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Freedom To Glide: Seed (Review)

Artist:

Freedom To Glide

Freedom To Glide: Seed
Album:

Seed

Medium: CD/Download
Stil:

Progressive-, Art-Rock

Label: F2G/Just For Kicks
Spieldauer: 55:27
Erschienen: 14.06.2019
Website: [Link]

Nicht nur musikalisch lassen sich FREEDOM TO GLIDE unüberhörbar von PINK FLOYD – und ganz speziell einem ROGER WATERS – inspirieren, sondern auch thematisch. So greifen die britischen Prog-Rocker um ANDY NIXON und PETE RILEY in ihrem Konzept-Album, nach „Rain“ und „Fall“ im dritten und zugleich letzten Teil ihrer Anti-Kriegs-Trilogie, erneut das Thema Krieg in seiner ganzen Brutalität und Traurigkeit, all seinem Leid und den zerstörten Hoffnungen auf. Doch nicht der II., sondern der I. Weltkrieg, ganz speziell das letzte Jahr 1918, wird auf „Seed“ aus dem desillusionierenden Blickwinkel des Soldaten Robert Wilson betrachtet, der längst seinen Glauben daran verloren hat, dass der Krieg irgendwann ein Ende nimmt und beschließt, sich und seiner Familie deshalb selber ein Ende zu setzen. Doch von unerwarteter Seite her keimt plötzlich Hoffnung auf...

So endet die Trilogie, nachdem Wilson zuvor noch die bedrückende „Broken Road“ überschritten hatte, mit der hoffnungsvollen akustischen Hymne „Seed Of Hope“, der Louise Wilson als Gastsängerin eine zusätzliche, wunderschöne Stimme verleiht.

Musikalisch aber bleibt auch diesmal alles beim Alten und wir werden in einen größtenteils ruhigeren, mitunter pathetischen, floydianischen Kosmos aus fetten Keyboards, aber auch klassischem Klavier, akustischen und elektrischen Gitarren mit jeder Menge Soli sowie Gesang, der in den lauten wie leisen Tönen zu beeindrucken versteht, gezogen. Und wir fühlen uns natürlich sehr wohl darin, besonders wenn wir beispielsweise „The Final Cut“ von PINK FLOYD oder „Radio K.A.O.S.“ und „Is This The Life We Really Want?“ von ROGER WATERS mögen.

Wunderbar auf das Konzept und die Musik von „Seed“ zugeschnitten, stimmt einen bereits das groß gedruckte Zitat von Blaise Pascal (französischer Mathematiker, Physiker, Schriftsteller und Philosoph, der von 1623 bis 1662 lebte) auf der ersten Seite des geöffneten Booklets ein: „Gibt es etwas Lächerlicheres, als dass ein Mann das Recht eingeräumt bekommt, mich zu töten, nur weil er auf der anderen Seite des großen Flusses lebt und weil sein Führer Ärger mit meinem Führer hat, obwohl wir beide selber doch gar nichts miteinander zu tun haben.“

Natürlich spiegelt sich in dem Zitat die Sinnlosigkeit eines jeden Krieges wider, in dem Menschen Menschen auf Befehl töten, ohne eigentlich zu wissen aus welchem Grund sie dies tun. „Alle Soldaten sind Mörder!“, nicht nur ihre Befehlshaber, das brachte in diesem Sinne ein Tucholsky noch eindrucksvoller zum Ausdruck!
Im Falle von „Seed“ jedenfalls erkennt der Soldat Wilson, als dessen Vorlage der Großvater eines der beiden Musiker diente, während des I. Weltkriegs genau diesen sinnlosen Irrsinn und beginnt sich auf seine Art den mörderischen Befehlen zu entziehen. So wird er am Ende nicht nur zur „Seed Of Hope“, sondern legt diese hoffnungsvolle, friedliebende Saat mit an.

Damit verabschiedet sich die ambitionierte Prog-Trilogie von FREEDOM TO GLIDE nicht etwa in den frustrierenden „Waters“-Solo-Untiefen, sondern, im bestem Sinne des Floyd-Rogers, in einem Konzeptalbum aus progressivem Schönklang und hoffnungsvollem Pazifismus, allerdings ohne je dabei auf das wahre kriegerische Grauen in Text und Musik zu setzen. Über allem schwebt vielmehr die getragene Hoffnung, dass in Punkto Krieg nicht auch aller schrecklichen Dinge drei sind!
Friede und dieses Album sei mit euch!

FAZIT: Mit „Seed“ endet der 2014 (Genau 100 Jahre nach dem Ausbruch des I. Weltkriegs!) begonnene dreiteilige Anti-Kriegs-Opus des unüberhörbar aus einer PINK FLOYD-Cover-Band hervorgegangenen Brit-Prog-Duos FREEDOM TO GLIDE, das sich durchaus berechtigt und gleichermaßen eindrucksvoll an den ruhigeren, akustischen Floyd-Klängen von „Animals“ bis „The Final Cut“ und den späteren Waters-Solo-Werken orientiert. Pathetisches, artrockiges Schwelgen in Erinnerungen und dem Bewusstsein, dass wir nicht noch einen Krieg brauchen, nur um zu erkennen, wie wertvoll der Frieden für uns alle ist.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 615x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Seed
  • Holding On
  • No Turning Back
  • Undertones Of War
  • The Right Within The Wrong
  • The Space Between The Lines
  • The Only Way?
  • Escape To Survive
  • One Day
  • When The Day Comes
  • Broken Road
  • Dear May
  • Seed Of Hope

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • Rain (2014) - 10/15 Punkten
  • Fall (2016) - 12/15 Punkten
  • Seed (2019) - 12/15 Punkten
Interviews:
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