

Shelby Lynne & Allison Moorer: Not Dark Yet
Album:

Not Dark Yet

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Folk, Country

Label: Silver Cross Records
Spieldauer: 37:18
Erschienen: 18.08.2017
Website: [Link]

Dass Geschwister (oft) eine sehr besondere Verbindung untereinander, ein gesteigertes gegenseitiges Verständnis haben, heißt es im Allgemeinen. Dass ein derart symbiotisches Verhältnis zwischen zwei Musikerinnen unter gegebenen Umständen zu höchst denkwürdigen Ergebnissen führen kann, ist ebenso klar, wie, dass Shelby Lynne und Allison Moorer mit ihren jeweiligen, verschlungenen Biographien, die nicht nur durch die gemeinsamen Eltern, sondern auch durch den Tod derselben aneinander gebunden sind - der Vater erschoss die Mutter und sich selbst vor den Augen der Schwestern – einiges zu erzählen haben.

Eigenes zu erzählen haben die beiden aber anscheinend wenig – bei dieser, ihrer ersten, auf Tonträger gebannten Kollaboration handelt es sich – mit einer Ausnahme – um ein reines Cover-Album. Schade, nicht nur in Anbetracht der Tatsache, dass diese eine Ausnahme, das abschließende „Is It Too Much“ die denkwürdigsten Minuten der gesamten Scheibe bereithält: Ein trauriges, aus jeder Zeit gefallenes Lied, das die beiden Frauen ohne Mühe, aber emotional mit ihren Stimmen dominieren, während sich die routinierte Instrumentalfraktion im Hintergrund hält.
Das Titelstück, dem großartigen Dylan-Album „Time Out Of Mind“ entnommen, führt, zusammen mit der Interpretation von Townes Van Zandts düster-kraftvollem „Lungs“ das Ranking der Cover-Songs an – vielleicht, weil diesen Melodien auch die zwar seelenvollen, doch etwas altbackenen, keyboardlastigen Arrangements nichts anhaben können.
Diese sind letztlich auch der größte Wermutstropfen in dieser Angelegenheit: Dass die Killers mit den Louvin Brothers klanglich Hand in Hand gehen können, mag auf dem Papier recht interessant aussehen, allzu schnell gerät dieses Angleichen jedoch an seine Grenzen, was sich besonders an den Stellen in der Tracklist äußert, wo man sich bei Acts bedient, die dem traditionellen amerikanischen Folk und Country, der hier ausgerollt wird, weniger nahe stehen: Das sind die erwähnten Killers, deren „My List“ man größtenteils seiner Explosivität und Strahlkraft beraubt, fürderhin Nick Cave, dessen vielfältige (auch humorige) Unterströmungen im „Into my Arms“-Cover nicht mehr wirklich hörbar sind, und ganz besonders Nirvana: Der Versuch der Schwestern, das eigenwillige Organ von Kurt Cobain durch betont dissonanten, zweistimmigen Gesang abzubilden, klingt, zusammen mit der unbeholfenen musikalischen Umsetzung, dermaßen nach Musikschule, dass man als Nächstes fast mit einem Kinderchor rechnet, der begeistert und schräg „We are the world“ anstimmt – und dass das Projekt „Nirvana goes acoustic“ sehr wohl funktioniert, hat, neben der Band selbst, Patti Smith mit ihrem Cover von „Smells Like Teen Spirit“ eindrucksvoll bewiesen.

FAZIT: Etliche gelungene, ein paar semi-schreckliche und zumeist nette, aber doch recht egale Cover-Versionen haben die Schwestern Shelby Lynne und Allison Moorer hier fabriziert.
Dies sei eben kein Duett-Album, keine normale Kollaboration, betont der Promotext. Vielmehr eine Huldigung von „two voices becoming one and finding home within each other“. Schön und gut, der einzige originäre und sehr gelungene Song auf „Not Dark Yet“ lässt dennoch hoffen, dass eine solche „normale Zusammenarbeit“ beizeiten stattfinden wird.
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Tobias Jehle (Info) (Review 256x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 9 von 15 Punkten [?]
9 Punkte
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Tracklist:
  • My List - The Killers
  • Every Time You Leave - The Louvin Brothers
  • Not Dark Yet - Bob Dylan
  • I'm Looking For Blue Eyes - Jessi Colter
  • Lungs - Townes Van Zandt
  • The Color of a Cloudy Day - Jason Isbell & Amanda Shires
  • Silver Wings - Merle Haggard
  • Into my Arms - Nick Cave
  • Lithium - Kurt Cobain
  • Is It Too Much - Shelby Lynne & Allison Moorer

Besetzung:

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