Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

SRSQ: Forever Crashing (Review)

Artist:

SRSQ

SRSQ: Forever Crashing
Album:

Forever Crashing

Medium: CD/Download
Stil:

Indie-Pop

Label: DAIS
Spieldauer: 60:28
Erschienen: 19.08.2022
Website: [Link]

Zusammen mit ihrer Partnerin CASH ASKEW war KENNEDY ASHLYN mit dem Projekt THEM ARE US TOO gerade auf dem besten Weg, zu einer regelrechten Ikone der Elektronik-Szene der Bay Area zu werden, als CASH 2016 bei einem vermutlich durch Brandstiftung entstandenen Feuer in einem Club in Oakland ums Leben kam.
Dieses Drama machte KENNEDY dann auch zum Thema ihrer ersten Solo-LP unter dem Moniker SRSQ (sprich „Seer Skew“ - in etwa: Der Seher, der mit seinem Blick alles durchdringt!). Als wäre das nicht schon genug an Tragik, wurde bei ihr anschließend eine ADHS- und Bipolaritäts-Störung diagnostiziert. Kein Wunder also, dass ihr nun vorliegendes zweites SRSQ-Album „Ever Crashing“ sich dieses Themas annimmt (und logischerweise nicht eben fröhlich ausgefallen ist).

Der Titel des Albums etwa bezieht sich auf das Gefühl, in einer Welle gefangen zu sein, die unablässig auf das Ufer prallt. Andere Titel wie „It Always Rains“, „Dead Loss“, „Fear“ oder „Abyss“ gehen ähnlich malerisch mit KENNEDYs Neurosen und psychologischen Problemen ins Gericht, wie das „Ever Crashing“ tut.
Letztlich verleiht diese Art der künstlerischen Autotherapie (die übrigens Dank des letzten Tracks „Someday I Will Bask In The Sun“ durchaus von einem gewissen Erfolg gekrönt zu sein scheint) der Musik von SRSQ aber auch jene Dringlichkeit, die die Sache relevant und glaubwürdig macht, da das neue Album in Sachen Dramatik und Hingabe kaum noch zu überbieten ist.

War THEM ARE US TOO noch eine Spielwiese für EDM-Sounds gewesen, so hat sich KENNEDY ASHLEY als SRSQ in einem erweiterten musikalischen Umfeld darauf spezialisiert, ihre zunehmend persönlicher werdenden – und für eine Leitfigur der LGBTQetc.-Szene der Bay-Area ungewöhnlich unpolitischen – Lyrics mit einer zuweilen dezidiert operetten- bzw. sogar opernhaften Theatralik und Inbrunst darzubieten. Doch wie gesagt: Angesichts der zugrundeliegenden Thematik ist das nicht verwunderlich und absolut nachvollziehbar – und somit auch authentisch.
Das Geschmäckle des Aufgesetzten und Parodistischen, wie es bei bewusst übersteigerten Projekten dieser Art oft anzutreffen ist, findet sich bei SRSQ jedenfalls überhaupt nicht. KENNEDY ASHLYN meint das, was sie sagt und sie lebt es auch – und dafür braucht es dann auch eine überlebensgroße Geste. Das gilt übrigens auch für ihre Bühnenpräsentation, bei der nun wirklich kein Kostüm zu extravagant, keine Schminke zu dick aufgetragen und keine Geste zu weit ausholend sein kann. Das allerdings nur am Rande, denn vor allen Dingen überzeugt „Ever Crashing“ ja aufgrund seiner musikalischen und inhaltlichen Meriten.

FAZIT: Nachdem KENNEDY ASHLYN zunächst versuchte, das Projekt THEM ARE US TOO alleine am Leben zu erhalten und dafür auch auf die einmal eingeschlagene EDM-Richtung setzte, entschied sie sich bei ihrem Projekt SRSQ für einen anderen Weg, wofür das neue Album „Ever Crashing“ ein brillantes Beispiel darstellt: In einem aufwendigen Prozess spielte sie – ganz alleine – 100 Tracks mit Gesangs- und Instrumental-Elementen (auch organischer Natur) ein, die sie dann kunstvoll zu einer monumentalen Wall-Of-Sounds verdichtete, in dem elektronische Elemente nur noch einen Teil des musikalisch Dargebotenen ausmachen. Gesanglich hingegen gibt sich die Musikerin als kompetente Diva, die oft alle Grenzen des Möglichen auslotet. Das Ergebnis verweist dabei nicht mehr in die Club-Szene wie bei THEM ARE US TOO, sondern in Richtung männlicher Kollegen wie DAVID BOWIE oder PETER GABRIEL und die Intensität betreffend in die weiblicher Kook-Pop-Queens wie KATE BUSH oder TORI AMOS – alles bekanntlich Acts, die sich mit dramatischen Konzepten und ideenreicher, komplexer Rock- und Pop-Musik bestens auskennen; wie jetzt auch SRSQ.

Ullrich Maurer (Info) (Review 576x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • It Always Rains
  • Saved For Summer
  • Dead Loss
  • Used To Love
  • Ever Crashing
  • Fear
  • Winter, Slowly
  • Abyss
  • èlan Vital
  • Someday I Will Bask In The Sun

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Welche Farbe hat eine Erdbeere?

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!