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Interview mit VINTERSORG (24.01.2026)
Auch wenn VINTERSORG in meiner Wahrnehmung mit keinem der in den vergangenen zwei Jahrzehnten eingespielten Alben den Frühwerken von "Hedniskhjärtad" bis "Cosmic Genesis" (meinem Lieblingsalbum der Schweden) das Wasser reichen konnte, so sind die Verdienste der Band für den Folk / Black Metal doch zu groß, als dass ich neue Aufnahmen durchweg ignorieren könnte. Und somit lauschte ich auch dem jüngst veröffentlichten Werk "Vattenkrafternas Spel" und staunte nicht schlecht, denn die Scheibe tönt ziemlich frisch, abwechslungsreich und beherzt. Ergo bat ich Mister V aka Andreas Hedlund im Spätherbst 2025 um einige Statements zu seinem Schaffen, das sich längst nicht mehr nur auf Werkeln im stillen (?!) Kellerlein erstreckt...
Hallo Mister V! Vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst, und herzlichen Glückwunsch zu "Vattenkrafternas Spel", einem ziemlich frischen, kraftvollen Album! Ihr habt vor kurzem einen Gig beim House Of Metal Festival in Umeå gespielt, und ich hoffe, Du hast es genossen, wieder auf der Bühne zu stehen und wahrscheinlich eine Auswahl neuer Songs und Klassiker zu spielen?!
Hallo! Ja, wir sind sehr zufrieden mit dem neuen Album, und der Auftritt beim House Of Metal war etwas ganz Besonderes. Wir haben nämlich etwas auf die Beine gestellt, was wir noch nie zuvor gemacht hatten, und zwar Songs von allen Alben zu spielen... Also haben wir einen langen Gig mit 15 Songs gespielt, und es war der Hammer!
Vor einigen Jahren saß ich nach einer Konzertnacht mit einem Kater auf einem Felsen am Fuße eines Wasserfalls, wo das gurgelnde Wasser wieder zu einem fließenden Bach wird. Während die Sonne über der Waldlandschaft aufging, schaute ich ins Wasser und auf das Ufer. Und je länger ich schaute, desto mehr überwältigte mich die vielfältige Schönheit dieses Ortes: Obwohl der Felsen nur wenige Quadratmeter maß, fand ich auf seiner Oberfläche unter anderem Blaubeeren, Himbeeren und Walderdbeeren – als wollte das Leben dort mit größter Kraft erblühen. Hat eine solche Wahrnehmung "Vattenkrafterns Spel" inspiriert und welche Orte und Erinnerungen verbindest du mit den Songs auf diesem Album?
Ja, ich bin ein Naturfreak in jeder Hinsicht, und ich begeistere mich für schöne Landschaften und Natur-Szenerien auf eine eher romantische Weise ebenso wie für eher wissenschaftliche Perspektiven. Dieses Album befasst sich mit dem Element Wasser in all seinen Formen in der Natur: Flüsse, Ozeane, Wolken, Eis, Schnee und so weiter, und verwebt Geschichten, welche diese Phänomene behandeln, wobei auch der Mensch in diesen Kreislauf einbezogen wird. Ich schreibe meine Texte immer unter Berücksichtigung der Beziehung von Mensch und Natur, und füge dann noch eine philosophische Ebene hinzu, da ich mich selbst immer mit diesen Themen auseinandersetze. Das Album ist das vierte Werk im Elementzyklus, und mit Wasser als letztem Element schließen wir dieses Kapitel ab.
"Ur Älv Och Å" kombiniert melodischen und Black-Metal-Gesang sowie Gesang, der vom Joik inspiriert zu sein scheint, ähnlich wie Finntroll ihn einst in ihren Folk-Black-Metal integriert haben. Ist das eine Möglichkeit, Landschaften mittels Musik zu malen, oder was steckt hinter diesem speziellen Gesangsstil in jenem Song?
Oh, ich bin mit Folk-Musik, Rock, Metal und so weiter aufgewachsen. Also fand ich einfach, dass sich diese Art von Melodie für diesen Gesangsstil anbot, um das richtige Gefühl für diesen Teil des Songs zu transportieren. Ich habe das schon früher verwendet, insbesondere in den Tagen von Otyg, meiner alten Folk-Rock-Metal-Band. Ich nehme stets das, was am besten zum Song passt, und in diesem Sinne lasse ich die Songs ihr eigenes Leben entfalten und versuche einfach, mitzugehen und zu verstehen, was vor sich geht, und das anzunehmen. Musik ist für mich pure Leidenschaft, und das Schreiben der Songs ist der beste Teil davon.
Mit "Vattenkrafternas Spel" hast Du, wenn ich das richtig verstanden habe, eine Trilogie abgeschlossen, sodass sich der Fokus in der nächsten VINTERSORG-Ära vielleicht wieder auf neue Gebiete verlagern wird...?
Es ist ein vier Alben umfassender Zyklus, der sich den vier Elementen widmete. Wir haben dieses Kapitel nun abgeschlossen und nehmen gerade ein neues Album auf. Dieses wird die klassischen VINTERSORG-Elemente enthalten, allerdings auch einige neue Nuancen aufweisen. Es wird wohl ein ziemlich folkiges Album und nicht so progressiv, eher episch und geheimnisvoll, würde ich bisher sagen. Aber noch ist nicht alles aufgenommen, daher wird sich das Album in seiner ganzen Pracht erst zu erkennen geben, wenn wir weitere Noten hinzufügen. Doch genau diesen Moment liebe ich: Zu hören, was ich zuvor während des Komponierens in meinem Kopf gehört hatte.
Seit der Veröffentlichung von "Hedniskhjärtad" im Jahr 1998 ist viel passiert, und man kann ohne Übertreibung sagen, dass Deine persönliche Interpretation von Folk/Black Metal seitdem zahlreiche Bands inspiriert. Ohne Dein Wirken würde eine Band wie Alvenrad aus den Niederlanden definitiv anders klingen – wenn sie überhaupt jemals entstanden wäre. Bist Du glücklich darüber, dass Du Fans und andere Musiker in verschiedenen Teilen der Welt inspiriert hast und inspirierst, und dass sogar quasi vor Deiner Haustür eine Band wie Istapp einigen Eurer Spuren durch die winterliche Landschaft folgt?
Ja, das ist natürlich schön. Ich hatte nie die Absicht, nur um des Einflusses willen auf andere so inspirierend zu wirken. Doch ich mache das schon seit langer Zeit, genauer gesagt seit 30 Jahren, und wenn es anderen gefällt und sie darin Inspiration finden, ist das in gewisser Weise magisch. Ich kommuniziere täglich viel mit Fans und anderen Bands auf der ganzen Welt, und es ist so schön, dieses direkte Feedback zu bekommen und zu erleben, was die Musik, die ich schreibe, anderen Menschen bedeutet – das ist sehr positiv und super-cool.
Was Deine poetischen Texte angeht, kann man Dich wohl auch nach all den Jahren noch als heidnisch beherzt bezeichnen, und ich vermute, dass Deine Vorstellung von einem guten Leben nicht darin besteht, das neueste Smartphone, den größten SUV und ähnliche Dinge zu kaufen. Aus Mainstream-Sicht mag Deine Ehrfurcht vor Mutter Natur naiv, wenn nicht gar töricht erscheinen, aber offensichtlich hältst Du mit tiefer Überzeugung daran fest. Welche Erfahrungen haben Dich dazu gebracht, und kannst Du Personen nennen, die Dich auf Deinem heidnischen Weg bestärken?
Ich bin nicht im eigentlichen Sinne des Wortes heidnisch beherzt. Ich liebe viele verschiedene Seiten des Lebens, allerdings ist meine Liebe zur Mutter Natur immer das Fundament. Ich beschäftige mich auch gerne mit Geschichte, um aus ihr zu lernen und zu begreifen, wie weit wir bereits gekommen sind; jedoch auch, um zu prüfen, was wir aus vergangenen Zeiten reaktivieren könnten, um ein reicheres Leben zu führen. Ich liebe die Wissenschaft, da sie ebenfalls ein Weg ist, die Natur zu verstehen. In der Wissenschaft gibt es viele Bereiche, darunter zum Beispiel Technik und Maschinenbau, und ich sehe unsere technische Entwicklung nicht als Widerspruch zur Natur. Wir nutzen verschiedene Werkzeuge, um verschiedene Aspekte des Lebens zu meistern. So arbeite ich tagsüber als KI-Koordinator und beschäftige mich bereits seit etwa zehn Jahren mit KI.
Danke für Deine Zeit, die Musik und alles Gute für Deine Reise – ich freue mich schon darauf, das kommende Harmdaud-Album zu hören!
Ja, ein neues Harmdaud-Album befindet sich in der Mache. Aufgrund unseres geschäftigen Alltags dauert es etwas länger als geplant, doch nun arbeiten wir daran.
Bandfotos: Johan Karlsson
- Vintersorg - Jordpuls (2011)
- Vintersorg - Orkan (2012)
- Vintersorg - Vattenkrafternas Spel (2025)
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