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Møster!: State Of Minds (Review)

Artist:

Møster!

Møster!: State Of Minds
Album:

State Of Minds

Medium: CD/Download
Stil:

Jazz / Progressive / Kraut / Psychedelic Rock

Label: Hubro / Broken Silence
Spieldauer: 84:56
Erschienen: 26.10.2018
Website: [Link]

Das vierte Album dieser skandinavische Allstars - Saxofonist und Klarinettist Kjetil Traavik Møster, ein Enfant Terrible des Jazz, Grenzgänger am Rande des harten Rock und Sideman bekannter Acts wie Röyksopp, Motorpsycho-Schlagzeuger Kenneth Kapstad sowie Bassist Nikolai Huengsle von u.a. Elephant9 und Neddlepoint - spiegelt vor allem die Vorzüge konstant bleibender Voraussetzungen fürs Musikmachen wider. Das Quartett profitiert von einer soweit festen Besetzung, hat wieder in Møsters Heimatstadt aufgenommen (der Musikhochburg Bergen), und Jorgen Træen, der wie üblich für Keyboards und Lapsteel-Gitarre verantwortlich zeichnet, zum Studio-Aufseher gemacht. Zum bereits zweiten Mal überblickte er die Aufnahmen, wobei Material für gleich zwei Platten gesammelt wurde.

Unter anderen Umständen wäre MØSTER! vermutlich kein Doppeldecker gelungen, zumindest kein so stimmiger und - jawohl - kurzweiliger. "State Of Minds" mutet nämlich trotz seiner überbordenden Detailfülle nicht unbedingt schwerverdaulich an, so man an jazzigen Progressive Rock gewöhnt ist, und man kann nur darüber staunen, dass die Qualität der Kompositionen der Norweger ungeachtet ihres beachtlichen Ausstoßes (ihr Debüt „Edvard Lygre Møster“ erschien erst vor fünf Jahren) nicht abgenommen hat, eher umgekehrt.

Ausgehend von je einem Longtrack pro Albumhälfte umreißt die Gruppe eine oder vielleicht auch zwei musikalische Narrative, die wie gewohnt ohne Gesang "sprechen". Alles beginnt mit elektronischem Noise und Ambient-Rauschen, bevor sich 'Brainwave Entrainment' im beschwingten Stolper-Rhythmus zu den melodisch abstrakten Gipfeln der frühen Weather Report aufschwingt. Dann blubbert es wieder improvisatorisch ohne feste Form und endet in irgendwie doch harmonischem Lärm.

Das zehnminütige 'Unhorsed by Chivalry' changiert daraufhin zwischen bedrohlichem Sax-Dröhnen und funky Grooves, wird zwischendurch verwegen heavy und markiert einen Sturm vor der Ruhe, die über 'Plate Size Eyes' das nur knapp eine Minute dauert, und die geringfügig längere Gitarrenimpression 'Mystère' hinweg währt. Die sechs Saiten stehen auch beim die erste Hälfte abschließenden Psychedelic-Rock-Freakout 'Bow Shock' im Zentrum, und welche Tiefe MØSTER! ohne festen Bassisten erzeugen, macht schlichtweg staunen.

Die "Geschichte" bzw. den Abschnitt derselben, die/den der Vierer nach der Halbzeit erzählt, klingt weniger stilistisch als atmosphärisch anders. das 23-minütige 'Life Wobble' enthält einige der seltenen Momente, in denen das Saxofon nicht nur als solches zu erkennen, sondern auch das Hauptinstrument ist, was durch seine vorübergehende Dopplung gegen Ende unterstrichen wird. Zudem steht dieses strukturell ebenfalls weitgehend freie Stück beispielhaft für die fiebrig Urwald-Stimmung inklusive Quasi-Stammesgetrommel, die dem Hörer hier zum vorletzten Mal Schweißausbrüche beschert.

Das kontrastiv zurückgelehnte 'Phantom Bandotron' entführt ihn in die nächstbeste Lounge, wohingegen das wiederum geräuschhafte 'Sounds like a Planet' in die Doom-Jazz-Wüste 'Mon Plaisir' entführt. Hier mag sich die Combo von den Amerikanern Earth inspirieren lassen, ehe 'What a flop waking up' noch einmal in den Dschungel entführt - atonal, nervös, etwas anstrengend und gerade deshalb unbedingt hörenswert.

FAZIT: Eine basische Rock-Besetzung inklusive analoger Synthesizer-Module, zahlreichen Effektgeräten sowie Blasinstrumenten erzielt hier das wohl maximal Mögliche an Ausdruck, ohne plakativ zu überwältigen. MØSTER! scheinen auf "State Of Minds" eben nicht Zustände eines Geistes zu beschreiben, sondern das geistige Befinden mehrerer … ihrer selbst? In jedem Fall ergibt sich daraus ein einheitliches Bild trotz epischer Anlage. Als abendfüllender Kopffilm ist das Album zweifelsohne rast- aber nicht ziellos, und bestätigt den Ruf seiner Schöpfer, auf unvergleichliche Weise mit Klängen zu zaubern. Dass die Arrangements dabei zuweilen ausfransen, liegt in der Natur der Sache, strengt aber wie gesagt überhaupt nicht an - einfach weil's so spannend ist.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 335x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Brainwave Entrainment
  • Unhorsed by Chivalry
  • Plate Sized Eyes
  • Mystère
  • Bow Shock
  • Life Wobble
  • Phantom Bandotron
  • Sounds like a Planet
  • Mon Plaisir
  • What a flop waking up

Besetzung:

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