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Klone: Here Comes The Sun (Review)

Artist:

Klone

Klone: Here Comes The Sun
Album:

Here Comes The Sun

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Progressive Rock/Metal

Label: Pelagic Records
Spieldauer: 50:12
Erschienen: 24.04.2015
Website: [Link]

Mögliche AC/DC-Nachfolger gibt es wie Sand am Meer, was an der Massenkompatibilität dieser Art des Hard Rocks und den vergleichsweise simplen Songaufbauten liegen dürfte. Dass sich aber tatsächlich Bands finden lassen, die sich am Erbe von TOOL versuchen, ist da schon erstaunlicher. Natürlich gibt es da keine 1:1-Kopie, das verhindert alleine schon der riesige Respekt vor dem Katalog der Amis, aber neben KARNIVOOL gehörten lange KLONE aus Frankreich zu den aussichtsreichsten, weil spieltechnisch stärksten Kandidaten auf die Thronfolge. Das ist nun im Falle der Letztgenannten vorbei.

Die progressiven Grundstrukturen stützen und formen die Songs zwar weiterhin, TOOL spielen da aber eigentlich keine Rolle mehr. Stattdessen liegt der Fokus auf ruhigerem Progressive Rock, der in seinen ruppigeren Momenten an gezügelte KATATONIA, SWALLOW THE SUN und dezent an die Gothic-Elemente PARADISE LOSTs erinnert, größtenteils aber tatsächlich etwas Eigenständiges an sich hat. Anders als die genannten Bands und ihre Kollegen kommen KLONE ganz ohne Theatralik aus, um ihren Emotionen gebührend Ausdruck zu verleihen. Am stärksten ist das an ‚Immersion‘ und ‚The Last Experience‘ zu erkennen, die Heavyness und Fragilität mit einem fantastischen Gitarrensound zu verbinden wissen. Dazwischen gibt es viele zurückhaltende Momente, die leicht über die zum Teil komplexen Arrangements hinwegtäuschen.

Aber das ist ein gutes Zeichen, denn die Musik schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Kaum ein Song hält sich lange mit einem 4/4-Takt auf, das fällt aber erst auf, wenn man sich die Zeit dafür nimmt, dem Album zuzuhören. Dann entfalten sich auch die zahlreichen Details wie der Einsatz von Saxophonen, die zart gespielten Cleangitarren und das famose Bassspiel von Jean-Etienne Maillard. Tieftönermelodien, die sonst gegen voll aufgedrehte und verzerrte Gitarren anspielen müssen, bekommen einen angemesseneren Platz zugewiesen und können eine ganz andere Wirkung erzielen.

Obwohl vieles das Ohr umschmeichelt und auf den ersten Höreindruck recht fluffig klingt, stellt sich richtige Faszination erst nach mehreren Durchläufen ein. Erst dann sind die eigenen Hörgewohnheiten so weit erforscht, dass sich die ersten Lieblingsstellen herauskristallisieren. Auf dieser Grundlage kann dann die Entdeckungsreise fortgesetzt oder der Sound der Platte einfach entspannt genossen werden. Aber trotz der beeindruckenden Selbstverständlichkeit, mit der die Band den Klangwechsel vollzogen hat, ist der Ansatz natürlich noch nicht ausgereizt, denn gerade in der Albummitte fallen die Songs ein wenig zu homogen aus.

Schön, melancholisch und ein klein wenig mysteriös sind die Momente weiterhin, aber gerade das Abschlussstück ‚Summertime‘ weiß nicht so ganz, was es sein will. Fraglos ist es bemerkenswert, dass sich die Band an das klassische Musicalstück von GEORGE GERSHWIN wagt, aber es mag ihr nicht so recht gelingen dem Lied ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Fast schon tongeschlechtslos wandelt es zwischen Streichern und Saxophonen, zwischen Schönheit und Stille, Hoffnung und Verzweiflung, ohne dabei aber einen Punkt zu machen. Trotzdem bleibt „Here Comes The Sun“ ein interessanter Paradigmenwechsel in der Karriere der Franzosen, der so selbstsicher und qualitativ hochwertig erst mal umgesetzt werden muss. Zudem ist es eine Ersatzdroge für all diejenigen, denen Gothic Rock zu theatralisch und Progressive Rock zu verspielt ist.

FAZIT: KLONE verabschieden sich von ihrem hörenswerten TOOL-Sound, machen dafür aber einen großen Schritt in Richtung Eigenständigkeit. Progressive Strukturen werden von den Franzosen nun genutzt, um zurückhaltende und facettenreiche Rock-Songs zu schreiben, die auf ihre ganz eigene Weise faszinieren. Natürlich geht ein solch radikaler Umbruch selten in Perfektion von statten, denn hier und da ist bei „Here Comes The Sun“ noch Luft nach oben, trotzdem gelingen der Band genügend melancholisch-schöne Momente, die über ihre Wurzeln hinaus weisen.

Norman R. - Stellvertretender Chefredakteur (Info) (Review 3350x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Immersion
  • Fog
  • Gone Up in Flames
  • The Drifter
  • Nebulous
  • Gleaming
  • Grim Dance
  • Come Undone
  • The Last Experience
  • Summertime (George Gershwin Cover)

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
Kommentare
Thomas
gepostet am: 28.04.2015

User-Wertung:
13 Punkte

Toll, ich bin rundum begeistert. Durchhänger? Ausfälle? Nix da, Fehlanzeige
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
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