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Signal-Bruit: Planisphères (Review)

Artist:

Signal-Bruit

Signal-Bruit: Planisphères
Album:

Planisphères

Medium: CD/Download
Stil:

Electronic/Instrumental

Label: meshwork Music
Spieldauer: 60:52
Erschienen: 18.11.2016
Website: [Link]

André Schmechta, seines Zeichens Kopf von X-MARKS THE PEDWALK hat mit meshwork Music ein eigenes Label gegründet. Für die Premierenveröffentlichung sorgt der französische Musiker Member U-0176 aka SIGNAL-BRUIT mit dem Album „Planisphères“. Dass es sich um elektronische Musik handelt, stand fast zu erwarten, doch dass ein Werk erscheinen würde, dessen Wurzeln eher in der Berliner Tradition zu finden sind als zumindest sachte im EBM zu fußen, ist eine gelungene Überraschung. Dass es sich bei „Planisphères” um ein Konzeptalbum ohne Worte handelt, setzt noch eins drauf.

1884 veröffentlichte Edwin Abbott Abbott unter dem Pseudonym A. Square die Novelle „Flatland. A Romance of Many Dimensions (dt. Titel „Flächenland“)“. Eine höchst eigenwillige Mischung aus gesellschaftskritischer Satire und geometrischer Studie. Das Viktorianische England wird mittels einer streng hierarchischen zweidimensionalen Welt karikiert. Im „Flatland“ leben geometrische Figuren, eingeteilt in Kasten, streng reguliert nach Gleichförmigkeit und Anzahl der Seiten. Ganz unten stehen die gleichschenkligen Dreiecke, gefolgt von den gleichseitigen. Darüber, als Gelehrte und gehobenes Bürgertum, die Quadrate, deren Nachkommen die noch besser gestellten Fünfecke sind. Ganz Oben steht die Priesterkaste, die Kreise. Ach ja, Frauen gibt es natürlich auch, dargestellt durch gerade verlaufende Linien. Der gebildete Erzähler A. Square bekommt im Verlauf der Erzählung das Wissen vermittelt (dank einer Kugel), dass mehr als zwei Dimensionen existieren. Folgerichtig wird er als Ketzer und Aufrührer eingekerkert. Klingt bekannt? „Flatland“ kann man, oh Wunder, auch heute noch mit Genuss und Erkenntnisgewinn lesen.

Der Stoff bietet sich für elektronische Musik geradezu an. So lässt SIGNAL-BRUIT Synthesizerklänge wachsen, perlen, umeinander kreisen, mal fließend weich, mal scharfkantig, meist mit pluckernden Sequencer-Rhythmen unterlegt. Das Album startet mit wellenförmigem Rauschen und Zwitschern, wird konkreter, tropfende Einzeltöne schälen sich aus dem Chaos, werden ergänzt um dahinfließende Klangskulpturen. Das erinnert an Tangerine Dream zu „Logos“-Zeiten, hinzu gesellen sich noch Michael Hoenig und Pete Namlook, Schmechtas eigenes SN-A-Projekt besitzt ebenfalls verwandtschaftliche Züge.

Die Berliner Schule ist insgesamt nicht fern, doch fehlen wabernde, ausladende Soundflächen fast vollständig, um die flirrenden, sich immer bewegenden Töne watteweich aufzufangen. Stattdessen lässige Beats und Momente aus dem KRAFTWERK.

Dabei gelingt es SIGNAL-BRUIT, seine Musik nie in abweisende Kälte gleiten zu lassen, trotz digitaler Klangerzeugung herrscht einnehmende Harmonie vor, die dennoch genügend abstrahierende Momente besitzt, um nicht in dahinsiechende Ping-Pong-Plantschereien auszuarten. Melodien werden entwickelt, verändern sich, kreuzen sich gegenläufig, streifen gemeinsam herum, verharren mitunter im Vordergrund, während sich dahinter schleichende Veränderung ihren Weg bahnt. „Planisphères” ist ein wunderbar austariertes, dramaturgisch wohldurchdachtes, konzeptionelles Werk, das einmal mehr eindrücklich belegt, welche Möglichkeiten die aktuelle elektronische Musik birgt.

FAZIT: Eine gute Idee, klug und spannend umgesetzt. SIGNAL-BRUIT kennt seine Vorbilder und Nachbarn und schafft doch etwas eigenes, so eine Art abwechslungsreichen Slowmotion-Techno in der Berliner Schule. Gerade, da Musikreviews in letzter Zeit wieder enorm Klaus Schulze-geprägt ist, ein höchst willkommene Abwechslung und hörenswerte Alternative. Sattelfest in der Vergangenheit, justiert in der Gegenwart. Feine Sache, dies.

Jochen König (Info) (Review 1776x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
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Tracklist:
  • Polygones
  • Chromatistès
  • Pantocyclus
  • Révélations
  • Prométhée

Besetzung:

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