Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Roger Hodgson: Hai Hai – 180g-Vinyl-Half-Speed-Master (Review)

Artist:

Roger Hodgson

Roger Hodgson: Hai Hai – 180g-Vinyl-Half-Speed-Master
Album:

Hai Hai – 180g-Vinyl-Half-Speed-Master

Medium: LP/farbig/Remaster
Stil:

Art-Rock, Singer/Songwriter, Indie-Pop

Label: Universal Music, A&M Records
Spieldauer: 49:01
Erschienen: 21.08.2026
Website: [Link]

Drei Jahre nach dem beeindrucken Solo-Debüt „In The Eye Of The Storm“ war es aus der Sicht des ehemaligen SUPERTRAMP-Kopfes ROGER HODGSON höchste Zeit für die Fortsetzung seiner Solo-Karriere, die er eindrucksvoll im besten SUPERTRAMP-Stil mit besagtem Debüt begonnen hatte.
Würde es gelingen, diese Qualität auch auf „Hai Hai“ zu halten?
Leider nein – wie bereits an dem relativ einfallslosen LP-Cover zu erkennen ist, welches weit hinter das von „In The Eye Of The Storm“ zurückfällt.
Doch auch die Umstände während der Aufnahmen entwickelten sich unvorhersehbar zu einer Katastrophe, die kurz vor der Veröffentlichung eine bühnenreife Dramatik entwickelten...
Doch dazu später.


Hai Hai – 180g-Vinyl-Half-Speed-Master“ ist nach dem Hodgson-Debüt das zweite 2026 von Remaster-Spezialist Miles Showell in den Londoner Abbey Road Studios, vor deren Tür die BEATLES über den Zebrastreifen marschierten, im 180g-Vinyl-Half-Speed-Master klangtechnisch extrem aufgepeppt wurde und damit für alle Musikfreunde, denen deutliche Soundverbesserungen im Vergleich zum 1987er-Original wichtig sind, ein echter Zugewinn ist, selbst wenn sie die Original-Ausgabe bereits besitzen sollten.

Eine Möwe macht allerdings noch keinen Sommer und ein großartiger Album-Beginn in bester Mundharmonika-„School“-Manier macht noch kein gutes Album. So könnte man leicht abgewandelt die Wirkung von „Hai Hai“ aus dem Jahr 1987 beschreiben, das es nunmehr als klangtechnisch großartige 2026er-Neuauflage im „Hai Hai – 180g-Vinyl-Half-Speed-Master“ zu erstehen gibt. Übrigens schrieb der 'Rolling Stone' in recht maßloser Arroganz dazu, dass auf „Hai Hai“ eine Armada aus Synthesizern auf fade Songs und belanglose Lyrics trifft.
Okay, man muss das Album nicht mögen, aber solch herablassende Wertung hat es wirklich nicht verdient, auch wenn es wie eine seltsam Melange aus SUPERTRAMP und TOTO klingt, wofür es nicht nur einen triftigen Grund gab.


Für „Hai Hai“ hatte sich ROGER HODGSON bandtechnisch gleich mit drei TOTO-Musikern verstärkt (David Paich sowie Jeff und Steve Porcaro), was unweigerlich zur Folge hatte, dass deren Einfluss hinter „Hai Hai“ unüberhörbar war und das SUPERTRAMP-Feeling mit einem TOTO-Feeling gepaart wurde. Dieses ist auch auf „Hai Hai – 180g-Vinyl-Half-Speed-Master“ in seiner deutlich verbesserten, klangvollen Schönheit nachzuhören.

„You Make Me Love You“ geht im Grunde als typische SUPERTRAMP-Nummer mit mittelmäßigen Hit-Qualitäten durch und auch dass es diesmal nicht nur einen, sondern zwei Songs mit Saxophon-Begleitung („London“ und „House On The Corner“) gibt, ist auf der Positiv-Seite zu verbuchen, genauso wie der 'schulische' Mundharmonika-Start auf „Right Place“. Und auch das Mundharmonika-Solo auf dem Titelsong ist ein echter Hammer, der sogar das zugleich progressivste Stück anstimmt, welches trotz aller Qualitäten leider ziemlich untergeht. Unverständlich, denn auch hier gilt, dass noch einmal fast alle echten SUPERTRAMP-Trademarks ausgelotet werden, wobei allerdings ein wenig mit dem Keyboard-Bombast übertrieben wird. So bringt das Stück dann auch eine gewisse PHIL COLLINS- oder Spät-GENESIS-Attitüde mit sich, wobei das lieblose Ausblenden zum Ende hin „Hai Hai“ ebenso nicht wirklich gut zu Gesicht steht.


Allein die herrliche Falsett-Stimme von ROGER HODGSON lässt natürlich auch auf „Hai Hai“ jeden SUPERTRAMP-Fan aufhorchen. Daher sind eben immer zugleich 50% SUPERTRAMP in dem zweiten Hodgson-Solo-Album drin, wobei im Vorgänger mindestens bei den Kompositionen und instrumentalen Ideen 80% enthalten waren, die ausreichten, um die fast parallel dazu erschienenen SUPERTRAMP-Alben (mit dem verbliebenen Rick Davies) in den Schatten zu stellen, selbst wenn sogar auf „Brother Where You Bound“ ein DAVID GILMOUR zur Gitarre griff.

Und dass gleich drei beteiligte TOTO-Mitglieder auf „Hai Hai“ offensichtliche Spuren ihrer Band hinterlassen, ist logisch, sodass sich in „London“ sogar ein paar Reggae-Rhythmen einschleichen und sich das Hit-Potenzial („Who's Afraid“ oder „Land Ho“ und „House On The Corner“) von „Hai Hai“ deutlich steigert – leider nicht nur im positiven Sinne.

„Hai Hai“ blieb insgesamt recht erfolglos und größtenteils unbeachtet, wofür es neben der nur durchschnittlichen musikalischen wie kompositorischen Qualität einen weiteren tragischen Grund gab: In der Veröffentlichungswoche des Albums machte ein schwerer Unfall Hodgsons weiterer Musikerlaufbahn vorerst einen fetten Strich durch die Rechnung. Bei einem Sturz brach sich der Mann, für den seine Stimme genauso wichtig wie sein Gitarren- und Piano-Spiel waren, beide Handgelenke. Nach sehr langer Genesungszeit gelang es ihm trotz schlechter Prognosen der Ärzte glücklicherweise die Bewegungsfähigkeit seiner Handgelenke wiederherzustellen. Doch da war die Möglichkeit, sein zweites Solo-Album ausgiebig zu promoten, längst vorbei.


Mit einem echten Hammer und Hodgson-Dauerbrenner endet „Hai Hai“. Denn hier lässt er wortwörtlich die Puppen tanzen. Mit viel Gefühl und wunderschönen Harmonien kommt „Puppet Dance“ daher und hinterlässt einen richtig guten Eindruck zum Schluss. Ein Song, der mit zu den Publikumsfavoriten, die besonders laut bejubelt werden, bei den Konzerten gilt.

Eigentlich wären damals vor fast 40 Jahren durchaus genügend Songs vorhanden gewesen, um mit diesem Album erfolgreich auf Tour zu gehen und es erfolgreich zu promoten. Doch ROGER HODGSON konnte besagte Puppen nicht live tanzen lassen, da ihm dieser tragische Unglücksfall in die Quere kam. Was bleibt, ist aber dieses nun auch im Sound bestens bearbeitete „Hai Hai – 180g-Vinyl-Half-Speed-Master“, welches aus damaliger Sicht vielleicht noch eine ziemliche Enttäuschung war, aus heutiger Sicht allerdings tatsächlich noch immer modern und keinesfalls abgenutzt klingt.


FAZIT: Das zweite Hodgson-Solo-Album aus dem Jahr 1987 ist nunmehr als „Hai Hai – 180g-Vinyl-Half-Speed-Master“ ein klangvolles Erlebnis (Abbey-Road-Half-Speed-Master), welches bisher ungeahnte Klangdetails hervorhebt. Remaster-Spezialist Miles Showell leistete in den Londoner Studios wirklich Beeindruckendes. Außer dem 'neuen' Klang bleibt bei „Hai Hai – 180g-Vinyl-Half-Speed-Master“ in puncto LP-Gestaltung und farbigem LP-Einleger mit allen Liedtexten ansonsten alles beim Alten. Leider ging das Album bei seiner Erstveröffentlichung doch ziemlich unter – obwohl gleich drei TOTO-Mitglieder mit eingebunden waren – was in erster Linie nicht etwa an der Qualität der Musik lag, sondern daran, dass sich ROGER HODGSON in der „Hai Hai“-Veröffentlichungswoche bei einem schweren Unfall beide Handgelenke brach, womit ihm alle Möglichkeiten des Bewerbens während Konzerten genommen worden waren.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 72x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Seite A (23:41):
  • Right Place (4:06)
  • My Magazine (4:42)
  • London (4:13)
  • You Make Me Love You (5:09)
  • Hai Hai (5:31)
  • Seite B (25:20):
  • Who's Afraid? (5:01)
  • Desert Love (5:29)
  • Land Ho (4:09)
  • House On The Corner (5:24)
  • Puppet Dance (5:17)

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Schreibe das folgende Wort rückwärts: Regal

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!