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Bauer, Garn & Dyke: Himmel, Arsch & Zwirn (1982) - Remaster (Review)

Artist:

Bauer, Garn & Dyke

Bauer, Garn & Dyke: Himmel, Arsch & Zwirn (1982) - Remaster
Album:

Himmel, Arsch & Zwirn (1982) - Remaster

Medium: CD
Stil:

Blues, Deutschrock, Hardrock

Label: Sireena Records
Spieldauer: 38:28
Erschienen: 20.01.2026
Website: [Link]

„Himmel, Arsch & Zwirn“ mussten wohl BAUER, GARN & DYKE kurz nach diesem, sehr gelungenen zweiten deutschsprachigen Blues-Rock-Album selber denken. Denn „Himmel, Arsch & Zwirn“! Nach diesem Album war auch schon die Zeit von BAUER, GARN & DYKE vorbei. Wer dieses Album allerdings genauer hört und als humorvoller Blues-Freund sicher auch genießt, wird sich daraufhin die Frage stellen: Warum?
Die Antwort ist denkbar einfach.
Denn einer der drei Namen kam dem Blues-Rock-Trio abhanden: Hannes Bauer. Ohne Wenn und Aber im Grunde der wichtigste Mann bei BAUER, GARN & DYKE, durch dessen Leidenschaft sich die Band erst gründete und der als Gitarrist und Sänger das absolute Aushängeschild war. Daher heißt es so bildhaft im Booklet des dreiflügeligen Digipaks, das diese neu gemasterte Neuauflage des Albums aus dem Jahr 1982 gestaltet: „In Hannes Bauers Händen mutiert die Gitarre zum Flammenwerfer, und wenn es Gerechtigkeit in der Welt gäbe, dann würde man das Konterfei dieses linkshändigen Hamburger Genies in irgendeinen Berg meißeln, gleich neben Rory Gallagher, Billy Gibbons und einem anderen großen Linkshänder.“
Für ein in Stein gemeißeltes Abbild inmitten eines Berges reichte es dann zwar nicht, dafür aber für das PANIKORCHESTER von UDO LINDENBERG.


„Himmel, Arsch & Zwirn“ ist der zweite Beweis dafür, wie viel Energie von dem deutschsprachigen, oft auf lustig, aber manchmal auch ziemlich albern getrimmten Blues Rock des Trios mit dem 'Feuerbauer' ausgeht, das im Begleittext der „Himmel, Arsch & Zwirn“-Neuauflage (ohne jegliche Extras) mit ähnlichem Humor von Frank Schäfer folgendermaßen beschrieben wird: „Bauer besitzt nicht nur ein Händchen für Riffs und eine eichhörnchenhafte Leichtigkeit den Ast rauf und runter zu flitzen, er hat noch dazu eine Sprache gefunden, die seine infantile Freude am Kalauer und Flachwitz mit einer gehörigen Portion Straßenwitz füttert.“

Daher beginnt das Album voller Witz und Tempo mit dem „Sabbel Buggie“ sowie den „Rock'n'Roll Musketiere[n]“ und der 16-jährigen Sexy- „Marleen“ (für den DDR-Rocker dürfen hier zugleich Parallelen zu PANKOW gezogen werden), auch wenn dazwischen „Hallo Jo“ über ein Motorradrennen mit tragischem Ausgang berichtet. Mit „Die Spinne“, dem mit gut 5 Minuten längsten Song, wird dann der Blues in seiner ganzen Schönheit ausgelebt und man versteht sofort all die Lobeshymnen auf die bauerschen Fähigkeiten als 'Eichhörnchen-Flitzefinger': „Immer noch bin ich die Spinne, Baby, und ich fange hier alles ein...“


Aber es gibt noch etwas auf „Himmel, Arsch & Zwirn“, das uns genau das Lebensgefühl der 1980er-Jahre präsentiert, welches eben ohne die Digitalisierung und den Mobiltelefon-Wahnsinn auskamen. Es ging um Autos, Motorräder, Frauen, Partys und ein Lebensgefühl der Freiheit, nicht über jedes Wort oder jeden Satz nachdenken zu müssen, um sofort in irgendwelche Schubladen als perverser Zeitgenosse oder bösartiger Mann gesteckt oder Chatrooms ausgeschlossen zu werden. Leute, die Zeiten haben sich wirklich geändert – in Richtung E-Autos, Smartphones, Hass-Mails und denunziatorische Überwachungs-NGOs oder sonstwas, gegen das man aus irgendwelchen Gesinnungsgründen ist und das in jedem Post oder Video zum Besten gibt. Außerdem sind alle Nazis, außer Mutti...
Ist das heutzutage wirklich ein Fort- oder vielleicht doch Rückschritt?

Manchmal vermisst man beim Hören von „Himmel, Arsch & Zwirn“ genau diesen Zeitgeist, der uns in den vergangenen 45 Jahren komplett abhanden gekommen zu sein scheint. Gut, dass wir den mal wieder mit diesem Album von BAUER, GARN & DYKE aufflammen lassen können, so wie es der „Pyro-Manni“ tut bis wir am Ende mit einer fein swingenden Blues-Ballade entlassen werden – denn „Mit dir geht es richtig los“. Das gilt auch für das zweite und zugleich letzte Album dieses deutschsprachigen Blues-Trios.


FAZIT: Das zweite und zugleich letzte Album von BAUER, GARN & DYKE, das mit seinen deutschsprachigen Blues- und Rock-Songs genauso frech rüberkommt wie der Albumtitel „Himmel, Arsch & Zwirn“. Neu aufgelegt von Sireena Records und gemastert von Marlon Klein lädt es uns ins Jahr 1982 ein und zugleich eine Zeit, die aus heutiger Sicht so weit weg, aber in gewisser Weise auch so weit lockerer und unkomplizierter erschien. Darum darf man in dem dreiflügeligen Digipak der Neuauflage beider Alben auch von einem 'kerosingetriebenen Powertrio' lesen, dass „OTTO sowie INSTERBURG & CO und Neue Frankfurter Schule auf MUDDY WATERS“ treffen lässt. Das passt schon, aber irgendwie auch nicht, denn solche Texte wären einem Waters nie aus der Feder gepurzelt. Dann begab sich Bauer in das Panikorchester von UDO LINDENBERG, bei dem BAUER, GARN & DYKE sogar im Vorprogramm auftraten, um dann aber nach „Himmel, Arsch & Zwirn“ das Handtuch zu werfen, das Sireena mit diesen beiden Neuauflagen des 1978er- („Sturmfrei“) und 1982er-Albums erneut in den Ring wirft.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 25x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Sabbel Buggie
  • Rock'n'Roll Musketiere
  • Hallo Jo
  • Marleen
  • Die Spinne
  • Alte Autos und Rock'n'Roll
  • 1000 Elefanten
  • Pyro-Manni (Feueralarm!)
  • Lonly Harz
  • Mit dir geht es richtig los

Besetzung:

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