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Kjell Braaten: Ferd (Review)

Artist:

Kjell Braaten

Kjell Braaten: Ferd
Album:

Ferd

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Folk

Label: By Norse / Membran
Spieldauer: 49:32
Erschienen: 13.11.2020
Website: [Link]

“Ferd” bezeichnet im weitesten Sinn eine Reise mit Versprechen von Erkundung und Abenteuer. KJELL BRAATEN stellt dieses Soloalbum unter den Scheffel von Globetrottern, wie er selbst einer ist, ohne damit zwangsläufig die großen Entdecker der Menschheitsgeschichte zu meinen.

So wie sich der Naturfreund und Multi-Instrumentalist, der bei der norwegischen Folk-Kapazität Wardruna diverse Schlaginstrumente bedient, den Leistungen kleiner, einfacher Jedermanns widmet, verfügt seine Musik über einen intim subjektiven Charakter und ist demnach nicht darauf angelegt, einer möglichst breiten Masse zu gefallen, so wie es sein zeitweiliger Arbeitgeber Einar Selvik mit seiner Gruppe anstrebt. Zahlreiche Grafikkünstlerinnen und -künstler, deren Namen jedoch nicht direkt Glocken klingeln lassen, was auch für die beteiligten Gastmusikerinnen und Musiker gilt.

Die Songs dieses Albums gleichen akustischen Vignetten und strahlen etwas Fragmentarisches aus, selbst wenn sie länger dauern. Erstaunlicherweise ergibt sich am Ende trotzdem ein zusammenhängender Eindruck. Im Sinne von Musik als Kommunikationsmittel und "Kleister", der auch scheinbar unvereinbare Gesinnungen miteinander vereinen kann, wirken sie wie spontane Momentaufnahmen, in deren Zug jeweils mehrere Ideen angeschnitten und wie flüchtige Gedanken behandelt, also nicht im vollen Umfang ausgeschöpft werden.

Das pastorale 'Storebjørn' lässt sich als Verweis auf das mythologisch vielschichtige Sternbild des Großen Bären gewissermaßen auf "Ferd" insgesamt beziehen - mehrdeutige, im besten Sinn unaufdringliche und unverbindliche Musik. Die Tracks strudeln mal schneller, mal bedächtig um das tatsächlich rituelle, hypnotisch repetitive 'Ritet' im Zentrum des Geschehens.

Das Heavenly Voices-Genre stand sicherlich für die vielen entrückten Gesangspassagen Pate, die von mehreren Sängerinnen übernommen wurden, wobei selten richtige Texte zum Vortrag kommen; stattdessen ergeht sich die jeweilige Frau in Lautmalerei - intuitiv dem Loslassen gemäß, das sich im Vertrauen auf die Wirkung von Ritualen (Stichwort 'Ritet' wieder) ergibt. Einen Klimax strebt dahingehend das bedrohliche 'Huldra' mit tiefen Bläsern und an Schreie grenzenden Lautäußerungen im Sinne der üblen Naturgeister an, die dem Stück seinen Namen geben.

Ob das passenderweise mäandernde 'Vestarveg' ("Straße nach Westen") auf die vielzitierte "New Frontier" der Besiedler des nordamerikanischen Kontinents anspielt oder 'Skogsflukt' ("Abholzung") die aktuelle Zuspitzung des ökologischen Haushalts von Mutter Erde betrifft? Darüber zu spekulieren lohnt, weil die Platte dabei automatisch an Substanz gewinnt, statt nur zu berieseln, wie es bei oberflächlicher Beschäftigung damit geschieht.

FAZIT: "Ferd" ist ein zwangloser Tribut an die vielen anonymen Weltenbummler, die im Lauf der Geschichte den kulturellen Austausch angetrieben haben, erbracht mit gängigen Mitteln aus der Nordic-Folk- und Ambient-Ecke. KJELL BRAATEN beweist damit seine Fähigkeit, deutungsoffen abstrakte Geschichten zu erzählen, von denen man sich manchmal rigidere, straffere Strukturen wünscht, um sie nicht auf der Soundtrack-Schiene abstellen zu müssen.

Andreas Schiffmann (Info) (Review 834x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Kyst
  • Vestarveg
  • Skogsflukt
  • Vette
  • Østavind
  • Storebjørn
  • Ritet
  • Huldra
  • Blåne
  • Ferd

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

  • Ferd (2020) - 11/15 Punkten
Interviews:
  • keine Interviews
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