Musikreviews.de bei Facebook Musikreviews.de bei Twitter

Partner

Statistiken

Courtney Barnett: Creature Of Habit (Review)

Artist:

Courtney Barnett

Courtney Barnett: Creature Of Habit
Album:

Creature Of Habit

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Indie-Pop, New Wave

Label: Virgin Music
Spieldauer: 37:37
Erschienen: 27.03.2026
Website: [Link]

Ob eine Gottesanbeterin auch zu den Gewohnheitstieren gehört, auf die sich die australische Songwriterin COURTNEY BARNETT im Titel ihres vierten Albums „Creature Of Habit“ bezieht, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall war es eine solche Heuschrecke, welche die Künstlerin auf der Schwelle zu ihrem Studio sitzend vorfand, die die kreative Initialzündung zur neuen Songsammlung auslöste.


Und das erklärt zugleich das LP-Covermotiv (das eben eine Gottesanbeterin zeigt), wie natürlich auch logischerweise den Track „Mantis“, der dem Album als Single-Auskopplung vorangestellt wurde.
In dem Song resümiert COURTNEY BARNETT über die Situation als sie das besagte Krabbeltier auf ihrer Türschwelle fand und dieses in einer Phase der allgemeinen Ziellosigkeit als Zeichen interpretierte, ihre kreative Ader wieder aufzunehmen und sich songwriterisch zu engagieren. Kurzum lag hier der Startpunkt, von dem aus sich das Album "Creature Of Habit" entwickelte - mit dem COURTNEY BARNETT ihre Routinen als Gewohnheitstier überwand.


Atmosphärisch setzt der Song mit seinem digitalen Effekt-Gitarren-Sounds den klanglichen Tenor des Albums. Allerdings ist er etwas eigenartig produziert, denn der Track beginnt mit einer ewig langen, sich nur langsam steigernden Low-Fi-Einleitung, die unweigerlich dazu führt, dass der geneigte Hörer an der Lautstärke-Einstellung herumfummelt. Ein Zeichen dafür, dass sich COURTNEY BARNETT mit allerlei experimentellen Sound- und Produktions-Ideen kreativ mit vollem Einsatz auslebte. Die Heuschrecke - als mythisches Zeichen für Glück, Geduld, Ausdauer und Orientierung war es also tatsächlich, die den kreativen Impetus für das Projekt ausgelöst hatte - wie das Barnetts Freundin, Produzentin und Schlagzeugerin STELLA MOZGAWA (WARPAINT), der sie ein Foto der Gottesanbeterin geschickt hatte, implizierte.


Hierbei ist besonders interessant, unter welchen Umständen das Werk zustande kam. Zu Beginn ihrer Karriere als Songwriterin von Down Under war COURTNEY BARNETT eine sichere Bank in Sachen abrasiver Gitarrensounds, Grunge-Geschrammel und Alt-Folk- bzw. Alt-Country-Flair - ganz so wie man sich das von einer Indie-Künstlerin Mitte der 2010er-Jahre vorstellte. Mit der Zeit - als sie sich etwa mit ihrer damaligen Partnerin JEN CLOHER musikalisch etwas versöhnlicher aufstellte - relativierte sich die zuweilen unstrukturierte Wildheit ihrer eigenen Alben etwas. Zwar kam sie, nach der Trennung von Cloher mit Unterstützung ihrer jetzigen Produktions-Partnerin Mozgawa mit dem 2021er-Album "Things Take Time, Take Time" erneut auf das Thema abrasive Rocksounds zurück, allerdings in einem produktionstechnisch ambitioniert eingefangenen, kanalisierten Setting.

Wir erinnern uns wohl noch daran, dass 2021 die Pandemie noch in Full Swing war. Das verhinderte, dass sie das Album ordentlich promoten oder touren konnte, wodurch es nicht den Stellenwert erreichte, den sich COURTNEY BARNETT erhoffte. Letztlich brachte sie dieser Umstand mit sich, dass das einst mit JEN CLOHER gegründete Label "Milk!" in finanzielle Schieflage geriet, sodass Barnett dieses dann 2023 abwickelte. Im Anschluss hieran übersiedelte sie in die USA und musste in Los Angeles ihr Leben neu sortieren, bevor sie an neuem Material zu arbeiten begann.


Für "Creature Of Habit" bedeutete das, dass es inhaltlich deutlich persönlicher und konkreter ausfiel und eigentlich im lockeren Plauderton über die erwähnte Phase, die zu der neuen Songsammlung führte und all die kleinen, banalen, alltäglichen Themen, die sich ihr in eben dieser Phase präsentierten, berichtet. Musikalisch nutzte sie die Chance, sich neu aufzustellen und mit Hilfe von STELLA MOZGAWA eine neue Soundästhetik zu etablieren, die sich in New Wave-Sounds ("Sugar Plum" oder "Same"), Folk-Pop ("Mostly Patient"), Jangle Pop (wie auch bei dem mit WAXAHATCHEE eingesungenen Duett "Site Unseen") sowie ein wenig Psychedelia, Art-Rock und sogar elektronischen Elementen im letzten Track "Another Beautiful Day" manifestiert.


Der Reiz dieses Projektes liegt darin, dass die poppige Ausrichtung der meisten Tracks nie zum Selbstzweck verkommt, sondern als Basis für eine insgesamt ambitioniert-stilistische Weiterentwicklung hergenommen wird. Mag sein, dass die neue Ausrichtung auch damit zu tun hat, dass COURTNEY BARNETT heutzutage eben in Los Angeles lebt, was ein wenig auf sie abfärbte. Hat man sich aber erst einmal damit abgefunden, dass es klanglich und stilistisch poppiger wird, so offenbart sich, dass sich an Barnetts Geschick, vielschichtige Songs zu schreiben, nichts geändert hat und auch dieses Album einige potentielle 'Hits' enthält.


FAZIT: Mit ihrem vierten Album "Creature Of Habit" schlägt COURTNEY BARNETT erkennbar ein neues musikalisches Kapitel auf und zeigt sich dabei von einer bemerkenswert lebensbejahenden, zugänglichen und versöhnlichen Seite. Wer auf den rauen Sound aus den Anfangstagen von ihrer Laufbahn stand und beispielsweise ihr Debüt-Album oder die Kollaboration "Lotta Sea Lice" mit KURT VILE von 2017 im Ohr hat, der muss sich wohl damit abfinden, dass COURTNEY BARNETT 2026 einen deutlich poppigeren musikalischen Ansatz verfolgt - darf sich allerdings auch damit trösten, dass ihr dabei einige wirklich attraktive Songs gelungen sind.

Ullrich Maurer (Info) (Review 37x gelesen, veröffentlicht am )

Unser Wertungssystem:
  • 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
  • 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
  • 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
  • 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
  • 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
[Schliessen]
Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
Kommentar schreiben
Tracklist:
  • Stay In Your Lane
  • Wonder
  • Site Unseen (feat. Waxahatchee)
  • Mostly Patient
  • One Thing At A Time
  • Mantis
  • Sugar Plum
  • Same
  • Great Advice
  • Another Beautiful Day

Besetzung:

Alle Reviews dieser Band:

Interviews:
  • keine Interviews
(-1 bedeutet, ich gebe keine Wertung ab)
Benachrichtige mich per Mail bei weiteren Kommentaren zu diesem Album.
Deine Mailadresse
(optional)

Hinweis: Diese Adresse wird nur für Benachrichtigungen bei neuen Kommentaren zu diesem Album benutzt. Sie wird nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht. Dieser Service ist jederzeit abbestellbar.

Captcha-Frage Wobei handelt es sich um keine Farbe: rot, gelb, blau, sauer

Grob persönlich beleidigende Kommentare werden gelöscht!