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RUHRPOTT METAL MEETING 2019 | Samstag - Turbinenhalle Oberhausen - 07.12.2019

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RUHRPOTT METAL MEETING 2019

Turbinenhalle Oberhausen, 07.12.2019

Das Ruhrpott Metal Meeting – Tag 2 auf zwei Bühnen

Der zweite Tag des RUHRPOTT METAL MEETINGs findet traditionell auf zwei Bühnen statt. Waren Tag zuvor alle Acts auf der Ruhrpott-Stage konzentriert, verlagert sich das Ganze am Samstag auch auf die kleinere Turbinenhalle 2, auf der STILLBIRTH mit zwanzigminütiger Verspätung laut Eigenwerbung „Brutal Surf Death Metal“ ins Publikum hämmern. Zumindest das Bühnenoutfit der Jungs aus Hagen erinnert mehr an Surfen denn an ein Metal-Konzert, beackern die Musiker ihre Instrumente doch oberkörperfrei und in Bermuda-Shorts, die wohl demselben Laden entstammen wie die Kluft von Trevor Strnad, der bereits am Vortag im Wettbewerb um das gruseligste Bühnenoutfit klar in Führung ging.

GRACELESS und OKILLY DOKILLY: Doom-Metal und Cartoon-Mucke

Direkt im Anschluss beackern GRACELESS, ihrem Namen alle Ehre machend, die Flöz-Stage gnadenlos und mit Vehemenz. Die Verspätung ist indessen noch nicht aufgeholt, so dass die Doom-Metaller den Staffelstab ebenfalls mit Verspätung an die Ned Flanders-Gedächtnis-Combo OKILLY DOKILLY weiterreichen, deren Verdienst innerhalb der Szene darin besteht, Songmaterial ausschließlich mit Ned Flanders-Zitaten auszustaffieren, um dem Cartoon-Nachbarn der SIMPSONS ein musikalisches Denkmal zu setzen.

Während die Jungs aus Phoenix hier noch weiter Gas geben, geht es hinüber zur Ruhrpott-Stage, auf der sich DEBAUCHERY angesagt haben. Blutverschmiert und fern der Heimat, denn nach eigener Aussage geradewegs aus der Hölle kommend im Ruhrpott gelandet, wird hier dem Blutgott gehuldigt, der in Gestalt von Frontmann Thomas Gurrath ja auch leibhaftig anwesend zu sein scheint.

Weiter geht es mit CARNIVORE A.D., die aufgrund der immer noch bestehenden Verspätung ihren Soundcheck vor vollbesetzter Halle durchziehen, bevor man mit dem eigentlichen Showact beginnen kann. Auch die Soundprobleme durch partiell ausfallende PA im Mittelteil der Show kann die Thrash-Metaller nicht aus der Ruhe bringen. Hut ab!

THE IRON MAIDENS: Mit den Heroen auf Augenhöhe

Dann aber wird es Zeit, sich wieder an der Ruhrpott-Stage einzufinden, wo mit THE IRON MAIDENS die einzige MAIDEN-Tribute Band auf dem Programm steht, die sich ausschließlich aus weiblichen Musikern rekrutiert. Dass beim Casting der Band nicht nur Wert auf das Aussehen der Mädels gelegt worden ist, wird bereits nach den ersten Takten des Openers „Aces High“ deutlich, der brachial und extrem nahe am Original bleibt.

Kirsten Rosenberg, die den Platz am Mikrofon innehat und unter dem Kampfnamen Bruce Chickinson bekannt ist, interpretiert die Klassiker der frühen MAIDEN-Jahre souverän und stimmlich perfekt. Neben ihr brillieren Courtney Cox und Nikki Stringfield an den Stromgitarren, während Wanda Ortiz am Bass und Linda McDonald am Schlagzeug für den Groove verantwortlich sind. Ein richtig stimmiger, weil auch musikalisch überzeugender Auftritt, der zwar die Verbeugung vor dem Original vollzieht, aber mit Highlights wie „22 Acacia Avenue“, „Children Of The Damned“ oder „Hallowed Be Thy Name“ auf Augenhöhe mit den Heroen ist. Entsprechend triumphal gerät auch der Abgang der Ladies von der Main-Stage.

Zurück an der Flöz-Stage gibt es ein Wiedersehen mit NECROPHOBIC, die ich im Sommer bereits in Wacken gesehen hatte. Sympathisch und gutgelaunt brettern die Schweden mit ihrem Death-Metal nach vorn und haben mit der gut gefüllten Halle keine Schwierigkeiten, obwohl der Sound etwas wenig crisp zu nennen ist. Ein starker Auftritt.

KISSIN´ DYNAMITE oder: Wie man die Bühne in Brand setzt

Danach wird es richtig heiß, denn KISSIN` DYNAMITE brennen, passend zum Opener „I Got The Fire“, direkt zum Auftakt ihres Set eine beachtliche Menge leicht entflammbarer Flüssigkeiten ab, so dass die Fotografen erst zum zweiten Song in den Graben dürfen. Die Tübinger um Frontmann Hannes Braun machen dem selbstgewählten Motto „bring back stadium rock“ alle Ehre und reißen ein Programm ab, das den Bands der glorreichen 80er zur Ehre gereichen würde: Tolles Songmaterial, perfekte Bühnenshow, exaltiertes Posing und immer wieder Pyro-Technik bilden die Grundlage des Gigs, der die Turbinenhalle im Sturm nimmt. Ein weiteres Highlight an diesem dicht gepackten, zweiten Tag.

> Alle KISSIN´ DYNAMITE - Fotos gibt es hier <

BATTLE BEAST und Noora in Höchstform

Ein kurzer Abstecher zu den zeitgleich auf der Flöz-Stage musizierenden ENTOMBED A.D. ist auch noch drin, bevor mit BATTLE BEAST die Party auf der Ruhrpott-Stage weitergeht. Eine Noora Louhimo in Normalform ist schon eine Naturgewalt, aber an diesem Abend legt die Dame direkt beim Opener „Unbroken“ eine Energie an den Tag, die ihre sonst eher im Hintergrund agierenden Mitstreiter förmlich elektrisiert und ihrerseits zu passablen Showeinlagen motiviert, die ich in Bochum oder WACKEN so nicht gesehen habe. Die sonst eher grimmig dreinblickende Frontlady scherzt und flirtet mit den Kameras, während sie so ganz nebenbei auch stimmlich absolute Höchstleistungen vollbringt. Die zusätzlichen Nebelkanonen, die in Bochum etwas überdimensioniert wirkten, entfalten zusammen mit den immer wieder einsetzenden Pyro-Effekten hier in Oberhausen ihre volle Wirkung und sorgen für optische Highlights, die den Weltklasse-Auftritt der Finnen eindrucksvoll untermalen. Der Stampfer „Black Ninja“ darf ebenso wenig fehlen wie „The Golden Horde“ vom aktuellen Album „No More Hollywood Endings“, während „Bastard Son Of Odin“ die Aerobic-Style Showeinlagen der Lady voll zur Geltung kommen lässt, die trotz eben jener Tanz- und Hüpfeinlagen grandios bei Stimme ist und eindrucksvoll unter Beweis stellt, über die bei weitem besten weiblichen Vocals im Metal-Business zu verfügen. Nach „Beyond The Burning Skies“ ist Schluss und jedem in der Halle ist zu diesem Zeitpunkt klar, dass diese Show wohl schwer zu toppen sein wird.

> Alle BATTLE BEAST - Fotos gibt es hier <

QUEENSRŸCHE melden sich eindrucksvoll zurück

Die undankbare Aufgabe, dies zu realisieren, haben die wiedererstarkten QUEENSRŸCHE, die nach dem Abgang Geoff Tates zunächst im Nirvana dümpelten, mittlerweile aber, insbesondere auch mit dem neuen Album „The Verdict“ zurück in der Erfolgsspur sind. Zahlreiche Festivalauftritte wie der in WACKEN machen dies deutlich. Todd La Torre empfängt die Metalheads zunächst mit einer Sonnenbrille, die er aber bereits während des Openers „Blood Of The Levenat“ zurück in die Requisite schleudert.

Das kongeniale Gitarrenduo Michael Wilton und Parker Lundgren spielt sich ein ums andere Mal die Bälle zu, während sich Bassmann Eddie Jackson dezent im Hintergrund hält, deshalb aber keinen Deut weniger groovt. Die Stimmung hat sich im Vergleich zu den beiden Acts zuvor komplett verändert. Stand bei KISSIN` DYNAMITE und BATTLE BEAST die Show im Vordergrund, erfordert die Vielschichtigkeit der Progressive-Metaller eine veränderte Herangehensweise des Publikums.

Bei Songs wie „Operation: Mindcrime“ oder „Silent Lucidity“ spielt der Party-Aspekt nur eine untergeordnete Rolle. Tiefgründige, facettenreiche und düster-melancholische Elemente beherrschen hier die Bühne, von QUEENSRŸCHE eindrucksvoll in Szene gesetzt, allen voran der entfesselt dreinschmetternde Todd La Torre, der hier auf der Ruhrpott-Stage eine wahre Sternstunde hat.

Auch das fantastische „Jet City Woman“ darf im Set nicht fehlen, von La Torre wiederum grandios interpretiert. Einer der vielen Gänsehautmomente der Show. Nach „Take Hold Of The Flame“ verabschiedet sich die Band zunächst kurzfristig, um zum großen Finale mit „The Needle Lies“, „Empire“ und „Eyes Of A Stranger“ einen tollen Abschluss auf die Bühne zu bringen.


FAZIT: Auch die fünfte Auflage des RUHRPOTT METAL MEETINGs liefert ein Spektakel der Extraklasse. Die gewohnt familiäre Atmosphäre, von den Organisatoren akribisch kultiviert, macht das Festival zur festen Größe im dicht gepackten Terminkalender der Metalheads, die auch in diesem Jahr ein buntes Pot(t)pourri an Bands geboten bekamen, das Vergleiche mit deutlich größeren Events nicht zu scheuen braucht und den Ruf des RUHRPOTT METAL MEETINGs als dem des wichtigsten Indoor-Metal-Festivals des Ruhrgebiets zementiert.

> Hier geht es zum Freitag <

Stefan Haarmann (Info)

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