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Amon Ra: We Never Said Good-bye. (Review)

Artist:

Amon Ra

Amon Ra: We Never Said Good-bye.
Album:

We Never Said Good-bye.

Medium: CD
Stil:

Prog, Indie, Metal, Pop, Storytelling Rock sowie Tango und Swing

Label: Eigenvertrieb
Spieldauer: 71:55
Erschienen: 08.11.2015
Website: [Link]

„Totgesagte leben länger!“ - eine Weisheit, die nicht nur für unser Leben, sondern spätestens seit AMON RA auch für die progressive Rockmusik zutrifft!

Aus dem Nichts heraus und völlig überraschend erscheint mit dem eindeutigen Titel „We Never Said Good-bye.“ nach 17 Jahren ein neues Album von AMON RA, einer deutschen Prog-Band mit amerikanischem Sänger. Schon ihr in einem Jahr volljährig werdendes Debüt überzeugte nicht nur durch ansprechende Instrumentalteile, sondern auch den guten Gesang von SCOTT BALABAN. Außerdem legte sich „Precarious Balance“ nicht nur auf den Prog fest, sondern enthielt genauso eingängige Melodien oder Balladen, die sich geschickt zwischen U2-Indie-Rock und SIMPLE MINDS-Alternative-Pop bewegten. Das schien auch SAGA zu überzeugen, die AMON RA als Vorband während ihrer damaligen Deutschland-Tournee verpflichteten. Und SAGA kommt einem auch des Öfteren beim Hören von „We Never Said Good-bye.“ in den Sinn. Und wie ich von SCOTT BALABAN erfuhr, ist das nicht wirklich verwunderlich, denn „der Großteil des vorliegenden Song-Materials entstand kurz nach AMON RAs Deutschlandtour mit SAGA („Full Circle“ 1999), wobei zusätzlich noch ein paar Songs aus den letzten zwei Jahren hinzukamen.“

Dem Album ist deutlich anzuspüren, dass sich die Musiker viel Zeit dafür ließen, nichts überstürzten oder mit progressiver Brechstange bearbeiteten, um am Ende ein sehr breit gefächertes Gesamtkunstwerk vorzulegen, das mit „Karma Machine“ knallharten Rock plus klassische Chöre genauso wie mit „Time Will Come To Your Rescue“ epischen Prog oder „Master Of Strings“ düster-epischen Metal sowie viel Ruhiges und Akustisches enthält.

Der wohl ungewöhnlichste Song des Albums ist „Tango Mortale“ - die verrückte Mischung eines Tangos mit progressivem Rock und seltsamen Sprechgesang. Dieses Stück hat tatsächlich eine ganz spezielle Ausstrahlung, denn beim ersten Hören denkt man: „Was soll denn das?“, doch mit jedem weiteren Hördurchgang zieht einen „Tango Mortale“, das dann auch eindeutig in SAGA-Manier ausklingt, immer mehr in seinen Bann!

Spätestens jetzt kommt auch das schön gestaltete, hochinformative 16seitige Booklet ins Spiel, denn wir finden darin nicht etwa alle Texte, sondern zu jedem einzelnen Song wichtige Liner-Notes für ein zusätzliches Verständnis bezüglich der Musik sowie der Geschichte dahinter. Also nicht oberflächlich hören, sondern beim ersten Mal das Booklet zur Hand nehmen, dann hören, die passenden Bilder zu den Titeln betrachten und die Infos dazu lesen. Zusätzlich unbedingt dann auch noch auf die beeindruckend gestaltete Homepage zurückgreifen, auf der alle Texte zu finden sind und die im Booklet ausschließlich nur auf Englisch verfassten Hinweise sogar als deutsche Variante beigefügt wurden. „Storytelling Rock“ nennen AMON RA ihre Musik und wer sich die Zeit für alle Texte nimmt, wird schnell wissen, warum!
So wird „We Never Said Good-bye.“ ein wahres Erlebnis für alle Sinne, wobei die Ohren natürlich am stärksten gespitzt sein sollten.

„Should Have Known Better“ schickt dann gleich noch dem Prog-Tango eine Swing-Nummer hinterher. Ja, AMON RA haben einen echten Sinn für Humor - was man vielen Proggies ja nicht immer unterstellt - und lassen daraus Musik entstehen, die neben Verwunderung auch immer wieder Begeisterung hervorruft, vorausgesetzt man sitzt nicht fest verkeilt in seiner Prog-Schublade und passt fein darauf auf, dass nur die Socken Neo und Retro neben dem Schlüpfer aus Canterbury und dem Sympho-Unterhemd liegen dürfen!
AMON RA sind in dieser Beziehung ein frischer Wind, statt ein laues Lüftchen, das bei viel zu oft berechenbarer Prog-Nostalgie manchmal auch noch etwas müffelt!

Wenn dann auch noch „The Great Metronome“ das große siebenminütige finale Endstück des Albums ist, welches genau die Faszination verbreitet, nach der MARILLION seit geraumen Zeiten vergeblich suchen und außerdem noch die faszinierende Textzeile: „Sie zwangen mir ihre Träume auf, damit meine sterben...“, enthält, dann haben AMON RA wirklich alles richtig gemacht.
Diese Musik zwingt sich niemandem auf, aber sie wird einen zwanghaft in ihren Bann ziehen, wenn man sich einmal rundum darauf eingelassen hat!

FAZIT: Ein Album, das im Vorfeld keine Erwartungen weckte, im Nachhinein allerdings zum großen Schlag ausholt und viel Liebgewonnenes, Altbewährtes und Gewohntes locker aus dem progressiven Ring fegt! Neue Besen kehren eben gut, auch wenn sie im Grunde auf altbewährte Qualitätsborsten zurückgreifen! AMON RA waren verschwunden und sind 17 Jahre später wieder zurück - frischer und einfallsreicher als je zuvor!
We Never Said Good-bye.“ - zum Glück!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 3633x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • Master Of Strings
  • Time Will Come To Your Rescue
  • The Long Dark Road
  • Where When And Why
  • Until The Morning Comes
  • Rocket Man
  • Slipping Away
  • Karma Machine
  • Tango Mortale
  • Should Have Known Better
  • Dance Of Duty
  • The Great Metronome

Besetzung:

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  • keine Interviews
Kommentare
Jack Thunderbird
gepostet am: 22.07.2016

"welches genau die Faszination verbreitet, nach der MARILLION seit geraumen Zeiten vergeblich suchen"

lach!
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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