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Olli & The London Radio Pop Orchestra: Life On Rennes (Review)

Artist:

Olli & The London Radio Pop Orchestra

Olli & The London Radio Pop Orchestra: Life On Rennes
Album:

Life On Rennes

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Neo-Klassik, Pop, Elektronika

Label: Label Caravan
Spieldauer: 39:17
Erschienen: 24.04.2026
Website: [Link]

Atmen wir einfach einmal genauso tief durch, wie während des Übergangs zwischen „Starless Dream“ und „Break My Hopes“ auf der LP-B-Seite von „Life On Rennes“ (Nicht mit 'live' verwechseln und in der Annahme irren, es hier mit einem Live-Album zu tun zu haben!) von OLLI & THE LONDON RADIO POP ORCHESTRA. Denn dieses Album verblüfft von der ersten (melodramatischen) Minute an und verursacht mitunter sogar echte Schnappatmung. Besonders bei denjenigen, die sich an der Musik von RADIOHEAD und SIGUR RÓS oder EFTERKLANG und ELBOW nicht satt genug hören können.


Wer verdammt nochmal ist dieser Olli, der mit seiner charismatischen Stimme – in fast allen Höhen- und Tiefenlagen – und seinen orchestralen Arrangements sowie Electronics und Neo-Klassik, Pop-Harmonien und bis zum Jazz hinreichender Verspieltheit hier sein Leben in Rennes (eine wunderschöne französische Stadt und Hauptstadt der Bretagne in Frankreich, die besonders für ihre mittelalterlichen Fachwerkhäuser und die weltberühmte Kathedrale bekannt ist) vertont?


Der Mann kann singen, als würde er gleich mehrere Sänger in sich tragen. Seine Stimme kann so dünn und hoch im Falsett klingen, als würden jeden Moment seine Stimmbänder zerreißen oder so tief, als müsste er einen schaurigen Grabgesang anstimmen. Irgendwo zwischen einem BON IVER oder DAMIEN RICE sowie WILLIAM FITZSIMMONS und ANTONY & THE JOHNSONS oder den BEE GEES mit einer deutlichen Prise des MUSE-Sängers Matthew Bellamy. Dazu die streicherschwangeren, schaurig-schönen Rhythmen des THE LONDON RADIO POP ORCHESTRA. Das ist Melodramatik pur, die mit etwas Schmalz eine besondere Wirkung erzielt – aber nicht etwa in Richtung Schlager, sondern eindeutig zur Neo-Klassik tendierend. Musik, die einem eine Gänsehaut und einen Schauer über den Rücken jagt oder Tränen in die Augen treibt, wenn auch noch ein Jugend-Chor als Begleitung zu singen beginnt.


Life On Rennes“ enthält schwer zu beschreibende Musik, die aber immer eins ist: schwer bewegend. Die Schwere, die ihr innewohnt, wird so zu einem Vorteil, nicht etwa bedrückenden Nachteil. Denn sie wird zugleich wieder und wieder von elektronischeren und flotteren Rhythmen durchbrochen, die sich als wahre Pop-Melodien erweisen, wofür das beste Beispiel der Titeltrack ist, bei dem noch dazu eine Geige erklingt, in der sich der ostdeutsche Musikliebhaber gerne an einen HANS DIE GEIGE erinnert fühlt. Erinnerungen, die im Laufe des Albums häufig bemüht werden. Sollt es jemanden geben, der die britischen Indie-Melodramatiker THE SLOW SHOW oder THE DIVINE COMEDY kennt – und von denen genauso begeistert wie der Kritiker ist, der mit wachsender Begeisterung diesem Album von OLLI & THE LONDON RADIO POP ORCHESTRA beiwohnt –, der wird auch in „Life On Rennes“ völlig aufgehen, extrem begeistert und emotional berührt sein. Hierzu trägt auch die Weiß-Schwarz-Gestaltung der LP-Ausgabe bei, deren Vinyl schneeweiß ist.


Und dann ist da noch dieses bewegende SMITHS-Cover „There Is A Light That Never Goes Out“, welches das bis dahin sowieso durchgängig bewegende Album abschließt. Laut Leroy war seine erste LP „Hatful Of Hollow“ von THE SMITHS, auf der sich besagter Song befindet. Was OLLI allerdings aus diesem Song durch die ausgiebige Einbeziehung von Streichern macht, ist fantastisch. Da fragt man sich doch gleich, was wohl ein MORRISSEY und THE SMITHS zu dieser orchestralen Variante sagen. Auch weil Leroys Gesang dem eines Mr. Morrissey ernsthafte Konkurrenz machen kann und der episch-orchestrale Bombast „There Is A Light That Never Goes Out“ tatsächlich zu einem echten Klassiker werden lässt.
Ein grandioses Finale eines grandiosen Albums!

Life On Rennes“ hat das Zeug zum Klassiker.
Nur scheinen das viel zu wenige wahrzunehmen, weil der 'dumme' Hörer nur nach Klickzahlen schaut, während der 'neugierig-intelligente' doch tatsächlich selber sucht, um selber zu hören und um selber überrascht zu sein, wenn ihm bewusst werden sollte, was ihm alles entgeht, wenn er statt der Klick-Spur seinem eigenen, ihm nicht Gott-gegebenen, sondern eher seiner Leidenschaft entsprechenden Spur folgt, die mehr voraussetzt, als fremdem, KI-generiertem Musik-Massenwahn zu folgen.


FAZIT: Er liebt THE SMITHS und schafft eine musikalische Gratwanderungen, die ähnlich aufregend ist wie die seiner Liebe rund um die MORRISSEY-Mannen. Olliver Leroy, der in den unterschiedlichsten Stimmlagen die unterschiedlichsten Stimmungen erzeugen kann, legt als OLLI & THE LONDON RADIO POP ORCHESTRA mit „Life On Rennes“ von den Kompositionen, der musikalischen (oft orchestralen, aber auch schwer pop-elektrifizierten) sowie soundtechnischen, aber auch gestalterischen Umsetzung her, ein großartiges Album vor, das sicherlich für einige, die mit Neugier nach besonderen Alben suchen, das Zeug für ihr 'Insel-Album' haben wird.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 34x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 14 von 15 Punkten [?]
14 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (17:31):
  • I'm Right On (4:56)
  • She's The Rain (3:39)
  • After The Rain (2:07)
  • I've Gone Away (3:02)
  • Life On Rennes – Tribute Song to Alain Faure (3:47)
  • Seite B (21:46):
  • Starless Dream (3:27)
  • Break My Hopes (5:49)
  • Firearm Load (4:34)
  • Valse Noire (3:41)
  • There Is A Light That Never Goes Out (4:15)

Besetzung:

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