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Boltzmann Brain: Spacequid Brain (Review)

Artist:

Boltzmann Brain

Boltzmann Brain: Spacequid Brain
Album:

Spacequid Brain

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Psychedelic-, Progressive-, Jazz- und Noise-Rock

Label: Eigenvertrieb
Spieldauer: 37:25
Erschienen: 10.05.2019
Website: [Link]

Willkommen in einer psychedelischen Galaxie, in der Tintenfische auf dem Platten-Cover ein riesiges Hirn haben, selbst das marmorierte Vinyl die Tintenfischfarbe des auf den ersten Blick expressionistisch erscheinenden Covers (gestaltet von Anja Henze) annimmt und die Musik dahinter eine nach herrlichen Kräuterchen duftende und krautrockig klingende, experimentelle Mischung aus Psychedelic, Rock, Jazz und Noise ist.
Diese Galaxie besitzt die unendliche Weite der 60er/70er-Jahre, die noch in der Gegenwart nachwirken und auf wortwörtlich hypnotisierende Weise von BOLTZMANN BRAIN als Musik-Psychologen über die Ohren in unsere Hirne gepflanzt wird. Ja, wer BOLTZMANN BRAIN hört, muss mehr als den akustischen Alltagsmüll in seinem Hirn tragen, damit auch eine große Synapse für „Spacequid Brain“ darin übrig ist. Doch egal, wie sehr unser Hirn auch schon von der alltäglichen Radio- und Fahrstuhl-Musik Schaden genommen hat, wenn man noch immer eine kleine Nische darin für psychedelische Klangwelten eingerichtet hat, dann wird Spacequid Brain einen ehrenvollen Platz darin einnehmen – und bestimmt nicht wieder daraus verschwinden. Ganz ähnlich wie auch das Debüt-Album „Sind die echt“ von BOLTZMANN BRAIN einen Platz darin verdient hat.

Natürlich drängt sich der Verdacht auf, dass bei solch einem Bandnamen mindestens ein Physiker und vielleicht auch noch ein Philosoph in der jungen Band aus dem Thüringer Ilmenau vertreten ist. Denn wer benennt sich sonst nach dem Hirn des philosophischen Physikers aus Österreich, Ludwig Boltzmann (1844 - 1906), dessen epochale Leistung darin bestand, dass er den Zusammenhang zwischen Thermodynamik und Mechanik aufklärte und einer der größten Naturforscher aller Zeiten war?
Vielleicht leiten BOLTZMANN BRAIN daher auch ihren Leitspruch: „We live inside a dream“ (Wir leben innerhalb eines Traums!), ab und gehen bei der Beschreibung ihrer musikalischen Intention sogar noch etwas wissenschaftlich-natürlich verschwurbelt weiter: „Seit drei Jahren erforschen wir gemeinsam die unendlichen Weiten des Klanguniversums und haben vor wenigen Monaten einen Zwischenstopp auf Mutter Erde eingelegt, um unsere Eindrücke zu vertonen. Das Ergebnis ist unser zweites Album ‚Spacequid Brain‘, inspiriert vom ewigen Wechselspiel der galaktischen Lebensformen.“

Inspirieren ließ sich das Ilmenauer Quartett dabei auch gleich zu Beginn ihres Albums, das insgesamt vier instrumentale Longtracks enthält, von KING CRIMSON, selbst wenn sie es aus experimenteller Sicht noch mehr auf die Spitze treiben. Ein Album, das halbwegs Experimental-Prog-erprobte Ohren erfordert, die auch gerne jede Menge zusätzlich krachige Geräusche, eigenartig Sprach-Samples (Auf der LP-A-Seite, die zugleich nach „Infinity“ mit einer Endlos-Rille endet, die wie Gitarren-Sirenengeheul klingt.) und improvisierte Jazz-Strukturen mögen.
Das musikalische Ergebnis dieser vier Klangforscher kann sich jedenfalls hören (und bei dem Cover auch sehen) lassen. Außerdem gibt‘s bei der farbvinyligen Ausgabe gleich noch zwei Aufkleber und eine CD-R in Vinyl-Optik im Pappschuber mit dazu.

Nimmt man sich noch etwas Zeit dafür, das Cover genauer zu betrachten, denn fällt einem an dem überdimensionalen Hirn der Weltraumkrake nicht nur die expressionistische Farbgebung auf, sondern dass das Bild aus der Entfernung betrachtet wie eine gehäutete Leiche (Man denke in diesem Sinne nur an die Gedichte eines Gottfried Benn!) und die Saugnäpfe der Tentakel wie der schreiende Mund aus Edvard Munchs „Der Schrei“ erscheinen. Die ideale Musik-Begleitung zu den beiden expressionistischen, einerseits literarischen und andererseits malerischen Kunstwerken steuern BOLTZMANN BRAIN mit dieser expressionistischen Musik auf „Spacequid Brain“ bei!

FAZIT: Progressive, psychedelische, jazz-rockende Klangeruptionen, die nicht etwa zu einem „Hirnfick“, sondern zu einem „Spacequid Brain“ (Weltraumtintenfisch-Gehirn) werden, das sich, auch ohne wissenschaftliche Fundierung, mit BOLTZMANN BRAIN als ein gelungenes Musik-Experiment mit gutem Ausgang verwirklicht. Wer expressionistische Kunst für Auge und Hirn mag, der wird sicher auch „Spacequid Brain“ für die Ohren mögen.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 455x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (18:03):
  • Goodbye, Mr. Clooney (9:28)
  • Infinity (8:35)
  • Seite B (19:22):
  • Sucqmah (10:57)
  • Until (8:25)

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