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José Afonso: Galinhas do Mato (Review)

Artist:

José Afonso

José Afonso: Galinhas do Mato
Album:

Galinhas do Mato

Medium: CD/LP
Stil:

Singer/Songwriter, Weltmusik, Folk

Label: Mais 5/Broken Silence
Spieldauer: 39:15
Erschienen: 19.06.2026
Website: [Link]

„José Afonso war ein Wanderer – ein Reisender durch vielfältige musikalische Traditionen, immer nah am Volk und stets offen für unterschiedliche Einflüsse und Erfahrungen, die er dann akribisch in Lieder verwandelte, um das Leben, den Humanismus und fortschrittliches Denken zu feiern. Ein wunderschöner Abgesang mit ein wenig Hilfe von seinen Freunden.“ (Der Sohn von JOSÉ AFONSO – Pedro – über seinen Vater und dessen Musik!)

Als „Galinhas do Mato“ im Jahr 1985 veröffentlicht wurde, hatte der portugiesische Liedermacher JOSÉ AFONSO nur noch zwei Jahre zu leben. Wie schwer ihm, dem 56-Jährigen und gegen die fortschreitende Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose Ankämpfende (unheilbare degenerative Erkrankung 'ALS' des motorischen Nervensystems, bei der nach und nach alle Muskeln aussetzen, wovon übrigens auf tragische Weise auch der Sänger der STERN-COMBO MEISSEN, Reinhard Fißler betroffen war) damals bereits das Singen fiel, ist auf seinem letzten Album bereits unüberhörbar.


José Manuel Cerqueira Afonso dos Santos, damals noch besser als 'Zeca' bekannt, zählt zu den bedeutendsten und zugleich am meisten verehrten Musikern der 80er-Jahre in Portugal, dessen Erbe nunmehr auf ähnlich hohem Niveau von seinem Neffen João fortgesetzt wird, was bestens auf dessen kürzlich veröffentlichten „Todo Tempo“ nachzuhören ist.

1974 war ZECAs Lied „Grandola, Vila Morena“ das Startsignal für die 'Nelkenrevolution' in Portugal, bei der die Diktatur des Salazar-Regimes gestürzt und unter einer provisorischen Regierung der Übergang zur Demokratie innerhalb der 'Dritten Republik' mit freien Wahlen eingeleitet wurde. In Grândola erinnert noch heute ein Denkmal an diesen geschichtsträchtigen Song, dessen Zeilen auf einer großen Mauer als ewiges Mahnmal für die Freiheit niedergeschrieben wurden.
Welch legendäre Wirkung dieser Song auf das gesamte portugiesische Volk hatte, wurde dann vor gut einem Jahr von den WANDERER SONGS auf „Ao Vivo No Teatro Faialense“ vertont, in dem dieser Song der Nelkenrevolution von ZECA eine zentrale Rolle spielt – und wozu wir in unserer Review folgendes feststellten: „In Portugal jedenfalls wurde unter Zuhilfenahme dieses Songs die längste andauernde faschistische Diktatur gestürzt – und eine wichtige Rolle spielte dabei ein Lied, welches als ein Aufbruchssignal zum Sturz der Faschisten verstanden wurde, als man es mutig im Radio spielte: 'Grandola, Vila Morena' vom liedermachenden, antifaschistischen Folk-, Fado-, Jazz-Gitarristen/Komponisten und Sänger JOSÉ ZECA AFONSO.“


Galinhas do Mato“ (1985) ist das letzte Album, welches JOSÉ AFONSO (1929–1987) noch zu Lebzeiten aufnahm und das nun zu remasterten Ehren auf Vinyl und CD gelangt!
Eingeschränkt durch die sich verschlimmernde ALS wurde Afonso von einer Vielzahl an Gastmusikern zur Verwirklichung des Albums unterstützt. Schon unter diesem Aspekt berührt die Musik auf „Galinhas do Mato“ zutiefst, obwohl das expressionistisch gestaltete LP-Cover etwas verstört. Dafür aber ist der remasterte Klang hervorragend und holt dieses über 40 Jahre alte Album klangtechnisch mitten hinein in die moderne Gegenwart.

Mit purer Lebensfreude (egal, ob im Angesicht des Todes oder nicht) beginnt „Galinhas do Mato“ mit „Agora“ und feiert das 'Jetzt' mit flotten Schlag-Rhythmen und beschwingten Bläsern. Stimmung pur, zu der man sich mitbewegen will und selbst wenn man den portugiesischen Text (alle Texte sind übrigens im Inneren des LP-Gatefoldcovers abgedruckt) nicht versteht, so spürt man die Lebensfreude dahinter, die allerdings mit der folgenden Ballade samt weiblichem (klassisch geschultem) Gesang und Flöten sowie traditionellem Hintergrund in eine andere, traurigere Richtung gelenkt wird.

Zwei Songs voller Gegensätze, die sich trotzdem miteinander vereinen. Genau das ist auch die Absicht hinter dem gesamten Album, wenn dann in Song Nummer 3 sogar ein ganzer Chor seine Stimmen zusätzlich zum männlichen Gesang erhebt.
Trotzdem ist hiermit noch nicht der Höhepunkt erreicht. Der erwartet einen mit der Hommage an den russischen Filmemacher Andrei Arsenjewitsch Tarkowski (der übrigens ein Jahr vor José Alfonso verstarb) unter dem Titel „Tarkovsky“.


Das Stück klingt wie eine Filmmusik der absoluten Extraklasse, indem hier unterschiedliche Stile zu einem echten Kunstwerk verflochten werden, wobei oft die akustische Gitarre und Bläser in den Vordergrund tritt, Traditionelles portugiesisches Liedgut ebenso einfließt wie perkussive (etwas indianisch erscheinende) Rhythmen für Stimmung sorgen, um immer wieder in nachdenkliche ruhigere Momente überzugehen.

Da kommen einem wirklich MIKIS THEODORAKIS und GEORGES MOUSTAKI (und der große 'Zorba' samt Tanzeinlage) in den Sinn – die ganz Großen eben. Und zu denen zählt ja auch der in Portugal längst als Volksheld verehrte JOSÉ AFONSO.

Aber es geht auch flott und lustig, was der LP-B-Seite-Opener „Década De Salomé“ im Western- und Country-Style wie bei einem Saloon-Tanz und mehr als seltsamen Gesang – mal erzählend, mal singend, mal Kinderreim-artig runterbetend – beweist, um dann erneut einen scharfen Schnitt zu setzen. Wieder eine traurige Ballade, wieder weiblicher Gesang, wieder klassische Strukturen plus Traditionelles, das besonders im zweiten Songteil durch eine Klezmer-ähnlich klingende Klarinette betont wird.


Dem schließt sich verführerischer Kindergesang im Titeltrack an, dem instrumentale Passagen beigemischt werden, die sehr modern und gewagt klingen – so als würden sie nicht passen, um dann im Stile eines MIKE OLDFIELD samt Klatschen und Satzgesängen zu einem großen orchestralen Monument im „Incantations“-Geiste seine Vollendung zu finden. Das ist echt fantastisch! Der zweite Höhepunkt des Albums.

Mit dem verträumten „À Proa“ geht das Album rein instrumental und durch die Flöte dominiert – die wie eine Singstimme agiert – dem Ende entgegen. So klingt wohl ein Sonnenuntergang in Portugal – oder eben das letzte musikalische Lebenszeichen eines ganz großen Musikers aus Portugal, der in seinem Land unvergessen ist und bleiben wird, bis er dann zum allerletzten Mal auf „Alegria da Criação“ seine Stimme erhebt.


FAZIT: Mit „Galinhas do Mato“ hinterließ der legendäre, in Portugal kultisch verehrte Liedermacher JOSÉ AFONSO 1985 sein letztes musikalisches Lebenszeichen, nachdem er zwei Jahre später seiner ALS-Krankheit erlag. Gut 40 Jahre später erweist das Label Mais 5 ihm die Ehre, eine remasterte Ausgabe dieses großartigen Albums auf Vinyl und CD zu veröffentlichen. Wenn man es heute hört, wird einem auch außerhalb Portugals klar: Es war höchste Zeit für diese Veröffentlichung!

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 59x gelesen, veröffentlicht am )

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  • 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
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Tracklist:
  • Seite A:
  • Agora
  • Tu Gitana
  • Moda Do Entrudo
  • Tarkovsky
  • Escandinávia Bar-Fuzeta
  • Seite B:
  • Década De Salomé
  • Benditos
  • Galinhas Do Mato
  • À Proa
  • Alegria da Criação

Besetzung:

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