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Dark Millennium: COME (Review)
| Artist: | Dark Millennium |
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| Album: | COME |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Avantgarde Dark Metal |
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| Label: | Massacre Records | |
| Spieldauer: | 43:20 | |
| Erschienen: | 22.05.2026 | |
| Website: | [Link] |
Rund dreieinhalb Jahrzehnte nach ihrer Gründung demonstrieren die Avantgarde-Metal-Pioniere DARK MILLENNIUM mit ihrem sechsten Album "COME" eine musikalische Entwicklung, die vor allem eine Frage aufwirft: Wann endlich überwindet die Band den Status des ewigen Geheimtipps?
Im Vergleich mit den Großen seiner Zunft muss sich das Quintett keineswegs verstecken: Während sich bei anderen Bands, die in den späten Achtzigern bis frühen Neunzigern gegründet wurden, oft gewisse Routinen einschleichen, trumpfen die Sauerländer anno 2026 mit einer leidenschaftlichen Darbietung auf, die "COME" unabhängig von Stilfragen und Abwechslungsreichtum unbedingt hörenswert macht. Hauptverantwortlich dafür ist einerseits Christian Mertens, der die Hörerschaft auf vielfältige Weise in den Rausch von "COME" zieht und seinem Gesangsorgan dabei mehr denn je abverlangt, und andererseits Andre Schaltenberg, der seit "When Oceans Collide" (2018) für mächtig frischen Wind am Drumkit sorgt und dessen Spiel jegliche im härteren Metal leider weit verbreitete Nähmaschinen-Langeweile dynamisch wie druckvoll umschifft. Die Performance dieser Beiden kann abenteuerfreudige Dark-Metal-Fans im Grunde kaum unberührt lassen.
Dass der Wiedererkennungswert der stimmungsvollen Musik vor allem auf den Arrangements und der Darbietung von Gitarrist Hilton Theissen beruht, kann niemanden überraschen, der den Werdegang von DARK MILLENNIUM seit geraumer Weile verfolgt. Auch in dieser Hinsicht darf konstatiert werden, dass sowohl im Hinblick auf Komposition wie Produktion neues Terrain in der schwermetallischen Peripherie erobert wird: Der Sound bleibt ganz unverkennbar, doch gleichzeitig wartet "COME" mit unerhörtem Abwechslungsreichtum auf, der auch beim x-ten Hören fesselt und mit Details fasziniert, während die Durchschlagskraft der Musik bei aller vermeintlichen Exzentrik eine Staunen machende Eingängigkeit verleiht. Einem metallischen Mainstream nähert sich die Band zwar nicht an, doch sie lädt gemäß dem Album-Titel ein, in ihre Songs einzutauchen: Komm, lass dich fortreißen…!
So wartet der Opener "Here" nicht nur mit eindeutig identifizierbaren Arrangements auf, wie sie DARK MILLENNIUM seit ehedem eigen sind, sondern die psychedelische Härte wird um nahezu "luftige" Klänge ergänzt, die dem Song bei aller Härte auch etwas Leichtes verleihen. Die erste Single-Auskopplung "Amber" knüpft zunächst träumerisch daran an, und die musikalischen Kontraste werden spielerisch mehr als gelungen inszeniert – man achte alleine auf die Basslinien von Gerold Kukulenz! Gleichzeitig vermittelt Christian Mertens den Eindruck, er wolle in die Köpfe der Hörerschaft hineinkriechen und sich dort – flüsternd, greinend, grollend – festsetzen.
Und so spielt sich die Band in einen Rausch, der Stilfragen spottet, während z.B. in "Fear Forest" Triptykon so überragend zitiert werden, dass wohl auch Tom G. Warrior Anerkennung zollen würde, während DARK MILLENNIUM binnen weniger Augenblicke bereits wieder durch ganz eigene Gefilde preschen – was wörtlich zu verstehen ist, denn Andre Schaltenberg treibt die Band zuweilen sehr forsch an.
Das geschmiedete Logo auf dem Cover von "COME" glüht in der ästhetischen Tradition von Metal-Klassikern und repräsentiert ein vergleichsweise zugängliches Werk, dessen Kompositionen zwar allesamt progressiv klingen, doch eben nicht zu abstrakt, fast so, als würde die Band mehr denn je zu sich selbst finden. Das geht ab und zu mit überraschender Lockerheit einher: Der Beginn von "Pieces Of Midnight" könnte auch ein Take aus einer launischen Session von Jerry Cantrell sein, und der wunderliche "Green God" blinzelt kurz neugierig zum Free Jazz hinüber, bevor die Nummer eine epische Zuspitzung erfährt.
Somit handelt es sich bei "COME" um ein durchweg stimmungsvolles, enorm abwechslungsreiches Album, das eine seit Jahrzehnten einzigartig tönende Band in bestechender Form zeigt.
FAZIT: Die Entwicklung, die DARK MILLENNIUM mit ihrem sechsten Album "COME" fortsetzen, fasziniert mit Ideenreichtum, ganz starkem Songwriting und noch besserer Performance. Ginge es im Metal-Journalismus um musikalische Klasse, würde die Band mit diesem bisher konkurrenzlosen Anwärter auf das Avantgarde-Metal-Album des Jahres von den Titelseiten der einschlägigen Magazine grüßen.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Here
- Amber
- Fear Forest
- Winter of Wizards
- Pieces of Midnight
- Green God
- Witchcraft Island
- House of the Pale Inhabitant
- Bass - Gerold Kukulenz
- Gesang - Christian Mertens
- Gitarre - Hilton Theissen, Michael Burmann
- Schlagzeug - Andre Schaltenberg
- COME (2026) - 14/15 Punkten
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