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Gary Husband: Postcards From The Past (Review)

Artist:

Gary Husband

Gary Husband: Postcards From The Past
Album:

Postcards From The Past

Medium: Download/Do-CD/BigBooklet
Stil:

Progressive- und Jazz-Rock, Fusion

Label: MoonJune Records
Spieldauer: 115:44
Erschienen: 21.11.2025
Website: [Link]

GARY HUSBAND, der Schlagzeuger und Keyboarder, dessen vielfältigen Kompositionen besonders seine Leidenschaft für Jazz und Improvisation ausleben, sendet sich und uns mit „Postcards From The Past“ musikalische Postkarten aus der Vergangenheit, damit sie auch in der Gegenwart ordentlich erhalten und weiterhin musikalisch strahlen können. Ein schönes Bild – und für jeden Jazz-(Rock-)Freund ebenso schöne Musik aus der Vergangenheit für Gegenwart und Zukunft. Denn eins wird beim Hören dieser zudem wunderschön im dreiflügeligen Digipak samt 28-seitigen Booklet (!!!) gestalteten Doppel-CD sofort klar: dieser abwechslungsreiche Jazz voller Rock-Appeal und improvisatorischen Super-Ideen ist in jeder Fusion zeitlos.


Und dass Husband besonders in der Jazz-Szene eine absolute Größe ist, beweist allein die Tatsache, mit wem das ehemalige Mitglied von JOHN McLAUGHLIN & THE 4TH DIMENSION schon gemeinsam musizierte, beispielsweise Billy Cobham, Jack Bruce, Robben Ford, Level 42, Robin Trower, Chick Corea, Mike Stern, Jack DeJohnette und Gary Moore. Namen wie in musikalischen Stein gemeißelt, die am Musik-Zenit wohl für alle Zeiten erstrahlen. Genau dort ist auch ein GARY HUSBAND einzuordnen. Wem das bisher nicht klar war, dem wird’s spätestens nach dem Hören und dem Lesen des umfangreichen Booklets voller Husband-Bemerkungen zu jedem einzelnen Stück klar.
Und dass sich Husband sogar mit einem SIMON PHILLIPS eine duellierende Duett-Schlacht am Schlagzeug liefert, nachdem er zuvor mit seinem Keyboard angetreten war, spricht allein für sich Bände!


„Water On The Rain“ und der extrem intime „Song For My Father“ (kurz nach dessen Tod geschrieben) sind die einzigen Songs mit Gesang (beide von Paul Williams, oh ja, genau der von den TEMPTATIONS, eingesungen) offenbaren beispielsweise die progressive und die balladeske Rockseite eines Mr. Husband.
„City Nights“ dagegen die Latino-Seite, bei der er speziell solistisch auch neben dem klassischen Piano eine Nylon-Saiten-Gitarre erklingen lässt.
Der Mann ist nicht nur gut. Er ist echt gut und immer wieder hervorragend, wie uns nunmehr seine eigene Geschichte, anhand dieser Raritätensammlung (bei Postkarten sind das immer die wertvollsten, was auch für diese Stücke gilt) zeigt.


Immer wieder glaubt man sich bei diesen Aufnahmen in ein Album des MAHAVISHNU ORCHESTRAs verirrt zu haben, besonders wenn der unglaubliche Teufelsgeiger JERRY GOODMAN seinen Geigenbogen herausholt und seiner Violine die herrlichsten Töne entlockt (wie im 13-minütigen Live-Stück „Evocations Of Burt Bacharach“) oder wenn ALAN HOLDSWORTH sein herrlich komplexes Gitarrenspiel präsentiert. In Richtung MILES DAVIS entwickeln sich besonders die Stücke mit Bläsern, bei denen sich speziell Richard Turner an der Trompete hervortut („Deux Deux's Blues“).

Man kann gar nicht genug aufzählen.
Jedes einzelne der von Husband ausgewählten und durch ihn umfangreich im Booklet kommentierten Stücke ist etwas Besonderes, oft sehr Rares und immer Faszinierendes. Daher hier ein paar wenige Beispiele für ganz besondere Demos, die auch alle ALAN HOLDSWORTH- und HANSFORD ROWE-Anhänger in Verzückung setzen werden.
Husband schreibt zu „The Things You See (When You Haven't Got Your Gun)“: „Aufgenommen im The Townhouse, London, und abgemischt im Scorpio Studio, London, 1979. Dies ist die allererste Studio-Demoaufnahme von mir und Allan Holdsworth, kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten. Diese Version enthält einen späteren Overdub von Allans langjährigem Freund Ray Warleigh am Altsaxophon und war der Vorläufer des gleichnamigen Titels, der viel später auf dem Album 'IOU' erschien. Auf der Aufnahme ist auch Hansford Rowe zu hören, unser ursprünglicher Bassist. Es war übrigens Hansford, der (vor nur wenigen Jahren) eine alte Rohmix-Kassettenkopie der ursprünglichen Session in seinem Archiv entdeckte und mir eine Kopie schickte. Ich hatte sie seit Jahrzehnten nicht mehr gehört! Dennoch sind mir der Klang meines kleinen weißen Gretsch-Kits von damals, jede Note der Soli und Allans Sound von damals so lebhaft vertraut geblieben, als hätte diese Session erst gestern stattgefunden!“


Zum längsten, gut 13 Minuten andauernden, herrlich dem puren Jazz Rock frönenden Stück mit dem ironisch anmutenden Titel „The Fashion Police“ (Wer kennt sie nicht, die Mode-Polizisten, die einem immer und überall erklären wollen, was 'In' und was 'Out' ist... Heute nennt man diese schrägen Vögel Influencer!) stellt Husband fest: „Dies ist die zweite der aufgenommenen Kompositionen mit Steve Topping und Michael Mondesir. Da Steve seit Jahren die hochwertigen Audiokopien vieler alter Aufnahmen, die wir gemeinsam gemacht haben, verwahrt, war ich besonders erfreut, als ich erfuhr, dass er dieses Stück aus der Session in seinen Archiven wiederentdeckt hatte.“


Am Ende wird Husband dann, nachdem er bereits mit einem Song seinem verstorbenen Vater gedachte, auch noch extrem persönlich, wenn er die mega-rare Aufnahme für und über seine Mutter herausholt: „Ich glaube, ich habe es geschafft, die verspielte Seite meiner schönen Mutter in dieser kleinen Komposition einzufangen. Sie ist definitiv darin enthalten. Leider ist die Tonqualität nicht besonders gut, da es sich um die einzige Kopie handelt, die ich habe, von einer alten Kassette. Dennoch bin ich froh, ein Audio-Dokument von etwas zu besitzen, das zutiefst persönlich für mich ist. Während der Aufnahme habe ich ein bisschen herumgealbert und Allan Holdsworth und John McLaughlin während der Gitarren- und Flötensoli nachgeahmt, um einen Freund zu unterhalten, der in der Regiekabine saß. Aber in gewisser Weise passt das perfekt: Die verspielte Seite von mir feiert die verspielte Seite meiner lieben Mutter!“

Noch Fragen?
Postcards From The Past“ ist eine bunte Wundertüte, die wie eine der schönsten und farbigsten Postkarten aus einer Sammlung hervorsticht, die unter dem Jazz-Rock-Kästchen eingeordnet und liebevoll kategorisiert und kommentiert wurde.


FAZIT: „Postcards From The Past“ ist eine wunderschöne, kunterbunt zusammengestellte Raritätensammlung und Retrospektive mit bisher unveröffentlichten Tracks, neu gemasterten Demos und selten gehörten Kompositionen aus dem fast schon 50 Jahre andauernden Musiker-Leben des in der Jazz-Rock-Szene längst legendären Schlagzeugers und Keyboarders GARY HUSBAND. Auf zwei CDs und im dazugehörigen 28-seitigen Booklet erzählt er klangvoll seine Musiker-Geschichte (in der beispielsweise auch JERRY GOODMAN, ALLAN HOLDSWORTH, STEVE TOPPING, RANDY BRECKER und viele mehr auftauchen), so als würde er für jedes einzelne der insgesamt 23 Stücke eine eigene Postkarte verschicken. Eine grandiose, wunderbare Idee. Ein grandioses, wunderbares Album!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 59x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • CD 1 (58:04):
  • Reykjavik Dream
  • The Disguise
  • Not Even The Rain
  • Water On The Brain
  • City Nights 2013
  • Bridge
  • 500 Miles High
  • Fallow Land
  • City Nights 1993
  • Evocations Of Burt Bacharach
  • Companion
  • Deux Deux's Blues
  • CD 2 (57:40):
  • Bing Of The Vale
  • The Things You See (When You Haven't Got Your Gun)
  • A Filmic Rhapsody
  • Cinema Lullaby
  • Ternities & Bandons
  • Guardians
  • The Train
  • Song For My Father
  • The Fashion Police
  • Song For My Mother
  • Aphorism

Besetzung:

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