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Lucy van Kuhl: Dazwischen (Review)

Artist:

Lucy van Kuhl

Lucy van Kuhl: Dazwischen
Album:

Dazwischen

Medium: CD
Stil:

Liedermacherin, Musikkabarett, Chanson

Label: Sturm & Klang Musikverlag
Spieldauer: 53:39
Erschienen: 26.04.2019
Website: [Link]

Zwei Musik-Seelen wohnen, ach, in LUCY VAN KUHLs Brust: die eine nennt sich Liedermacherin, die andere Musikkabarettistin. Und dass sich beide Seelen nicht gegenseitig im Wege stehen oder auszuschließen drohen, zeigt die studierte Klavier- und Literaturwissenschaftlerin auf ihrem Debüt-Album „Dazwischen, das auf dem Musiklabel des ebenfalls der Literatur, dem Klavier und Gesang hingezogenen Ausnahmeliedermachers KONSTANTIN WECKER erscheint.
Wie Konstantin präsentiert auch Lucy ihre Titel ganz allein am Klavier und vergibt sich dabei doch etwas – denn das, was sie zu sagen und singen hat, verdient mitunter bei dieser stimmungsvollen Abwechslung mehr als nur die Schwarz-Weiß-Tasten-Begleitung. Wie bei Herrn Wecker, der sich ja immer mehr immer breiter instrumentiert unterstützen ließ, wünscht man sich dann auch Frau van Kuhl den Mut zur Band und nicht nur zu ihrem Können als Pianistin. Auch hier sind‘s die zwei Seelen, die im faustschen Sinne sich noch zu sehr aneinander reiben.

Die in der Berliner Schauspieler- und Singer/Songwriter-Szene sozialisierte Musikerin, die regelmäßig mit gleich zwei Solo-Programmen durch ganz Deutschland tourt, setzt nicht nur auf klare Worte, sondern speziell auch auf das, was nicht offensichtlich zu hören und sehen, sondern zwischen den Zeilen zu lesen ist. Das geht ernst genauso gut wie lustig, aber zum Glück nie spaßig oder plattitüdenverliebt. Jeder Text ist dazu da, dass er gehört und nicht nur als Beiwerk zur Musik verstanden wird. Eher umgekehrt ist es der Fall. Die Melodie bestimmt nicht den Text – der Text bestimmt die Melodie und beides verfließt ineinander. Einziger musikalischer Begleiter ist dabei dauerhaft leider nur das Klavier.

Ironisch, auch etwas zynisch und sarkastisch wird‘s auf dem Album immer dann, wenn sich die Sängerin in Gegenstände – ein Smartphone, einen Koffer oder ein Lesezeichen – hineinversetzt, sie vermenschlicht und zu uns sprechen bzw. singen lässt.
Sprechgesang ist auch das Stichwort für LUCY VAN KUHL, die je nach Situation mal erzählend, dann wieder wie eine Chanteuse singend ihre Stimme erhebt und deutlich artikuliert ihre klug-bissig-ironisch-nachdenklichen Texte intoniert – und dabei auch gerne die Weisheit des Fuchses aus Exupérys „Kleinen Prinzen“ sich reimend umformuliert in: „Erst wenn man mit dem Herzen schaut / geht‘s unter die Haut“. („Ich nehme mir die Zeit“)

Mordsmäßig geht‘s dann sogar nach der Melodie von „Eine Seefahrt, die ist lustig“ zu, wenn in „Dafür hab‘ ich bezahlt!“ die liebe Gertrud ihren bösen, geizigen Willibald auf einer im Discounter erstandenen Kreuzfahrt „entsorgt“. Der hat‘s sich allerdings in seiner Geiz-ist-geil-Manie auch wohlverdient.

Besonders bedrückend kann‘s Frei(geist)Frau van Kuhl aber auch, wenn sie den „Grautag“ besingt oder mit Melancholie in der Stimme mit „Letzter Sommertag“ ihr Album abschließt: „Ich bleib einfach hier / zusammen mit dir / für immer.“
Mit diesen Worten verabschiedet sie sich aus dem musikalischen „Dazwischen“ und kehrt wieder mit uns in das „Mittendrin“ des Alltags zurück, das uns immer wieder solche Geschichten beschert, wie sie uns LUCY VAN KUHL singend an ihrem Klavier erzählt.
Und wir?
Wir hören ihr gerne dabei zu.

FAZIT: Sie nennt sich selber deutsche Liedermacherin und Musikkabarettistin und bewegt sich mit ihrem Debüt-Album „Dazwischen“ genau "Dazwischen". Mal mitten im Leben und dann wieder inmitten alltäglicher Dinge präsentiert sie uns am Klavier ihre Texte von ironisch bis nachdenklich – diese Frau der Zwischentöne zwischen den Zeilen und mit den zwei Identitäten, als studierte Literaturwissenschaftlerin und diplomierte Klaviervirtuosin mit dem Namen Corina Fuhrmann sowie als Künstlerin und Chanteuse unter dem Namen LUCY VAN KUHL. Ewig mittendrin ist langweilig – "Dazwischen" einfach echt „kuhl“ eben!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 383x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Zu viel Auswahl (Album Version)
  • Fernsehturm
  • Küsse ohne Kaviar
  • Dafür hab ich auch bezahlt
  • Das Lesezeichen
  • Lieber Handy-Gott!
  • Der schönste Tag im Jahr
  • Viele Wege führen nach Rom
  • Grautag
  • Samson
  • Mit dir komm ich bei mir an
  • Ich nehme mir die Zeit
  • Tanz
  • Die Erinnerung
  • Letzter Sommertag (Album Version)

Besetzung:

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