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Eloy: The Classic Years Trilogy – Dawn (1976) / Ocean (1977) / Silent Cries And Mighty Echoes (1979) (Review)

Artist:

Eloy

Eloy: The Classic Years Trilogy – Dawn (1976) / Ocean (1977) / Silent Cries And Mighty Echoes (1979)
Album:

The Classic Years Trilogy – Dawn (1976) / Ocean (1977) / Silent Cries And Mighty Echoes (1979)

Medium: Deluxe/Limit. Box/Remaster/3LP+3CD
Stil:

Symphonischer Progressive Rock

Label: Vertigo/Universal Music
Spieldauer: 270:09
Erschienen: 26.04.2019
Website: [Link]

Sie zählen selbst heute noch – nach fast fünfzig Jahren Band-Geschichte – zu den international gefragtesten und für alle PINK FLOYD-Freunde unumstößlichen Prog-Urgesteinen, die sich besonders Mitte und Ende der 70er-Jahre und Anfang der 80er-Jahre als ELOY einen krautrockigen Namen des symphonischen Progressive Rocks machten und mit ihren spirituell-mystischen Konzept-Alben wie eine deutsche PINK FLOYD-Ausgabe durchgehen konnten, denen man aber durch den stark akzentuierten Bornemann-Gesang durchaus anhörte, woher sie kamen. Völlig egal – denn selbst in Amerika werden ELOY prog-heldenhaft verehrt, denn aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, könnte man gerade der Stimme Bornemanns so eine gehörige Portion Charisma zuschreiben. Noch dazu wurden selbst für nicht Englisch sprechende Zeitgenossen die Texte mitunter verständlicher.

Oder, um es wie in unserer Review zu dem 2009 erschienenen „Visionary“-Album auf den Punkt zu bringen:
„ELOY sind eine Institution! DIE Institution deutschen Prog-Rocks mit deutlicher PINK FLOYD-Schlagseite, die sich immer wieder von der Bühne verabschiedet, um immer wieder irgendwann dort erneut aufzutauchen und ihren Fans genau das gibt, was sie von ELOY erwarten: Progressive Rockmusik mit mystischen englischen Texten und weniger mystischen PINK FLOYD-Anleihen. Dabei können sie absolut nichts falsch machen, denn spätestens seit ‚Ocean‘ und ‚Silent Cries And Mighty Echoes‘ besitzen die Jungs Kultstatus und scheinen sehr wohl zu wissen, wie sie zu klingen haben.“

Diese beiden Alben und der Vorgänger „Dawn“ sind Bestandteil einer rundum großartigen Vinyl-CD-Box mit dem Titel „The Classic Years Trilogy – Dawn (1976) / Ocean (1977) / Silent Cries And Mighty Echoes (1979)“, die sich der wichtigsten und bedeutendsten ELOY-Phase widmet, die nach einem radikalen Wechsel zur zweiten Band-Inkarnation führte, an der neben dem singenden Gitarristen und zugleich ELOY-Bandleader FRANK BORNEMANN, Bassist KLAUS-PETER MAZIOL, Keyboarder DETLEV SCHMIDTCHEN und Schlagzeuger JÜRGEN ROSENTHAL beteiligt waren, welche sich für die „klassischen Trilogie-Jahre“ verantwortlich zeichneten.
Das Box-Set enthält die drei LP‘s als 180g-Vinyl im Gatefold-Cover mit allen Texten und raren Bildern auf der Innenseite und die dazugehörigen CD‘s in einem speziell auf LP-Größe gestalteten Schuber (ebenfalls Gatefold-Cover) mit der Geschichte hinter jedem einzelnen Album.
Das Boxset, zu dem noch ein Hardcover-Schuber, in dem die vier Gatefold-Cover stecken, gehört, ist einzeln durchnummeriert und strikt auf 2.000 Exemplare limitiert.

Auf jeden Fall gehören diese drei mystischen Konzept-Alben der Mitt- und Spätsiebziger unangefochten zu den besten LP‘s, die ELOY in ihrer nunmehr 50jährigen Prog-Karriere hervorbrachten. Und immer wieder werden ELOY besonders dafür geliebt, wenn sie auch auf ihren neuen Alben deutlich an diese Zeit anknüpfen, wofür ihr 2017er-Album „The Vision, The Sword And The Pyre“ das beste Beispiel ist. Bornemann selber schrieb einmal im Rahmen ihres 2009er-„Visionary“-Albums, dass sie auf Wunsch ihrer Fans bewusst in der Gegenwart auf ihren neuen Alben die Atmosphäre einzufangen versuchen, welche die drei Alben, welche als 3 LP‘s und 3 CD‘s in der Box „The Classic Years Trilogy – Dawn (1976) / Ocean (1977) / Silent Cries And Mighty Echoes (1979)“ enthalten sind, versprühten.
Wahrscheinlich entstand so die Idee, am besten doch gleich anno 2019 auf die Originale zurückzugreifen, sie in dieser Box als mal wieder ausgezeichnetes EROC-Remaster auf großen schwarzen und kleinen silbernen Scheiben zu veröffentlichen und sich und ihre Fans damit zum 50. Bandgeburtstag – ja, ELOY (benannt nach einem Volk aus dem Roman „Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells) gründeten sich tatsächlich im Jahr 1969, als „Easy Rider“ im Kino, die „Abbey Road“ der BEATLES sowie „Tommy“ von THE WHO und „In The Court Of The Crimson King“ von KING CRIMSON auf den Plattentellern liefen – zu beschenken. Ein gutes Jahr für die Musik-Geschichte, von der auch ELOY ein ganz eigenes Kapitel mit dem typischen ELOY-Sound schrieb, den sie selber klar unter ihrer Homepage als „eine Synthese aus sphärischen Klängen, pulsierenden Rhythmen, kraftvollen Gitarren und komplexen konzertanten Arrangements“ definieren.

Genau diese Attribute treffen auf die drei zwischen 1976 und 1979 entstandenen Alben hundertprozentig zu, wobei natürlich noch die konzeptionellen, futuristischen Textkonzepte, die seit „Power And The Passion“ (1975) zum Standard wurden, mit dazugehören. Selbst dass die Band 1975 wegen Unstimmigkeiten auseinanderbrach, hinderte den einzig verbliebenen – Frank Bornemann – nicht daran, mit neuen Musikern die klassischen Jahre getreu diesem Konzept einzuleiten und mit „Dawn“, „Ocean“ und „Silent Cries And Empty Echoes“ zu perfektionieren.

Liest man die Titelliste des „Dawn“-Albums, das erstmals für die Box auch ein Gatefold-Cover erhielt, hat man im ersten Augenblick den Eindruck, sich auf ein YES-Album verirrt zu haben.
Noch orchestraler als die Vorgänger, die ebenfalls jede Menge Bombast aufwiesen, wurde „Dawn“, dem sogar in Köln aufgenommene klassische Streicher-Passagen hinzugefügt wurden. Mit all den Naturgeräuschen – Donner, Regen, Vogelgezwitscher usw. erinnert das Album sogar an die frühen NOVALIS-Werke. Jedenfalls kamen die neuen Ideen sehr gut an und „Dawn“ wurde so nicht nur das symphonischste, sondern auch das bis dahin meistverkaufte Album der Band. Im doppelten Sinne also ein Paukenschlag – nicht nur aus musikalischer Sicht, da „Dawn“ mit Paukenschlägen endet, sondern auch aus Sicht der immer breiter werdenden Fanbasis, die sich auf „Dawn“ stürzte.

„Ocean“ sollte diesen Erfolg sogar noch übertrumpfen, denn es gilt aus heutiger Sicht als das meistverkaufte Prog-Rock-Album einer deutschen Band.
Konzeptionelles Thema von „Ocean“ ist der Untergang von Atlantis aus Sicht des griechischen Philosophen Platon (427 – 347 v.Chr.) erzählt. Schon der eröffnende Longtrack „Poseidon‘s Creation“, der geschickt mit Motiven von GENESIS und PINK FLOYD spielt und nach und nach seine ganze symphonische Schönheit entwickelt, ist ein echter Volltreffer. Noch dazu schaffte es genau dieser Song – eine kleine Sensation – als Filmmusik für einen „Tatort“ mit Hansjörg Felmy in der Hauptrolle, ausgewählt zu werden.
Und bei dem viertelstündigen, das Album abschließenden „Atlantis‘ Agony At June 5th, 8498, 13 P.M. Gregorian Earthtime“ hören wir deutlich in der Ferne nicht nur einen Hauch von verrückten Diamanten, die in floydianischer Schönheit erstrahlen.
Das Album erreichte 25 Jahre nach seinem Erscheinen sogar mit 250.000 verkauften Exemplaren Gold-Status und auf ihrer Homepage lassen sich ELOY ziemlich verärgert über die Kritiker-Reaktionen aus, indem sie feststellen: „Die Fans waren begeistert, die Kritik in vielen deutschen Medien, insbesondere in den einschlägigen Magazinen der Musikpresse, hingegen erschreckend ablehnend, teilweise sogar verunglimpfend und fast aggressiv feindselig. Niemals polarisierte eine Band so stark und spaltete derart krass die Position des Publikums und der Musikjournaille, wie ELOY nach dem »Ocean«-Album.“

Verblüffend ist hierbei auch die Tatsache, dass sich parallel zu diesem Album von einer Band aus Ungarn im gleichen Jahr 1977 ein ziemlich ähnliches Sympho-Prog-Album sehr erfolgreich in der Ost-Zone verkaufte: „Timerobber“ bzw. „Idorablö“ von OMEGA. Allerdings sollte man hierbei lieber auf das ungarische Original und nicht die englische Ausgabe zurückgreifen, denn der Sänger János Kobor übertrifft in punkto akzentuiertem Gesang Frank Bornemann um Längen!
„Idörablo“ war das progressiv-symphonische Gegenstück für alle Ossis, die an ELOYs „Ocean“ nicht herankamen oder es einfach nicht bezahlen konnten.
Ein von mir hoch geschätzter Kritiker (Holger Grützner) – ebenfalls aus dem Osten stammend, der zu Mauerzeiten noch einen Hunderter für „Ocean“ ausgegeben hatte, bringt die Musik darauf mit einem wundervollen Satz auf den Punkt: „Romantik pur. Eloys ‚Ocean‘, das ist Caspar David Friedrich in Musik.“

Mit „Silent Cries And Mighty Echoes“ folgt dann, nahtlos an „Ocean“ anknüpfend, zugleich der letzte LP-Teil der luxuriösen, limitierten Box, aber auch der ELOY-Ära in dieser – von vielen Fans als beste bezeichnete – Musikerbesetzung. Die stillen Schreie und mächtigen Echos riefen wohl zu laut nach Schmidtchen & Rosenthal, sodass die kurz darauf ihr eigenes Ding mit dem erfolglosen EGO ON THE ROCKS machten.
Schade, dass nach dem diesmal extrem nach atmosphärischen PINK FLOYD klingendem Album die Band in dieser Konstellation auseinanderfiel. So bleibt die Frage unbeantwortet, wie wohl das erste 80er-Jahre-Album von ELOY, eingespielt vom „klassischen Quartett“ dieser „The Classic Years Trilogy“ geklungen hätte. Noch mehr nach PINK FLOYD oder GENESIS, mit großem Orchester oder akustisch zurückhaltender, symphonisch getragen oder rockig bombastisch oder, oder, oder...

...oder ein Ohne-Wenn-und-Aber-FAZIT:
Egal, was weiter von ELOY kommen mag, diese streng auf 2000 Exemplare limitierte Box gewinnt auch dadurch einen besonderen Wert, weil sie genau die beste ELOY-Zeit (1976 bis 1979) mit der spannendsten Besetzung komplett auf 3 LP‘s und 3 CD‘s abdeckt und mit viel Liebe gestaltet wurde. Sollte allerdings jemand nach irgendwelchen musikalischen Boni suchen, dann wird seine Suche auf „The Classic Years Trilogy – Dawn (1976) / Ocean (1977) / Silent Cries And Mighty Echoes (1979)“ nicht von Erfolg gekrönt sein. Dafür bekommt er aber eine in dieser Form noch nie dagewesene, ausgezeichnete soundtechnische Überarbeitung direkt von den Originalbändern durch den grobschnittigen Remaster-Experten EROC geboten!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 1136x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • = Dawn (1976) = (94:47):
  • Seite A (23:27):
  • Awakening (2:39)
  • Between The Times (6:08)
  • The Sun-Song (4:51)
  • The Dance In Doubt And Fear (4:30)
  • Lost!? (Introduction) (5:19)
  • Seite B (24:13):
  • Lost?? (The Decision) (5:03)
  • The Midnight Fight / The Victory Of Mental Force (8:10)
  • Gliding Into Light And Knowledge (4:12)
  • Le Réveil Du Soleil / The Dawn (6:48)
  • CD (47:50):
  • Awakening
  • Between The Times
  • The Sun-Song
  • The Dance In Doubt And Fear
  • Lost!? (Introduction)
  • Lost?? (The Decision)
  • The Midnight Fight / The Victory Of Mental Force
  • Gliding Into Light And Knowledge
  • Le Réveil Du Soleil / The Dawn
  • = Ocean (1977) = (88:10):
  • Seite A (20:06):
  • Poseidon‘s Creation (11:41)
  • Incarnation Of Logos (8:25)
  • Seite B (23:54):
  • Decay Of Logos (8:17)
  • Atlantis‘ Agony At June 5th, 8498, 13 P.M. Gregorian Earthtime (15:37)
  • CD (44:10):
  • Poseidon‘s Creation
  • Incarnation Of Logos
  • Decay Of Logos
  • Atlantis‘ Agony At June 5th, 8498, 13 P.M. Gregorian Earthtime
  • = Silent Cries And Mighty Echoes (1979) = (87:12):
  • Seite A (23:56):
  • Astral Entrance (3:03)
  • Master Of Sensation (5:59)
  • The Apocalypse (14:54)
  • Seite B (19:31):
  • Pilot To Paradise (7:02)
  • De Labore Solis (5:13)
  • Mighty Echoes (7:16)
  • CD (43:45):
  • Astral Entrance
  • Master Of Sensation
  • The Apocalypse
  • Pilot To Paradise
  • De Labore Solis
  • Mighty Echoes

Besetzung:

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