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Hats Off Gentlemen It‘s Adequate: Out Of Mind (Review)

Artist:

Hats Off Gentlemen It‘s Adequate

Hats Off Gentlemen It‘s Adequate: Out Of Mind
Album:

Out Of Mind

Medium: CD
Stil:

Progressive Rock, Singer/Songwriter

Label: Eigenpressung/Just For Kicks
Spieldauer: 65:53
Erschienen: 08.03.2019
Website: [Link]

Nicht nur der Bandname des Londoner Duos mit weiblicher Verstärkung HATS OFF GENTLEMEN IT´S ADEQUATE hinterlässt einen eigenartigen Eindruck, auch die Musik auf ihrem 4. Album Out Of Mind, das progressiven Rock und Singer/Songwriter-Kunst konzeptionell miteinander zu vereinen versucht. Dabei entwickelt es atmosphärische Momente wie bei PETER HAMMILLs Solo-Arbeiten sowie bedrohliche wie bei CARPTREE und deutet immer wieder die unverkennbare Liebe für die getrageneren, finsteren PINK FLOYD-Momente an.

Dass allerdings ein Satz wie: „Wenn du GENESIS, MARILLION, KING CRIMSON, PINK FLOYD und vielleicht URIAH HEEP magst, dann wirst du HATS OFF GENTLEMEN IT´S ADEQUATE lieben!“, des Promo-Schreibens völlig ins Leere geht, weil schon des nur mittelmäßigen männlichen Gesangs und der „Drums aus der Dose“ wegen noch Welten zwischen den benannten Band-Legenden und dem Londoner Hut-Ab-Verein liegen, sollte an dieser Stelle nicht unausgesprochen bleiben.

Dabei gibt es ein stilles, verstecktes Highlight auf „Out Of Mind“ – nämlich KATHRYN THOMAS, die das Album mit ihrem ausgezeichneten, sehr verträumt wirkenden Flötenspiel veredelt und auch Gatlands Chapman Stick beeindruckt. Noch dazu singt K. Thomas auf „The Electric Ant“, einem sich deutlich an ANNE CLARK orientierendem Song, mit einer ebenso beeindruckenden Stimme, die durch den dann einsetzenden Gesang von Malcolm Galloway regelrecht zerstört wird, sodass beim Hörer sofort der Wunsch aufkommt, Kathryn würde den größten Teil des Gesangs übernehmen, statt Malcolm.

Schnell erkennt man auf „Out Of Mind“ auch das symphonische PINK FLOYD-Lieblingsstück der Band, die gleich auf zwei Titeln, dem großartigen Instrumental „The Rose That Was Red In The Dark“, das sich um die philosophische Frage dreht, ob eine Rose im Dunkeln genauso schön und rot wie im Hellen ist, und dem todtraurigen, das Album abschließenden „Lidice“, den eröffnenden Teil mehr als deutlich nach „Shine On You Crazy Diamond“ klingen lassen.
In dem bedrückenden „Lidice“ geht es um ein tschechisches Bergbau-Dorf, welches die Nazis während des 2. Weltkriegs in Schutt und Asche legten und dabei 88 Kinder und 252 Erwachsene töteten. Hitlers Absicht war es, das Dorf und seine Geschichte von der Landkarte und aus den Erinnerungen der Menschen zu tilgen! Doch eine Gruppe von Bergarbeitern einer Kohlmine in Staffordshire, unter der Leitung ihres Arztes Barnett Stross, die von der Zerstörung Lidices erfahren hatten, gründeten nach Kriegsende die Bewegung „Lidice soll leben“ und besiegten so Hitler ein zweites Mal auf ihre ganz spezielle Weise. Darum widmeten HATS OFF GENTLEMEN IT´S ADEQUATE ihren Song dem Gedenken an die Toten des Dorfs und denjenigen, die dafür sorgten, dass sie und das Dorf nie in Vergessenheit geriet: „Sie wollten, dass du aus der Geschichte, aus der Erinnerung verschwindest / Und sie scheiterten!“

In eine ähnliche Bresche schlägt „Stand Up“, in dem es um üble Zeitgenossen geht, welche die Geschichte missbräuchlich umdeuten oder historische Fakten leugnen, um immer weiter Hass unter den Menschen zu säen.

In genau solchen Geschichten, welche in diesem Konzept-Album umgesetzt wurden, das die unterschiedlichen Prägungen (historische, biologische, soziale usw.) von Identitäten veranschaulicht, liegt zugleich auch – trotz des schwächelnden, etwas an GUY MANNING erinnernden Gesangs – die Stärke von „Out Of Mind“!
Auch wurden hierbei literarische Werke als Grundlagen genutzt, wie beispielsweise von Philip K. Dick, Ann Leckies und sogar Andreas Vesalius‘ bahnbrechendem lateinischen Anatomie-Buch aus dem Jahr 1543 „De Humani Corporis Fabrica“.

Progressive Rock für Kopf und Ohren eben!

FAZIT: Mit ihrem vierten Album „Out Of Mind“ legen die britischen Prog-Rocker von HATS OFF GENTLEMEN IT´S ADEQUATE mit tiefgründigen, mitunter gar philosophischen Texten ein Konzept-Album vor, das sich um die Wirren menschlicher Identität von den historischen, psychologischen und medizinischen Anfängen bis hin zur Demenz („Losing Myself“) dreht, dabei ziemlich finster ausfällt und sich im Umfeld von CARPTREE und PINK FLOYD bewegt, auch wenn der Gesang nicht an das Niveau der musikalischen Vorbilder heranreicht.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 801x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 10 von 15 Punkten [?]
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Tracklist:
  • Coming Back
  • When I Was A Ship
  • Defiance
  • De Humani Corporis Fabrica
  • The Rose That Was Red In The Dark
  • Maze
  • Stand Up
  • I Miss The Stars
  • If You Think This
  • World Is Bad...
  • Losing Myself
  • The Electric Ant
  • Lidice

Besetzung:

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