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Dorian Sorriaux: Hungry Ghost (Review)

Artist:

Dorian Sorriaux

Dorian Sorriaux: Hungry Ghost
Album:

Hungry Ghost

Medium: CD/Download
Stil:

Singer-Songwriter

Label: Soulseller / Soulfood
Spieldauer: 14:04
Erschienen: 29.06.2018
Website: [Link]

Chartstürmer DORIAN SORRIAUX gönnt sich eine Auszeit von Blues Pills und stellt mit seiner ersten Solo-EP „Hungry Heart“ in Aussicht, wie ein Leben nach der Band klingen könnte, die auf ihrem Höhenflug im weiterhin jungen Alter Gefahr läuft, früher als gedacht auszubrennen, falls sie nicht auf sich selbst achtgibt. Der Gitarrist bleibt bei seinem Alleingang andererseits sozusagen in der Familie, weil er die vier enthaltenen Songs von Zach Anderson, dem Bassisten der Gruppe, produzieren ließ. Herausgekommen ist aber nicht ansatzweise das, was man eigentlich erwarten durfte – kein Classic Rock mit starker Blues Erdung, sondern ebenso klassischer Singer-Songwriter-Stoff.

Für "Hungry Ghost" hat der Sechssaiter und hier auch Sänger keinerlei Impulse von Elin Larsson oder anderen Personen aus seinem kreativen Milieu akzeptiert; das Material zeigt gänzlich andere Einflüsse, die sich vermutlich schlecht in den souligen Post-Joplin-Sound seines Stammquartetts einbinden lassen. Das trockene 'Need To Love' gemahnt beinahe an die Protestsänger der 1960er nach Bob Dylan, doch Dorian singt schon jetzt besser als der Nobelpreisträger jemals. Auch spätere Pink-Floyd-Balladen sind als Vorlagen denkbar, doch wie man es dreht und wendet, ist eigentlich unerheblich, denn alle vier Tracks sind anrührende Volltreffer ins Herz, oft feinfühlig mit Keyboardflächen unterlegt und dennoch angenehm reduziert, wodurch sie auch an die ruhigeren Offerten von Witchcraft-Frontmann Magnus Pelander erinnern.

Inhaltlich beschäftigen sich die Kompositionen mit der Gegenwartskultur der Selbstoptimierung und -verneinung im Sinne permanenter Unzufriedenheit mit dem Ich, sowohl in materieller als auch spiritueller Hinsicht. Insofern sagt der Titel eine Menge über Sorriaux' Selbstverständnis aus, beruht er doch auf dem 2008 erschienenen Buch "In the Realm of Hungry Ghosts: Close Encounters with Addiction" des ungarisch-stämmigen Kanadiers und Doktors der Medizin Gabor Maté, der sich auf die Behandlung von Drogenabhängigkeit und ADHS spezialisiert hat.

Der eigenen Hyperaktivität mag man auch mit dieser Musik beikommen, die ungleich leichtfüßiger als das Textgut daherkommt. So wundert man sich nicht darüber, dass der Schöpfer soziale Missstände durch die rosarote Brille naiver Blumenkinder betrachtet ('Need To Love') und mit 'Huitoto' - einem hinsichtlich seiner Bedeutung nicht ganz klaren Verweis auf die gleichnamigen Ureinwohner von Teilen Perus und Kolumbiens - wenn nicht Trauer, so doch etwas Bittersüßes ausstrahlt.

Dorians glockige Stimme erklingt häufig mit Hall unterlegt und besticht in gleicher Weise durch ihren glaubwürdigen Ausdruck, wie die Lieder in ihrer Schlichtheit sofort zünden, aber eben auch langfristig reiz-, weil unaffektiert gefühlvoll bleiben. Den einen Anspieltipp gibt es eigentlich nicht, aber zur Angabe gezwungen nennt man das Gänsehaut erregende Titelstück.

FAZIT: Scheinbar schwerelose Akustikmusik, reduziert und dennoch gravitätisch - DORIAN SORRIAUX überrascht auf Solopfaden mit vier intensiven, gleichermaßen spontanen und ausgeklügelten Liedermacher-Nummern, die geradezu nach einem ganzen Album in diesem Stil lechzen lassen. Obwohl der gebürtige Franzose nur wenige stilistische Facetten bemüht, wird man sich an "Hungry Ghost" - der Titel mag es indirekt andeuten - so schnell nicht satthören.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 630x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Huitoto
  • Hungry Ghost
  • Need To Love
  • Hello My Friend

Besetzung:

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