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Nils Wülker: Zuversicht (Review)

Artist:

Nils Wülker

Nils Wülker: Zuversicht
Album:

Zuversicht

Medium: CD/LP
Stil:

Jazz mit viel Trompete

Label: Warner Music
Spieldauer: 46:44
Erschienen: 30.01.2026
Website: [Link]

„Ich habe nicht die Erwartung, dass Musik eine direkt messbare Veränderung herbeiführt. Aber immer das Vertrauen, etwas Positives rauszugeben, das sich irgendwo verfängt, räsoniert, manifestiert, und dass das hoffentlich sinnvoll und sinnstiftend ist.“ (Nils Wülker)

In Zeiten wie diesen sollte man unbedingt auf „Zuversicht“ setzen. Nunmehr nicht nur als ein optimistisches, hoffnungsvolles Gefühl, sondern auch als ein musikalisches. Zumindest wenn es wie in diesem Falle vom weltberühmten Trompeter NILS WÜLKER kommt, der sein aktuelles Album mit diesem ungewöhnlichen (erstmals) deutschen Titel versieht. Dieses hoffnungsvolle deutsche Wort bleibt aber zugleich das einzige in Wülkers Muttersprache, welches „Zuversicht“ ziert. Das hat einen mehr als guten bzw. unausweichlichen Grund. Denn „Zuversicht“ ist ein einzigartiges, bedeutungsschwangeres deutsches Wort, zu dem Wülker zwar eine passende englische Übersetzung suchte, aber nicht fand. Aus diesem Grunde trägt ein Wülker-Album zum ersten (und vielleicht auch letzten) Mal einen deutschsprachigen Titel.


Zuversicht“ ist wichtig, doch die meisten verlieren diese nach und nach immer mehr in einem Land, in dem man mit Lügen und Beschönigungen, Betrügereien und Verfassungsänderungen mithilfe bereits abgewählter Volksvertreter sowie der Umdeutung des Begriffs Schulden in Sondervermögen in das höchste Staatsamt kommt und von dort aus selbstverliebt und machtbesessen seine Spielchen treibt, neue Mauern baut und im Sinne des eigenen Machterhalts nach und nach die Demokratie und die Meinungsfreiheit gleichermaßen abbaut.

NILS WÜLKERs „Zuversicht“ dagegen ist ehrlich, leidenschaftlich, aufrichtig und so professionell, dass man zumindest in dessen Musik seine eigene „Zuversicht“ wiederfindet.


Klangvoll und zum Großteil mit ruhigen Tönen singt uns Wülkers Trompete im Einklang mit den namhaften, großartigen Jazz-Musikern, die ihn dabei begleiten, ganz ohne Worte ein Lied von der Freiheit, in der sich die „Zuversicht“ klangvoll mehr und mehr ausbreitet, nach neuen Räumen und klassisch jazzenden Klängen sucht.

Doch die Zeit wird zeigen, wie lange das alles noch gut geht – hoffentlich genauso klangvoll wie „Time Will Tell“, ein melancholisch mit Piano eingeleitetes Stück, dem sich erst die Trompete anschließt, beide Instrumente ein Duett bilden, dem sich dann nach und nach verträumt Bass und Becken hinzugesellen. Der verträumteste Titel auf „Zuversicht“, der voller Schönheit genau die entspannte Atmosphäre aufbaut, auf der Hoffnungen, Träume und Wünsche basieren.


Wülker jedenfalls verbrieft eine eindeutige Absicht hinter dem Titel, zu dem er durch ein Zitat, das zwar Albert Schweitzer zugeschrieben, wohl aber aus einem Gedicht von Samuel Ullman stammt, inspiriert wurde: „Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel.“
NILS WÜLKER meint dazu: „In den letzten Monaten, in der mir die Weltlage und die gesellschaftlichen Entwicklungen, wie wahrscheinlich vielen anderen auch, aufs Gemüt gedrückt haben, hat sich bei mir dieses Zitat verfangen.“
Und was macht ein Musiker, wenn sich bei ihm ein Zitat verfängt?
Im Falle von NILS WÜLKER jedenfalls daraus Musik, die genau das verbreitet, was einem im deutschen Alltag oder in Kriegszeiten immer mehr abhanden kommt: „Zuversicht“ und Harmonie, Schönheit und Trauer, Entspannung und innere Ruhe – alles, was man benötigt, um sich den Unbilden vor der Haustür zu stellen, sowie man auf die Straße tritt und der alltägliche Irrsinn seinen Lauf nimmt.

Gibt's da etwas Besseres als ein „Continuum“, also die Freiheit, alte Musik ganz neu zu denken und zu spielen – in Erinnerungen an die 'gute alte Zeit' zu leben, an der unser Bedarf an „Zuversicht“ noch nicht so extrem hoch war wie heute, wenn offensichtlich Lügen und Machtgier als Kontinuität verstanden werden.


Darum spielt NILS WÜLER dieses Album wohl auch in klassischer Jazz-Besetzung ein, also Klavier, Kontrabass, Schlagzeug und natürlich Trompete. Wülker bemerkt dazu: „Mit Aaron Parks, Linda May Han Oh und Greg Hutchinson habe ich mir eine wunderbare Band zusammengestellt, aber auch alles auf eine Karte gesetzt. Schließlich haben wir uns im Studio zum ersten Mal richtig getroffen, noch nie vorher zusammen gespielt und hatten dann dreieinhalb Tage, um ein ganzes Album aufzunehmen.“


Das reicht vollkommen, um die ganze Schönheit hinter „Zuversicht“ zu verbreiten, die in „Forces At Work“ sogar etwas druckvoll und wütend, ja gar rockig, klingen kann, bis dann von besagten „Continuum“ wiederum eine fast hymnische, traumhafte Atmosphäre ausgeht.
NILS WÜLKER experimentiert auf „Zuversicht“ weniger als in den letzten Jahren zuvor. Dafür aber entdeckt er genau den Musikstil, der ihn anfangs so maßgeblich prägte wieder für sich. Klassischer, moderner Jazz, der seine schwarzen Wurzeln zu keiner Minute verleugnet und dabei seine ganze, besonders ruhige, Klangschönheit zu einem Baum entfaltet, unter den man sich schutzsuchend voller „Zuversicht“ stellen kann.


FAZIT: Welch wunderschöner, hoffnungsvoller Album-Titel, den uns einer der größten deutschen Trompeter und Flügelhornbläser NILS WÜLKER hier erstmals in deutscher Sprache präsentiert: „Zuversicht“! Mit diesem Album findet Wülker in klassischer Jazz-Besetzung mit drei namhaften internationalen Jazz-Musikern an Piano, Kontrabass und Schlagzeug wieder zurück zu den klassischen, ruhevoll geprägten Jazz-Wurzeln.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 58x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • Seite A (24:47):
  • All Hands On Deck (5:24)
  • As Young As Your Faith (4:08)
  • This Moment's Rhythm (4:46)
  • Alpenglow (4:30)
  • Fomo Fighter (5:59)
  • Seite B (21:57):
  • Time Will Tell (3:03)
  • Second Nature (4:55)
  • Forces At Work (3:53)
  • Continuum (5:13)
  • It's Okay (1:35)
  • It's Alright (3:18)

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